„Holo-Voices“-Eröffnung in Essen: KI lässt Holocaust-Zeitzeug_innen lebendig werden
Die Holocaust-Überlebende Eva Weyl vor ihrem Hologramm: Sie wurde vorab von Studierenden der TU Dortmund für Holo-Voices interviewt. (Foto: MKW NRW/Bernd Thissen)
Die Holocaust-Überlebende Eva Weyl bei ihrer Rede auf der Eröffnung in Essen. (Foto: MKW NRW/Bernd Thissen)
Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (Mitte), im Gespräch mit anwesenden Holocaust-Überlebenden. (Foto: MKW NRW/Lars Berg)
Das Projekt „Holo Voices“ gibt den Überlebenden des Holocaust eine Stimme für die Ewigkeit. Dafür führten Studierende des Journalistik-Studiengangs und Historiker_innen der Technischen Universität Dortmund lange Interviews mit Zeitzeug_innen durch. KI-Expert_innen digitalisiert sie und erstellten aus den Aufnahmen fotorealistische, dreidimensionale Hologramme. Dadurch ist es möglich, den Hologrammen Fragen zu stellen. Die KI ermittelt anhand von Schlüsselbegriffen die Antwort, die am besten zur Frage passt. Die Antworten der Holocaust-Überlebenden werden nicht verfremdet, zusammengeführt, gekürzt oder ergänzt. Der Fragesteller bekommt immer die Original-Schilderung der Zeitzeug_innen zu hören, so dass eine direkte Begegnung und eine lebendige Interaktion möglich werden. Somit bleiben die persönlichen Geschichten der Zeitzeug_innen mit einem klaren Auftrag für nachfolgende Generationen erhalten: Nie wieder ist jetzt!
„Viele der Holocaust-Überlebenden sind 90 Jahre und älter – sie werden uns ihre Geschichte nicht mehr lange erzählen können“, sagte Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, bei der Eröffnung. „Deshalb schaffen wir mit ‚Holo Voices‘ eine Möglichkeit, mit Überlebenden der Shoah auch in Zukunft in einen Dialog treten zu können, um zu erfahren, was ihnen passiert ist – und was wir heute daraus lernen können.“
Ein Projekt von unermesslichem Wert
Auch aus Sicht der katho, die eine enge Partnerschaft zum Gordon College in Israel pflegt und u.a. Begegnungen von Studierenden mit dessen Präsidenten und Holocaust-Überlebenden Prof. Yecheskel Taler organisiert hat, ist dieses Projekt von unermesslichem Wert: „Es ist ein Geschenk, bei der Eröffnung in Essen dabei gewesen zu sein“, sagt Kanzler Bernward Robrecht. „Es ist eine immense Verpflichtung für uns alle, nicht nur Erinnerungskultur zu verstetigen, sondern Verantwortung zu übernehmen und Gedenkarbeit voranzubringen, wo es nur geht.“
Die Rektorin Barbara Schermaier-Stöckl ergänzt: „Gerade jungen Menschen einen Dialog mit Zeitzeug_innen des Holocaust zu ermöglichen, ist ein wichtiger Beitrag gegen Antisemitismus und Rassismus – das ist mit diesem Projekt herausragend gut gelungen.“
Holo-Voices mindestens ein Jahr in Essen
Das kostenlose Angebot ist vor allem für Schulklassen gedacht und soll zunächst ein Jahr lang auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zollverein bleiben. Dort gibt es auch begleitende Ausstellungen, u.a. zur Zwangsarbeit im Ruhrgebiet. Danach soll „Holo Voices“ auch an andere Standorte in Nordrhein-Westfalen wandern.
Das Projekt wird vom Land Nordrhein-Westfalen, der RAG-Stiftung, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie von der Brost-Stiftung getragen.