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IFCU-Kongress in Köln: Wie katholische Hochschulen weltweit ihre Identität stärken können

Über 50 Gäste von katholischen Hochschulen aller Kontinente – darunter Rektor_innen, Prorektor_innen, Kanzler_innen, Mitarbeitende von International Offices oder Kommunikationsfachleute – kamen vom 19. bis 21. Oktober an der katho in Köln zusammen. Eingeladen hatte die International Federation of Catholic Universities (IFCU), der weltweite Zusammenschluss von über 200 katholischen Universitäten und Hochschulen. Die diesjährige IFCU-Konferenz beschäftigte sich mit der „Markenbildung katholischer Universitäten in einer sich wandelnden Hochschullandschaft“ und fand in der katho am Standort Köln statt..

Die Teilnehmenden der diesjährigen IFCU-Konferenz am ersten Veranstaltungstag.

Die Gäste aus aller Welt gingen drei Tage lang spannenden Fragen nach: Was zeichnet katholische Universitäten heute aus? Wie kommen Menschenwürde, Wahrheit, Solidarität, das Gemeinwohl und der Dialog zwischen Glauben und Vernunft im institutionellen Leben zum Ausdruck? Wie kann die Kommunikation diese Identität in pluralistischen Gesellschaften glaubwürdig widerspiegeln?

Nach der Eröffnung durch Rektorin Barbara Schermaier-Stöckl und Kanzler Bernward Robrecht von der katho sowie Loïc Roche (IFCU) sprach Khrystyna Hapanovych zum Thema Soziale Nachhaltigkeit. Sie betonte eindrucksvoll die einzigartige Identität ihrer Ukrainischen Katholischen Universität (UCU) als lebendige, wertebasierte Institution, die mehr sei als ein Marketingkonzept. 
 

Markenzeichen „Gelebte Verantwortung“ 

Die UCU verkörpere „Witness“ (Zeugnis ablegen), „Serve“ (Dienen) und „Communicate“ (Gemeinschaft bilden)“ – Prinzipien, die in konkreten Taten wie der Unterstützung von Veteranen, inklusiver Bildung (für Menschen mit Behinderungen) oder der Bewältigung von Kriegstraumata sichtbar werden. Die UCU sieht sich als „unzerbrechliche Kraft“, so Hapanovych, die durch Krisen wie den Krieg stärker werde und Gesellschaften durch christliche Werte, Ethik und Technologie präge. Die Universität wolle „globale Ukrainer verbinden“, die ukrainische Erfahrung als Lehrbeispiel für Resilienz und Menschlichkeit teilen und so eine menschliche Zukunft mitgestalten. Ihr Markenzeichen sei nicht Werbung, sondern „gelebte Verantwortung“ – besonders in schwierigen Zeiten.
 

Meinungsaustausch in Open Spaces

Nachmittags folgte eine Open-Space-Session mit Expert_innen zu folgenden Themen: „Was uns auszeichnet: Förderung von Innovation und Neugestaltung des akademischen Lernens“ (Marvin Hackfort, Dr. des. Sabrina Marquardt, Pia Zimmermann von der katho), „Markenstimme und Kommunikationsstrategien“ (Jesica Paola Guerrero Hernandez von der Universidad Mesoamericana de Guatemala), „Nachhaltigkeit als Teil der Identität einer Universität: Ein institutionenweites Rahmenkonzept“ (Dr. Nils Großmann, Dominik Schneider von der katho) und „Gewinnung von wertorientierten Gemeinschaften“ (Yazan Al-Zubaidy von der Bethlehem University, Palästina, und Kofi Amegashie, St Mary’s University, Twickenham).

Der Tag klang bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Kölner Brauhaus aus.

 

Gemeinwohl als zentrale Aufgabe von Universitäten

Am Folgetag thematisierte Prof. Dr. Hans Hobelsberger in seiner Opening Keynote die Rolle katholischer Hochschulen im öffentlichen Raum, insbesondere vor dem Hintergrund des Glaubwürdigkeitsverlusts der katholischen Kirche durch die Missbrauchsskandale und deren mangelhafte Aufarbeitung. Einfluss entstehe nicht durch Abgrenzung, so der Theologe in seinem Vortrag, sondern durch glaubwürdige Verkörperung der eigenen Sendung, etwa durch Gemeinwohlorientierung. Kirchliche Hochschulen seien Teil des Wissenschaftssystems und werden von diesem genauso geprägt, wie sie es selbst beeinflussen, so Hobelsberger weiter.

Er bezog sich auf den Soziologen Hartmut Rosa und dessen These, dass Einfluss auf „Resonanz“ basiere. Folglich müssten kirchliche Hochschulen im öffentlichen Raum präsent sein, offen zuhören und sich auf Augenhöhe mit anderen Akteuren austauschen. Weiterhin hob der frühere katho-Rektor Hans Hobelsberger den deutschen „Wissenschaftsrat“ hervor, der Anfang 2026 Gemeinwohl als zentrale Aufgabe von Universitäten definierte mit Kriterien wie Exzellenz, Wirkung, Integrität, Teilhabe und Ressourcenverantwortung. Katholische Universitäten können hier durch ethische Forschung, soziale Teilhabe und nachhaltiges Handeln einen spezifischen Beitrag leisten. 
 

Katholische Hochschulen müssen Vertrauen schaffen und mitgestalten

Mtra. Maricarmen Díaz de Sandi Gómez von der Universidad del Valle de Atemajac (Mexiko) folgte mit ihrer Keynote. Sie brachte eine lateinamerikanische Perspektive auf Kommunikationsnetzwerke und institutionelle Zusammenarbeit ein. Einfluss bedeutet für sie einen glaubwürdigen Beitrag zur Gesellschaft und nicht nur bloße Sichtbarkeit: „Wir als katholische Hochschulen müssen Vertrauen schaffen und um das zu erreichen, müssen wir gestalten“, so de Sandi Gómez in ihrem Vortrag. 

Für die Kommunikationsexpertin liegt ein Hauptanteil bei den Marketingabteilungen, die die „Architekten des Vertrauens“ seien. Dies gelinge durch Zusammenarbeit und hilfreiche Best-Practice-Beispiele: „Wir sind alle vereint, arbeiten zusammen, können voneinander lernen, um Lösungen für uns alle zu finden“, betonte de Sandi Gómez zum Abschluss, „so haben wir eine stärkere und klarere Stimme.“
 

Von der Mission, begrenzten Budgets und erfolgreichem Blended Learning

Nach der Mittagspause diskutierten die Teilnehmenden in einem Strategie-Panel über diese Themen: Prof. Martin Osita Anagboso von der Madonna University in Nigeria schilderte unter dem Titel „Die Mission als Grundlage“ die Schwierigkeiten, die mit der Gründung der ersten katholischen Hochschule des Landes im Jahr 1999 einhergingen. Heute kann er stolz auf 12.000 Studierende an drei Standorten sein. 

Suzana Obrovac (Catholic University of Croatia) zeigte anschließend den Aufbau einer glaubwürdigen Hochschulmarke von innen heraus auf. Unter dem Motto „Doing more with less“ gelang es dem kleinen Marketingteam, mit einem begrenzten Budget, einer digitalen Kommunikation und einer gemeindebasierten Öffentlichkeitsarbeit die Hochschule sichtbar und erfolgreich zu machen.

Es folgte Prof.in Dr.in Karla Verlinden (katho), die über erfolgreiche Blended Learning zu Sexualerziehung und Sozialarbeit mit der Catholic University of Zimbabwe (CUZ) referierte. Sie erklärte, warum Sexualerziehung gerade und vor allem an katholischen Universitäten ihren Platz haben sollte: „Wenn Menschenwürde, Schutz und soziale Verantwortung für unsere Hochschulen von zentraler Bedeutung sind, dann können wir es uns nicht leisten, die Sexualerziehung am Rande unserer Lehrpläne zu belassen“, fasste Verlinden zusammen.
 

Gewinnbringende Workshops zur Rolle katholischer Universitäten 

Nach der Mittagspause verteilten sich die Teilnehmenden auf drei Workshops. Sie befassten sich mit der Rolle katholischer Universitäten in Zeiten sozialer und politischer Polarisierung und Entdemokratisierung (Leitung: Prof. Dr. Norbert Frieters-Reermann, katho), mit katholischen Universitäten in einer säkularen Gesellschaft (Leitung: Prof. Dr. Marc Breuer, katho) und der Stärkung der öffentlichen Stimme der katholischen Universitäten (Leitung: Ing. Mario Alfredo Ochoa, UCASAL). 

Am Abend konnten die IFCU-Gäste den Kölner Dom besichtigen. Unter der Führung von Domkapitular Dominik Meiering besichtigten sie die Mutterkirche des Erzbistums Köln, die zugleich Wahrzeichen der Stadt und Weltkulturerbe ist. Besonders eindrucksvoll waren die Erklärungen zum monumentalen goldenen Schrein für die Gebeine der Heiligen Drei Könige.  

 

Strategische Weichenstellungen am Abschlusstag

Der dritte und letzte Tag der IFCU-Konferenz begann mit einem Gottesdienst unter der Leitung von Monsignore Ulrich Hennes. Gemeinsam beteten die internationalen Gäste in der Kapelle der katho, bevor eine Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Markéta Rusnáková (Catholic University of Ruzomberok), Prof. Benny Munyaradzi Nyambo (Catholic University of Zimbabwe), Prof. Álvaro Barbosa (University of Saint Joseph in Macao) und Claudia Merino Calzadillas (Universidad Francisco de Vitoria in Madrid) startete. Die vier Vertreter_innen stellten zunächst ihre katholischen Hochschulen vor und hoben deren Besonderheiten hervor. 

Die abschließende Podiumsdiskussion warf einen Blick auf die strategischen Weichenstellungen für das katholische Hochschulwesen und brachte die Perspektiven der Führungskräfte aus verschiedenen Regionen zusammen. In der Schlussrunde, die wie die gesamte IFCU-Konferenz von Prof. Dr. Joachim Söder, Standort Aachen, und Jennifer Jung, Standort Paderborn, moderiert wurde, blickten die Teilnehmenden optimistisch in eine Zukunft, in der der Mensch als Ganzes im Zentrum der Bemühungen von katholischen Hochschulen und Universitäten stehe.

Mit vielen Dankesworten für die gelungene IFCU-Konferenz in Köln seitens Kanzler Bernward Robrecht und Mitorganisator Loïc Roche endete das dreitägige Treffen und die Teilnehmenden traten voller Inspiration, Ideen und neuen Kontakten ihre Heimreise an.

 

IMPRESSIONEN

Barbara Schermaier-Stöckl steht auf Podium bei Eröffnung der IFCU-Konferenz katho-Rektorin Barbara Schermaier-Stöckl bei der Eröffnung der IFCU-Konferenz.
Khrystyna Hapanovych von der Ukrainischen Katholischen Universität (UCU) betonte in ihrem Beitrag die einzigartige Identität UCU als lebendige, wertebasierte Institution. Khrystyna Hapanovych von der Ukrainischen Katholischen Universität (UCU) betonte in ihrem Beitrag die einzigartige Identität UCU als lebendige, wertebasierte Institution.
Konstruktive Meinungsaustausch in Open Spaces am ersten Tag.
Freude über Schweinshaxen und Sauerbraten in einem Kölschen Brauhaus.
Kanzler Bernward Robrecht erläutert die Kunstaktion „Würde unantastbar“ und verteilt selbst hergestellte Täfelchen an die Gäste.
Strategie-Panel mit Prof. Martin Osita Anagboso von der Madonna University in Nigeria, Suzana Obrovac (Catholic University of Croatia) und Prof.in Dr.in Karla Verlinden (katho) sowie dem katho-Moderator_innenteam (v.l.n.r.). Strategie-Panel mit Prof. Martin Osita Anagboso von der Madonna University in Nigeria, Suzana Obrovac (Catholic University of Croatia) und Prof.in Dr.in Karla Verlinden (katho) sowie dem katho-Moderationsteam (v.l.n.r.).
Die internationalen Gäste vor dem goldenen Schrein mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige. Domkapitular Dominik Meiering (vorne, 3.v.r.) gab die Führung.
Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Markéta Rusnáková (Catholic University of Ruzomberok, Mitte) und Prof. Benny Munyaradzi Nyambo (Catholic University of Zimbabwe, links). Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Markéta Rusnáková (Catholic University of Ruzomberok, Mitte) und Prof. Benny Munyaradzi Nyambo (Catholic University of Zimbabwe, links).
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