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Studentin Antonia Reinold vertrat Deutschland beim CAJ-Weltrat

Alle vier Jahre trifft sich die Internationale Christliche Arbeiterjugend (CAJ), um den Weltrat, das höchste beschlussfassende Gremium der CAJ, abzuhalten, so wie beim jüngsten Treffen vom 2. bis 23. Oktober auf den Philippinen. Mit dabei war Antonia Reinold, Studentin der Sozialen Arbeit an der katho in Aachen. Gemeinsam mit Merlin Schüllner aus Bayern vertrat sie Deutschland. Außerdem waren zwei Beobachterinnen aus Deutschland mitgereist. Antonia teilt hier ihre Eindrücke.

Gruppenfoto mit allen Delegierten des CAJ-Weltrats 2026 (Foto: privat)

Die CAJ ist ein Jugendverband, der 1925 vom belgischen Kardinal Joseph Cardijn gegründet wurde. Seine Mission war es, junge Menschen zu vereinen und sich für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen stark zu machen. Daraus entstand im Laufe der Jahre eine internationale Bewegung mit 29 Nationalbewegungen rund um den Globus. Eine davon ist in Deutschland aktiv. 

Die deutsche CAJ ist in einzelne Diözesen unterteilt. In Deutschland gibt es 16 Diözesanverbände, darunter einen in Aachen. Dort treffen sich Jugendliche, um gemeinsam über ihr Leben und Politik zu reden, Gemeinschaft zu erleben und Spaß zu haben. Dabei werden Partizipation und Demokratie großgeschrieben. Als ehrenamtliche Diözesanleiterin in Aachen begleite ich Freizeitveranstaltungen sowie Gruppentreffen unserer Mitglieder und vertrete die CAJ in verschiedenen Gremien. Beim Weltrat durfte ich die CAJ Deutschland als eine von zwei Delegierten vertreten. 


Herausforderungen und Schicksalsschläge bei gastgebenden Jugendlichen

Beim Weltrat, der im Oktober auf den Philippinen stattfand, kamen Delegierte aus allen Nationalbewegungen zusammen. Vor der Konferenz gab es noch einen Austausch mit Ortsgruppen der CAJ auf den Philippinen. Meine Gruppe besuchte eine Ortsgruppe mit Jugendlichen im Alter von 15 bis 20 Jahren. Wir durften in ihre Lebensrealitäten eintauchen, in ihren Häusern schlafen und sehen, wie sie leben. Die Jugendlichen erzählten uns ihre Geschichten. Die Familie, bei der ich mit einer weiteren Person übernachtete, lebte in einer kleinen Wohnung, in der die einzelnen Zimmer nur durch Vorhänge voneinander getrennt waren.

In der Gasse der anderen Gastfamilien saßen Frauen vor ihren Haustüren und wuschen die Wäsche per Hand. Einige der Jugendlichen aus dieser Gegend berichteten, dass sie auf sich allein gestellt sind, da ihre Eltern im Ausland arbeiten oder sich nicht um sie kümmern können. Ihre Geschichten waren geprägt von Herausforderungen und Schicksalsschlägen, dennoch bewahren sich die Jugendlichen ihre Freude und haben Träume für ihre Zukunft.


Lebensrealitäten als Grundlage der Konferenz 

Nach dem Austausch begann die Konferenz. Der Schwerpunkt lag darauf, den neuen internationalen Aktionsplan zu erarbeiten, der die Lebensrealitäten der CAJler_innen weltweit berücksichtigen soll. Wir haben die zentralen Bereiche herausgearbeitet: Dazu gehören würdevolle Arbeit, mentale Gesundheit, Bildung, Wohnungsnot, soziale Absicherung und Geschlechtergerechtigkeit. Zudem setzten wir uns mit den Aktionen der Nationalbewegungen auseinander und evaluierten die erledigte Arbeit. 

Aus Deutschland durften wir eine Aktion aus Aachen präsentieren: Eine Arbeitsgruppe innerhalb der CAJ setzt sich dort mit aktuellen politischen Themen auseinander und gibt den Mitgliedern dabei den Raum, über Politik, Demokratie und Teilhabe zu lernen und diese zu erleben. In den Aktionen der anderen Nationalbewegungen ging es unter anderem um den Kampf, eine Gewerkschaft zu gründen, oder um ein Gartenprojekt, um sich als Gemeinschaft selbst Gemüse anbauen zu können. 

Ein weiteres Ziel ist es, die CAJ weiter auszubreiten, enger zusammenzuarbeiten und internationale Solidarität und Gemeinschaft zu leben. Auch die Finanzen der internationalen CAJ und die Geschlechtergerechtigkeit waren Themen. All dies wurde im internationalen Aktionsplan festgehalten, der damit die Arbeitsgrundlage für die kommenden vier Jahre schafft. Zum Abschluss der Konferenz wurde das neue internationale Team gewählt, das die Nationalbewegungen in ihrer Arbeit unterstützt.

 

Austausch und Kulturnächte

Während unserer gesamten Zeit auf den Philippinen stand der Austausch miteinander im Mittelpunkt. Wir haben viel gefeiert, geredet und neue Menschen kennengelernt. Abends fanden Kulturnächte statt, bei denen die einzelnen Länder den anderen ihre Kultur präsentieren durften. Durch diese Begegnungen erhielten wir sehr viele Einblicke in die verschiedenen Kulturen und konnten so unsere Vielfalt und Gemeinschaft feiern. Wir sind als Unbekannte gekommen und haben uns als Freund_innen verabschiedet. 

Ich kann aus dieser Zeit viel Wertvolles für mein Studium und meinen späteren Beruf mitnehmen. Ich durfte Menschen und Kulturen sowie ihre Lebensrealitäten und -geschichten kennen- und in Ansätzen verstehen lernen. Ich habe erlebt, wie man trotz unterschiedlicher Sichtweisen respektvoll und freundschaftlich verbunden sein kann. In der CAJ geht es darum, sich für Menschen stark zu machen bzw. sie zu befähigen, sich zu vereinigen und in Aktion zu treten. Und genau das ist auch das Ziel der Sozialen Arbeit: sich mit und für Menschen einsetzen, um eine würdevolle und gerechte Welt zu schaffen. Beim Weltrat konnte ich dies besser kennenlernen und viele wertvolle Erfahrungen sammeln.
 

Text: Antonia Reinold
 

IMPRESSIONEN

Delegierte aus Indien, Nicaragua, Peru, Philippinen und Deutschland vorm CAJ-Büro Vor dem Büro der CAJ Philippinen: Delegierte aus Indien, Nicaragua, Peru, Philippinen und Deutschland (mit Antonia Reinold (2.v.l. Mitte) und Merlin Schüllner (rechts hinten)).
Antonia sitzt an Nähmaschine und näht Putzlappen. Während des Austauschs lernte Antonia Putzlappen zu nähen. Damit verdienen Einheimische ihren Lebensunterhalt.
Frauen stehen um einen Tisch mit Essen auf Bananenblättern. Traditionelles Essen auf den Philippinen: Reis, Gemüse und Fisch auf dem Bananenblatt, gegessen mit den Händen.
Antonia Reinold aus Aachen (rechts) und Merlin Schüllner aus Passau (links) während der Konferenz.. Die Delegation aus Deutschland während der Konferenz: Antonia Reinold aus Aachen (rechts) und Merlin Schüllner aus Passau (links).
Ein buntes Blatt mit gesammelten Lebensrealitäten. Eine Skizze zu den gesammelten Lebensrealitäten.
Eine Teilnehmerin macht auf einem Blatt Papier Notizen. Antonia notiert Anmerkungen zu Dokumenten, die im Anschluss besprochen wurden.
Teilnehmende sitzen an Tischen während der Konferenz. Ein buntes Fahnenmeer auf der Konferenz.
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