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Bericht zum Besuch internationaler Expert_innen im Blockseminar “International Perspectives on Drug Policy and Addiction Services”

Im Rahmen des englischsprachigen Studienprogramms „Social Work and Exclusion“ fand am vergangenen Wochenende das Blockseminar „International Perspectives on Drug Policy and Addiction Services" am Standort Köln statt, welches gemeinsam von Prof. Ulrich Frischknecht und Thomas Szynkiewicz M.A. geleitet wird.

Sabrina Rootharam vom Federal Anti-Drug-Counsil am Ministry of Health in Surinam

Ebtesam Saleh aus dem Yemen, die zurzeit an der Charité in Berlin forscht

Die Studierenden erhielten internationale Impulse durch digitale Gastbeiträge: Sabrina Rootharam vom Federal Anti-Drug-Counsil am Ministry of Health in Surinam sowie die aktuell an der Charité in Berlin forschende Ebtesam Saleh aus dem Yemen diskutierten mit den Teilnehmenden über die Situation in ihren Ländern. Ebtesam Saleh diskutierte dabei mit unseren Studierenden ihre Präsentation, welche sie zuvor beim United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) hielt.

Suchtprobleme werden gerne tabuisiert – sind aber für die Soziale Arbeit wichtig!

Sucht, Substanzkonsum und damit verbundene soziale Dynamiken sind keine lokalen Ausnahmeerscheinungen, sondern weltweit identifizierbare Phänomene. In nahezu allen Gesellschaften finden sich Formen psychoaktiven Konsums, gesellschaftliche Aushandlungsprozesse über Kontrolle und Freiheit sowie Fragen nach Gesundheit, Ausgrenzung, Unterstützung und sozialer Teilhabe. 

Gleichzeitig unterscheiden sich die kulturellen Deutungen, politischen Strategien und institutionellen Antworten zum Teil erheblich voneinander.Gerade diese Gleichzeitigkeit von Gemeinsamkeit und Unterschiedlichkeit macht internationale Perspektiven für die Suchthilfe so bedeutsam. Während manche Länder primär auf Kriminalisierung und Kontrolle setzen, verfolgen andere stärker gesundheitsorientierte oder sozialintegrative Ansätze. Vorstellungen darüber, was als „Problem“, „Abhängigkeit“ oder „Hilfe“ gilt, entstehen dabei nie losgelöst von kulturellen Werten, historischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Selbstverständnissen. Internationale Perspektiven ermöglichen es daher, die eigenen Annahmen sichtbar zu machen und alternative Umgangsweisen kennenzulernen, die im eigenen System möglicherweise bislang undenkbar oder marginalisiert erscheinen.

Internationale und interkulturelle Perspektiven ermöglichen ein besseres Verständnis des Problems und möglicher Stellschrauben

Zugleich zeigt der internationale Vergleich, dass trotz kultureller Unterschiede viele Herausforderungen strukturell ähnlich sind: soziale Ungleichheit, psychische Belastungen, Stigmatisierung, prekäre Lebenslagen oder der Einfluss gesellschaftlicher Krisen auf Konsumverhalten. Wissenschaft kann hier eine gemeinsame Sprache bereitstellen, die über moralische Bewertungen oder kulturelle Vorannahmen hinausgeht. Forschung ermöglicht es, Erfahrungen unterschiedlicher Länder vergleichbar zu machen, Zusammenhänge systematisch zu untersuchen und Interventionen evidenzbasiert zu reflektieren. Internationale Perspektiven bedeuten deshalb nicht nur kulturellen Austausch, sondern auch die Chance, voneinander zu lernen und gemeinsame Antworten auf globale soziale Herausforderungen zu entwickeln.

Für die Soziale Arbeit und Suchthilfe entsteht daraus eine zentrale Haltung: Offenheit gegenüber anderen Perspektiven, Reflexion der eigenen kulturellen Prägungen und die Bereitschaft, komplexe soziale Phänomene nicht vorschnell zu vereinfachen. Internationale Perspektiven erweitern damit nicht nur Wissen, sondern auch die Fähigkeit, Menschen in ihrer jeweiligen Lebensrealität differenzierter zu verstehen.

Fazit und Bezug zu Weltnichtrauchertag und anstehender Weltmeisterschaft

Die lebhafte Diskussion und Auseinandersetzung mit der Suchtmittel- und Suchthilfepolitik in unterschiedlichen geographischen Regionen, Regimeformen und Wirtschafts- sowie Friedenslagen verdeutlichte, wie wichtig es ist, das Ausmaß Suchtmittelerzeugter Schäden in soziale und geopolitische Gegebenheiten einzuordnen. Dass ein Rangplatz im unteren Drittel in der Disziplin Tabakkontrolle für Deutschland innerhalb der EU daher eher drittklassig statt Weltmeisterschafts-playoff-tauglich ist, dürften die Studierenden nun leicht begründen können. 

Prof. Dr. Ulrich Frischknecht

Prof. Dr. Ulrich Frischknecht

Professur für Sucht und Persönlichkeitspsychologie

Köln, Sozialwesen

Thomas Szynkiewicz

Thomas Szynkiewicz

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Köln, Sozialwesen

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