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Präsentation der Videoarbeit VERZERRT in Reutlingen

Vom 28. Januar bis zum 8. Februar 2026 zeigt das Kunstmuseum Reutlingen die im kulturpädagogischen Projekt ‚Grafeneck – Münster / 1940 – heute‘ entstandene Videoarbeit VERZERRT von Lena Ditte Nissen.

Datum und Uhrzeit 28.01.2026, 19:00 Uhr - 08.02.2026, 23:59 Uhr
Ort/ Adresse

Rathauses Reutlingen 
Marktplatz 22
72764 Reutlingen 

Referent_innen Lena Ditte Nissen
Veranstalter externer Veranstalter

In einem Fenster des Rathauses der süddeutschen Stadt Reutlingen wird die zwölfminütige Videoarbeit VERZERRT von Lena Ditte Nissen gezeigt. Sie erzählt von einem der schrecklichen Verbrechen des Nationalsozialismus - der systematischen Ermordung von Kindern, deren Leben als ‚lebensunwert‘ galt, weil sie mit Behinderungen lebten. Nissen nutzt dafür nicht schockierende Bilder. Sondern in einer Bildsprache, die durch Ruhe gekennzeichnet ist, und in einer Schriftsprache, die sich durch eine große Klarheit auszeichnet, wird das heutige Samariterstift Grafeneck gezeigt - in fragmentierten Aufnahmen von Räumen, Fluren, Bäumen und der Landschaft der Schwäbischen Alb, wo das 1940 zum Tatort der NS-‚Euthanasie‘-Verbrechen gewordene Schloss liegt. 10654 Menschen wurden dort durch Gas ermordet, darunter 407 Kinder. Das jüngste war zwei Jahre alt. Eines der Kinder, Bernhard Schmid, wird in der Videoarbeit in Fotografien und Dokumenten vorgestellt.

„Eine Linie ziehen von da nach hier. Verbindung herstellen, wo sich keiner Verbindung wünscht.“

Behutsam und mit Respekt nähert sich Nissen dem Ort und den Opfern. Und sie thematisiert eine „Angst“, die sich „vor den unverzerrten Blick“ stellt. Die sich zwischen sie und die Wirklichkeit schiebt und diese in einen flachen, matten Raum verwandelt. „Ich frage mich, ob es etwas anderes bedeutet, wenn ich Grafeneck besuche. Oder jemand anders, in dessen Familie es Täter oder Täterinnen gab, die explizit mit für die Tötung von Menschen mit Behinderung verantwortlich waren.“ Nissens Urgroßmutter väterlicherseits ist die „Reichshebammenführerin“ Nanna Conti, ihr Großonkel der „Reichsgesundheitsführer“ Leonardo Conti. Beide, Mutter und Sohn, waren massiv in die sogenannten ‚Krankenmorde‘ verwickelt. 

Die Eröffnung findet am Mittwoch, den 28. Januar 2026, um 19 Uhr im Eingangsbereich des Rathauses Reutlingen statt.
 

Über VERZERRT

VERZERRT ist eine für den öffentlichen Raum adaptierte Version der Videoarbeit TENDENZ VERZERRUNG (40 Minuten) und im Rahmen des kulturpädagogischen Projekts ‚Grafeneck – Münster / 1940 – heute‘ entstanden, das in Kooperation von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und dem Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Grafeneck initiiert wurde. Das Projekt wird in der Bildungsagenda NS-Unrecht durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und das Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.
 

Prof. Dr. Jochen Bonz

Prof. Dr. Jochen Bonz

Professor

Münster, Sozialwesen

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