Erfolgreicher Transfer-Tag zum Gelingen der sozial-ökologischen Transformation
Vor einem gut gefüllten Audimax begrüßte Prorektor Prof. Dr. Michael Isfort die Gäste aus ganz Nordrhein-Westfalen. „Wir möchten mit dem heutigen Transfer-Tag die Nachhaltigkeit nicht nur thematisch hochhalten, sondern dieses Thema konstruktiv bearbeiten“, sagte er. Dafür biete der Transfer-Tag die Chance, praxisnahe Maßnahmen zu entwickeln und Netzwerke zu stärken. „Wir wollen nicht jammern – wir wollen ins Tun kommen“, so Professor Isfort weiter, „ein Beitrag dazu ist dieses Netzwerktreffen.“
Motivierende Grußworte zu Beginn
Prof.in Dr.in Natalie Bartholomäus vom Beirat HN NRW / NAW.NRW stellte in ihrem Video-Grußwort fest, dass das diesjährige Motto den Nagel auf den Kopf trifft: „Die ökologischen Themen dürfen nicht ohne soziales Engagement gedacht werden“, sagte sie. Auch die Kölner Bundestagsabgeordnete Katharina Dröge lobte in ihrem Video-Grußwort den Austausch, um an Lösungen zu arbeiten. Mit Blick auf den zurückliegenden Hitzesommer hob Dröge in ihrer Videobotschaft die wichtige Rolle der Kommunen beim Schutz der Bevölkerung hervor. Sie forderte von der Bundesregierung, die Städte und Gemeinden mit dieser Aufgabe nicht allein zu lassen. „Nur in der Nachhaltigkeit und in Klimainnovationen liegt eine wirtschaftliche Perspektive für Deutschland“, sagte die Grünen-Politikerin abschließend und dankte den Teilnehmenden für ihr Engagement.
Podiumsdiskussion fasst Zukunftsvisionen zusammen
In der folgenden Podiumsdiskussion lenkte WDR-Moderator Uwe Schulz den Blick auf die Frage, wie die sozial-ökologische Transformation gelingen kann. Die vier Gäste erläuterten aus Sicht von Wissenschaft, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft die konkrete Zukunftsvision eines lebenswerten Quartiers im Jahr 2030, das klimaresistent, gesund, bezahlbar und sozial-inklusiv ist.
Nicole Stauf vom Thinktank Centre for Planetary Health Policy (CPHP) erklärte, dass ein Dialog nötig ist, um rausfinden, wo in der Praxis der Widerstand für mehr Nachhaltigkeit liege: „Im Gesundheitssektor braucht es mehr Investitionen und mehr Überzeugungsarbeit, um das System zu verändern“, sagte sie, „der unterfinanzierte Gesundheitssektor alleine kann das nicht stemmen.“ Politik und Budgets müssten ganzheitlicher gedacht werden, so Stauf.
Dortmund als Klimaschutz-Vorreiter
Ein gutes Beispiel für gelungene Umsetzung in den Kommunen lieferte Dr.in Theresa Eckermann für die Stadt Dortmund. Dort konnte bereits mit breiter Unterstützung ein Hitzeaktionsplan verabschiedet und mit Seniorenbüros, einem Hitzetelefon, stadtweiten Messsensoren oder einer Kühle-Orte-Karte umgesetzt werden. „Wir stellen im politischen Diskurs fest, dass der Aktionsplan anschlussfähig ist“, sagte Eckermann, auch weil die Klimafolgenanpassung über den Hitzesommer 2026 für die Bevölkerung anders spürbar geworden ist.
Einen globalen Blick lieferte Pirmin Spiegel vom Bistum Speyer mit dem Beispiel einer Initiative von über 50 Ländern aus dem pazifischen Raum, die sich zusammengetan hat, weil die globale Politik oft nur schöne Papiere liefere, aber keine Abhilfe leiste: „Wir brauchen andere Antworten, da die bisherigen Foren keine Antworten geben“, so Spiegel, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Misereor, dem Werk für Entwicklungszusammenarbeit der katholischen Kirche.
Politische Leitplanken bleiben wichtig
Oliver Mergens, Berater für den Outdoor-Modehersteller VAUDE, verdeutlichte die Selbstverpflichtung des Unternehmens für mehr nachhaltige Kleidung, betonte aber die Notwendigkeit, dass sich angesichts der fortschreitenden Klimakrise mehr Firmen nachhaltig aufstellen: „Wir brauchen Leitplanken seitens der Politik, die alle Unternehmen lenken“, sagte Mergens. Seine Idee ist, bestehende Expertisen an den Euro zu koppeln, damit möglichst schnell etwas passiere.
KI ist eine neue Beschleunigungswelle
Mit einer kurzweiligen Keynote erklärten Zeitforscher Jonas Geissler und Astrophysiker Prof. Dr. Harald Lesch, wie der Burnout der Natur mit der zeitlich prekären Lage vieler Menschen in unserer Gesellschaft zusammenhängt. Geissler nahm die Zuhörenden mit auf eine Reise durch die Zeitgeschichte: vom griechischem Zeit-Gott Chronos über die Rhythmisierung durch die Industrialisierung bis hin zum ‚rasenden Stillstand‘ in der Arbeitswelt. Auch die Künstliche Intelligenz ist eine zeitliche Beschleunigungswelle für den Menschen: „Diese Entgrenzung birgt die Gefahr von Burnouts“, sagte Geissler.
Hoffnung auf Auswege aus Klimakrise
Der aus München zugeschaltete Wissenschaftler Prof. Dr. Harald Lesch ergänzte mit Blick auf die Klimageschichte vom Urknall bis zur Klimakrise heute. Nach einem düsteren Szenario angesichts schmelzender Gletscher und steigender Temperaturen spendete er auch Hoffnung: So konnte China seinen CO2-Verbrauch in den letzten 18 Monaten enorm senken. Auch andere Länder wie Australien schaffen mit Photovoltaik- und Windanlangen sowie modernen Energiespeichern die Wende und entwickeln daraus neue Geschäftsmodelle. „Deutschland hat zu lange an den fossilen Energien festgehalten“, kritisierte Lesch die hierzulande verschleppte Energiewende. Zugleich ermutigte er die Aktionsbündnisse, die im lokalen Rahmen die Bedingungen ändern können.
Entwicklung praktischer Umsetzungsideen in Workshops
Mit großem Engagement arbeiteten die Teilnehmenden abschließend in drei Workshops der Koordinationsstelle Klimaschutz der Stadt Köln, der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG) sowie des Konzeptwerk Neue Ökonomie zusammen. Dort entwickelten sie Ideen, wie Städte und Gemeinden zukunftsfähig umgestaltet werden können, überlegten, welche Veränderungen durch den globalen „Handabdruck“ bei der Klimakrise als Gesundheitskrise möglich sind und blickten kritisch sowie visionär auf das globale Wirtschaftssystem.
Nächster Transfer-Tag der Nachhaltigkeit 2027 in Bochum
Nach einem erfolgreichen Tag verabschiedete Moderator Uwe Schulz die Teilnehmenden und lud zum nächsten 5. Transfer-Tag der Nachhaltigkeit „Discovering Tomorrow“ am 13. Oktober 2027 in Bochum ein.
Fotos: katho / Uta Wagner