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Bundesweite Studie: Substanzkonsum zum Sex ist bei Suchtpatient_innen weit verbreitet

57 Prozent der befragten Patient_innen, die sich wegen einer Abhängigkeitserkrankung in einer Suchttherapie befinden, konsumieren Alkohol, Kokain oder Amphetaminen zum Sex. Dabei nutzen Frauen Stimulanzien häufiger als Männer. Das zeigt eine Studie, die Forschende der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) durchgeführt haben und die vom Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gefördert wurde. Für viele Suchtpatient_innen sind sexuelle Settings ein Rückfallrisiko, denn über 80 Prozent sprechen in ihrer Therapie nicht über Sexualität. Spezifische Behandlungsansätze fehlen bislang.

Der Konsum von Alkohol, Kokain oder Amphetaminen zum Sex ist bei Menschen, die sich wegen einer Abhängigkeitserkrankung in einer Suchttherapie befinden, weit verbreitet.

In einer bundesweiten Studie, die vom Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gefördert wurde, wurden in zehn Suchtkliniken 490 Patient_innen zum sexualisierten Substanzkonsum befragt. 57 Prozent der Befragten gaben an, dass sie „öfters“ oder „sehr oft“ Substanzen zum Sex konsumiert haben. Dabei praktizierten Frauen dies häufiger als Männer. Insbesondere sog. Stimulanzien wie Kokain oder Amphetamin werden zum Sex konsumiert. Wichtige Motive für den sexualisierten Substanzkonsum liegen in der Steigerung des sexuellen Erlebens, zum Beispiel indem die Konsument_innen mit der Einnahme ihr sexuelles Bedürfnis verstärken oder ein erhöhtes sexuelles Selbstbewusstsein und eine gesteigerte sexuelle Leistungsfähigkeit empfinden. Für andere Suchtpatient_innen hingegen ist bedeutsam, durch die Drogen Sexualität und Intimität überhaupt erst erlebbar zu machen, indem Ängste und negative Gefühle überwunden werden. Das Vorliegen von sexuellen Funktionsstörungen bei Männern oder Missbrauchserfahrungen erhöhen die Nutzung von Substanzen zum Sex.

Rund 17 Prozent der befragten Patient_innen gaben an, dass sexuelle Settings mit einem subjektiv erhöhten Risiko einhergehen, wieder mit der Substanz rückfällig zu werden. Obwohl Sexualität und sexuelle Settings für viele Suchtpatient_innen eine hohe Relevanz haben, wird dieser Lebensbereich nur selten in der Therapie thematisiert. So gaben 82 Prozent der befragten Patient_innen an, dass gar nicht oder nur sehr wenig in der Therapie über Sexualität gesprochen wird. „Dies hängt einerseits mit einer Unsicherheit der behandelnden Therapeut_innen zusammen, adäquat über Sexualität sprechen zu können, und zum anderen mit fehlenden spezifischen Behandlungskonzepten in der Suchttherapie“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Daniel Deimel vom Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) an der katho.

Denn sexualisierter Substanzkonsum war bisher nur in Form von Chemsex bei Männern, die Sex mit Männern haben, ein relevantes Thema in der Suchtberatung und Suchttherapie. „Wir konnten nun erstmalig zeigen, dass der Konsum von Alkohol und anderen Drogen zum Sex deutlich verbreiteter ist als angenommen und auch bei heterosexuellen Patient_innen eine Rolle spielt“, so Deimel. „In einem weiteren Schritt müssen wir nun in der Suchtberatung und der Suchttherapie spezifische Beratungs- und Behandlungsansätze entwickeln, um dem Beratungsbedarf von Suchterkrankten für den sexualisierten Substanzkonsum gerecht zu werden.“


Zur Person

Daniel Deimel ist Professor für Klinische Sozialarbeit an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) am Standort Aachen und am Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP). Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen in der Bereichen Suchtforschung, Sozialpsychiatrie und Evidenzbasierter Sozialer Arbeit.

 

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Kontakt bei inhaltlichen Fragen

Prof. Dr. Daniel Deimel

Professor für Klinische Sozialarbeit

Aachen, Sozialwesen

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Pressekontakt

Katja Brittig

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Köln, Dezernat VI - Akademische Angelegenheiten

Soziales Forschung Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) katho Aachen Köln News Pressemeldung
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