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Alkohol und Fußball: eine fatale Beziehung

Seit einigen Jahren beobachtet Prof. Dr. Daniel Deimel Fußballfans und führt anonyme Befragungen durch, um die fatale Verknüpfung von Fußball und Bier zu erforschen. In der ARD-Sendung „Die Story“ teilt er seine Forschungsergebnisse.

Im Essener Fußball-Stadion interviewte der WDR den katho-Suchtforscher Daniel Deimel.

Deimel befürchtet durch den unkritischen Konsum von Alkohol auf Sportveranstaltungen, dass Kinder und Jugendliche an den Konsum herangeführt werden.

„Für viele Fußballfans gehört es dazu, vor dem Spiel Alkohol zu trinken, sich locker zu machen“, sagt Daniel Deimel. Der katho-Professor ist mit dem WDR ins Essener Fußballstadion gegangen und hat als Suchtexperte auf einem Spiel des Fußballvereins Rot-Weiß Essen seine Forschungsergebnisse geteilt. Dort verkauft die Sponsoring-Brauerei laut eigenen Angaben 9.000 Liter Bier pro Spiel – eine brisante Mischung, denn durch den unkritischen Konsum von Alkohol auf Sportveranstaltungen wie Spielen oder Trainings wird Suchtverhalten gefördert und Kinder und Jugendliche an den Konsum indirekt herangeführt.

Trotz vieler Alkohol- und Verkehrstoten reagiert die Politik nicht

Seit mehreren Jahren beobachtet Deimel Fußballfans auf Spielen und führt zusätzlich anonyme Befragungen durch. Sein Fazit: „Es gibt wenige Länder, in denen Alkohol im Stadion so stark vertreten ist wie in Deutschland – und die Folgen sind, dass mehr als drei Millionen Deutsche vom Alkohol abhängig sind oder missbräuchlichen Alkoholkonsum betreiben, also schon schwerwiegende medizinische Probleme damit einhergehen.“ Hinzukommen 14.600 Alkoholtote jährlich sowie viele Krebserkrankungen und Verkehrstote. Der volkswirtschaftliche Schaden wird auf 57 Milliarden Euro pro Jahr beziffert – dennoch macht die Politik, die unter dem Lobbyeinfluss der Alkoholindustrie steht, weiterhin die Augen zu.

Bierbrauerei und Fußball-Sponsoring hierzulande eng verknüpft 

Dass Alkohol als Katalysator wirkt, zeigt sich auch in der Sendung „Die Story“, die am Mittwoch (16.11.) um 22:15 Uhr im WDR ausgestrahlt wird und bereits jetzt auf der ARD-Mediathek zu sehen ist. „Alkohol verstärkt die Stimmung in beide Richtungen“, sagt Deimel. Zum einen versetzt er die Fans in Euphorie, wenn die Tore fallen, zum anderen kann es aber auch in die andere Richtung kippen, wenn das Spiel nicht so gut läuft. „In extremen Fällen werden auch Aufputschmittel genommen, um noch mehr Alkohol trinken zu können“, weiß Deimel aus seinen jahrelangen Forschungen zum Thema Alkohol und Fußball. Expert_innen wie er fordern strengere Gesetze. Dass das möglich ist, belegen Beispiele aus Frankreich oder England.

Wie eng die Bierbrauerei und das Fußball-Sponsoring hierzulande verknüpft sind und wie schwer es ist, gegen die Brauerei-Lobby anzukommen und etwa ein Werbeverbot für Alkohol oder Verkaufsverbot in Stadien zu erwirken, zeigt die WDR-Reportage eindrucksvoll.

 

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Kontakt

Prof. Dr. Daniel Deimel

Professor für Klinische Sozialarbeit

Aachen, Sozialwesen

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