Zum Hauptbereich springen Zum Fußbereich springen
| katho, | Köln,

Alltägliche Bewältigungspraxen obdachloser Menschen

Im November 2021 ist die Dissertation von Dr. Nora Sellner in der Reihe Schriften der katho NRW beim Verlag Barbara Budrich erschienen. Nora Sellner arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Abteilung Köln, am Fachbereich Sozialwesen auf einer Qualifizierungsstelle und promovierte an der Universität Duisburg-Essen. Als Mitglied im Promotionskolleg NRW (ehemals Graduierteninstitut NRW) promovierte sie kooperativ. Dies bedeutet, dass sie nicht nur durch die Universität Duisburg-Essen betreut wurde, sondern im Besonderen auch von Prof. Dr. Werner Schönig, Professor der katho am Standort Köln.

© Verlag Barbara Budrich GmbH

Unter dem Titel „Alltägliche Bewältigungspraxen obdachloser Menschen. Eine rekonstruktive Analyse im Spannungsfeld gesellschaftlicher Begrenzungen und Erwartungen“ befasste sich Nora Sellner mit einem Thema, welches nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in der Forschung als Randthema in Erscheinung tritt. Als Sozialarbeiterin, die in verschiedenen Bereichen der Wohnungsnotfallhilfe tätig war, hat das Thema für Nora Sellner jedoch eine besondere Relevanz, welche auch Prof. Dr. Christian Stark in seiner Rezension zu Nora Sellners Publikation mit einem eindeutigen Aufruf hervorhebt: „Für Mitglieder der entsprechenden Scientific Community ist die vorliegende Publikation eine Pflichtlektüre“ (Stark 2022, o.S.).

Nora Sellner widmet sich einem grundlagentheoretischen Thema im Feld der Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Die Forschungsarbeit fokussiert die Bewältigungspraxis obdachloser Frauen und Männer, indem ein exploratives und rekonstruktives Vorgehen realisiert wird, welches die Eigenlogik ihrer Alltagspraxis thematisiert. Ziel des Buches ist eine mehrperspektivische Betrachtung und Diskussion zur Bedeutung der Erkenntnisse über die Bewältigungspraxen obdachloser Frauen und Männer. Der Zugang zur Eigenlogik der (Bewältigungs-)Praxis obdachloser Frauen und Männer über die Praxeologische Wissenssoziologie mit der Dokumentarischen Methode, wurde in dieser Studie erstmalig gewählt. Ziel des rekonstruktiven Vorgehens ist es, diese Eigenlogik der Menschen durch (autobiographisch-)narrative Interviews zur Entfaltung zu bringen. Zu Beginn widmet sich der Band obdachlosen Menschen als einer Teilgruppe wohnungsloser Menschen, indem eine grundlagentheoretische Analyse zur Lebenssituation obdachloser Frauen und Männer im Spannungsfeld gesellschaftlicher Begrenzungen und Erwartungen erfolgt. Ergänzend wird ein (meta-)theoretisches Grundlagenverständnis vermittelt. Dabei werden Bewältigungspraxen als eine spezifische Form des sozialen Handelns verstanden, zu dem Menschen, hier im Besonderen obdachlose Menschen, alltäglich gefordert sind. Dazu werden die zwei Dimensionen Normalität und Normativität sowie Zugehörigkeit und Nicht-Zugehörigkeit differenziert betrachtet, da diese in einer besonderen Weise die soziale Praxis obdachloser Menschen strukturieren. Im Anschluss wird die soziale Praxis im Sinne der Lebensbewältigung in Anlehnung an Böhnisch als Bewältigungspraxis präzisiert. Daraufhin stehen die methodologische Rahmung und das methodische Vorgehen in der Forschungspraxis im Fokus. Kern der Studie ist die differenzierte Präsentation der dokumentarischen Interpretation der Interviews in Form einer sinngenetischen Typenbildung und einer exemplarischen Fallrekonstruktion eines Interviews. Mit einer mehrperspektivischen Betrachtung und Diskussion zur Bedeutung der Erkenntnisse über die Bewältigungspraxen obdachloser Frauen und Männer wird die Studie beschlossen. Dabei werden die Bedeutung der Erkenntnisse über die Bewältigungspraxen für die obdachlosen Frauen und Männer, für die Theorieentwicklung im Fachdiskurs und für die Praxis Sozialer Arbeit mit obdachlosen Menschen erläutert und diskutiert. Die Arbeit „schließt an die wenigen vorliegenden Forschungsarbeiten an und füllt mit ihrer spezifischen Perspektive und dem Fokus auf Bewältigungspraxen von Frauen und Männern eine Lücke in der bestehenden Forschungslandschaft“ (Stark 2022, o.S.).

Für weitere Informationen zur Veröffentlichung:

https://shop.budrich.de/produkt/alltaegliche-bewaeltigungspraxen-obdachloser-menschen/

https://www.socialnet.de/rezensionen/29050.php

Der Fachbereich gratuliert Dr. Nora Sellner zum Abschluss ihrer erfolgreichen Promotion und Publikation in der Reihe der katho NRW. Wir wünschen ihr alles Gute für ihren weiteren beruflichen Werdegang und viel Erfolg im neuen Forschungsprojekt zum Raumnutzungsverhalten von Menschen in Obdachlosigkeit – Grundfragen und besondere Aspekte der Corona-Pandemie am Beispiel Kölns, welches sie gemeinsam mit den Professoren Dr. Guido Heuel und Dr. Werner Schönig am Fachbereich Sozialwesen realisiert. 

Soziales Forschung katho Köln News
Zum Kopfbereich springen