Vernetzt handeln im ASD: Zehn Abende, zehn Perspektiven, ein Ziel
Als Baustein innerhalb der „Vertiefungsspur ASD“ an der katho am Standort Aachen bot dieses Format den Studierenden die Gelegenheit, in die operative Zusammenarbeit von Fachkräften, Institutionen und Netzwerkpartnern einzutauchen und unterstrich eindrucksvoll, wie unverzichtbar die Vernetzung der Professionen und der direkte Wissenstransfer für die Arbeit des Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) sind. Die Veranstaltungsreihe zeigt die Notwendigkeit für das präzise Zusammenspiel innerhalb einer Verantwortungsgemeinschaft.
Zehn Expert_innen aus Justiz, Polizei, Medizin und Sozialer Arbeit brachten die spezifischen Logiken und Handlungszwänge ihrer jeweiligen Arbeitsbereiche in den Dialog ein. Dabei wurde deutlich, dass Kinderschutz kein isolierter Auftrag einer einzelnen Behörde ist, sondern ein hochkomplexes Geflecht, in dem jede Profession eine unverzichtbare Rolle spielt. Die Vielfalt der Perspektiven spiegelt die Realität des ASD-Alltags wider: Fachkräfte agieren hier als Schnittstellenmanager, die unterschiedlichen Fachsprachen verstehen und koordinieren. Wenn das gegenseitige Verständnis für die Arbeitsweisen der Partnerorganisationen vorhanden ist, fällt es leichter, Prozesse rechtssicher und im Sinne des Kindeswohls zu gestalten.
Schnittpunkt Medizin und Soziale Arbeit: Die zweite Etappe
Nachdem die ersten fünf Abende primär die juristischen und polizeilichen Rahmendaten beleuchteten, tauchte die zweite Hälfte der Veranstaltungsreihe in weitere spezialisierte Fachgebiete ein. Frau Dr.in Niebes aus der Kinderklinik sowie Frau Schlömer aus dem Sozialdienst des Sozialpädiatrisches Zentrums (beide Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg) verdeutlichten dabei die Bedeutung medizinischer Diagnostik im Kinderschutz. Weitere Abende widmeten sich der spezialisierten Beratung bei Gewalt im sozialen Nahraum und den Aufgabenbereichen freier Träger. Hierzu gaben Frau Nohl und Frau van der Meulen Einblicke in die ambulante Jugendhilfe, während Frau Crombach vom SKM Aachen zur Gewaltprävention und häuslichen Gewalt referierte. Die rechtliche Perspektive wurde durch Frau Klinkenberg vom Landschaftsverband Rheinland erweitert, die das neue Soziale Entschädigungsrecht (SGB XIV) vorstellte und dessen Relevanz für die Praxis erläuterte. Das Fazit der Reihe ist klar: Der ASD kann seine zentrale Funktion nur dann voll entfalten, wenn die fachlichen Verbindungen zu den Partnerprofessionen stabil und die Schnittstellen transparent gestaltet sind.
Echo aus der Studierendenschaft
Um ein authentisches Stimmungsbild der „Vertiefungsspur ASD“ einzufangen, haben wir die Teilnehmenden zum Abschluss der Veranstaltungsreihe nach ihrem persönlichen Fazit gefragt. Die Rückmeldungen unterstreichen eindrucksvoll den hohen Praxiswert des Formats.
In den Befragungen hoben die Studierenden hervor, dass die „Vernetzte Fachpraxis“ eine wertvolle Plattform geboten habe, um Fachkräfte aus benachbarten Berufsfeldern persönlich kennenzulernen. Besonders geschätzt wurde laut den Teilnehmenden die Möglichkeit, tiefe Einblicke in die jeweilige Fachpraxis zu gewinnen und im direkten Austausch alle offenen Fragen klären zu können.
Die Resonanz auf die gesamte „Vertiefungsspur ASD“ fiel ebenso positiv aus: Die Teilnehmenden betonten, dass die Seminare ein tiefes Verständnis für die Arbeit des ASD und dessen zentrale Bedeutung im Kinderschutz vermitteln. Die Rückmeldungen machen deutlich, dass eine erfolgreiche Fallarbeit für die angehenden Fachkräfte untrennbar mit der Vernetzung und der guten Kooperation aller beteiligten Akteure verbunden ist.
Perspektivwechsel auf Augenhöhe: Resonanz aus der Fachpraxis
Nicht nur die Studierenden profitierten von dem Format; auch die Expert_innen aus der Fachpraxis gaben durchweg positive Rückmeldungen. Sie zeigten sich beeindruckt von der engagierten Beteiligung und der hohen Reflexionsbereitschaft der Studierenden. In den Diskussionen wurde deutlich, dass hier weit mehr als reines Wissen vermittelt wurde. Es fand ein echter Dialog über die Herausforderungen und Chancen der interprofessionellen Zusammenarbeit statt. Angesichts der komplexen Anforderungen im Kinderschutz kann diese Form der vernetzten Ausbildung eine wichtige Antwort auf die Bedarfe der Praxis darstellen. Die angehenden Fachkräfte werden die Hochschule mit einem geschärften Blick für die Schnittstellen und die Notwendigkeit kollegialer Netzwerke in ihr Berufsleben verlassen.
Vernetzung ist kein Luxus, sondern Pflicht
Als Projektteam dieser Veranstaltungsreihe ziehen wir eine positive Bilanz: Die „Vertiefungsspur ASD“ hat bewiesen, dass die „Verantwortungsgemeinschaft“ kein bloßes Schlagwort sein muss. Wenn wir es schaffen, das gegenseitige Verständnis der Professionen bereits in der Ausbildung zu verankern, legen wir den Grundstein für einen rechtssicheren und wirkungsvollen Kinderschutz der Zukunft. Der Austausch auf Augenhöhe zwischen Expert_innen und neugierigen Studierenden war der eigentliche Erfolg dieser zehn Abende.
Lust auf mehr Einblicke?Die Statements unserer Studierenden finden Sie auf unserem Instagram-Kanal.
Das Projekt „Vertiefungsspur ASD“ wird vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes NRW gefördert.
ANSPRECHPARTNERIN FÜR DIE VERTIEFUNGSSPUR
Nadine Faber-Strauch
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Aachen, Sozialwesen