Abschied einer Pionierin: Prof.in Dr.in Liane Schirra-Weirich geht in den Ruhestand
In seiner Begrüßung hob Dekan Prof. Dr. Martin Spetsmann-Kunkel die Durchsetzungskraft und Beharrlichkeit Schirra-Weirichs hervor. Zehn Jahre habe sie das Rektorat entscheidend mitgestaltet, die Teilhabeforschung an der katho profiliert, das Graduierteninstitut NRW mit aufgebaut, um das Promotionsrecht gerungen und internationale Kooperationen – etwa mit Partnern in Japan – ausgebaut. Auch im Fachbereich Sozialwesen am Standort Aachen sei sie bis zuletzt kritisch-engagiert aktiv gewesen, unter anderem als Gleichstellungsbeauftragte. Persönlich dankte er ihr für prägenden Einfluss auf seinen eigenen beruflichen Weg:
„Der Entschluss als RWTH-Absolvent in Soziologie sich für eine Professur an einer katholischen Hochschule im Fachbereich Sozialwesen bewerben zu können und damit zukünftig für angehende Sozialarbeitende zu lehren, geht auch maßgeblich auf deinen Einfluss zurück.“
27 Jahre Wirken an der katho
Rektorin Prof.in Dr.in Barbara Schermaier-Stöckl zeichnete die 27-jährige Verbundenheit Schirra-Weirichs mit der katho nach. Verantwortung und Forschung seien die Leitmotive ihres Wirkens: als stellvertretende Leitung des Instituts für Teilhabeforschung (seit 2016), im Aufbau des DemenzNetz Aachen, in der Drittmitteleinwerbung (etwa auch bei der Innovativen Hochschule mit s_inn), in internationalen Kooperationen mit Japan, Polen und der Türkei sowie in der Begutachtung forschungsethischer Fragen (seit 2012). Als Mitstreiterin für das Promotionskolleg NRW (PK NRW) und die Gleichstellung habe sie Wegmarken gesetzt – und gezeigt, dass Karriere und Familie vereinbar sind.
Kanzler Bernward Robrecht würdigte die hohe Identifikation der Geehrten mit der Institution und vor allem mit den Menschen der Hochschule. Liane Schirra-Weirich habe nie zwischen Statusgruppen unterschieden, sei Vorbild und stilprägend für die katho-Kultur gewesen und habe ihr Ressort nachhaltig weiterentwickelt.
Prof. Dr. Martin Sternberg, Vorsitzender des PK NRW, erinnerte an die gemeinsame Aufbauarbeit seit 2015, die in die Verleihung des Promotionsrechts im November 2022 mündete. Schirra-Weirich stehe für eine kooperative, zugleich entschlossene Wissenschaftskultur: Sie sei „kein Ellenbogenmensch, aber standhaft in der Sache“.
Ehemalige Studierende verabschieden sich
Absolvent_innen beschrieben die Professorin als fordernd und fördernd zugleich: Sie habe ermutigt, nie aufzugeben, Fragen zu stellen, Unterschiede auszuhalten und Lösungen zu finden. Torsten Nyhsen betonte, wie sehr er fachlich und menschlich von ihrer Haltung des Zuhörens und Befähigens profitiert habe.
Eine Absolventin, die an dem Abend nicht vor Ort sein konnte, aber in ihrem Werdegang intensiv von Schirra-Weirich begleitet wurde, ist Prof.in Dr.in Sina Eghbalpour. Sie kennt die Soziologin seit ihrem Studienbeginn 2011 an der katho:
„Von 2020 bis 2023 hat Liane Schirra-Weirich mein Promotionsprojekt an der Deutschen Sporthochschule Köln mit außergewöhnlichem Engagement begleitet. Ich habe von ihr fachlich wie persönlich unendlich viel gelernt: wissenschaftliche Präzision ebenso wie die Haltung, dass Lehre bzw. der Job als Professorin ein riesiges Privileg sind und die Entwicklung junger Menschen im Mittelpunkt stehen sollte – Liane wird mir als Kollegin, gemeinsame Forschungspartnerin sowie als Mentorin sehr fehlen.“
Musikalisch gestaltete der inklusive Chor ChorSonant unter der Leitung von Prof.in Dr.in Marion Gerards die Feier. Für einen emotionalen Höhepunkt sorgte eine der vier Töchter von Liane Schirra-Weirich, mit persönlichen Worten an ihre Mutter.
In ihrem Schlusswort dankte Prof.in Dr.in Liane Schirra-Weirich Kollegium, Weggefährt_innen und besonders ihrer Familie. Sie blickte auf Stationen, die sie mit Stolz erfüllen: ihre Antrittsvorlesung, die Gründung des Instituts für Teilhabeforschung, erfolgreiche Drittmittelprojekte wie der Antrag für s_inn und die Mitgründung des PK NRW – „Wir haben Hochschulgeschichte geschrieben!“ Mit „lachendem und weinendem Auge“ verabschiede sie sich: Es sei Zeit, Platz für Jüngere zu machen und neue Freiräume zu gewinnen; zugleich bleibe die Begleitung von Menschen für sie eine erfüllende Aufgabe.
Die katho dankt Prof.in Dr.in Liane Schirra-Weirich für 27 Jahre Wirken in Lehre, Forschung und Hochschulentwicklung und wünscht ihr für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.