CARS veröffentlicht Working Paper #007 von Markus Baum
Der Text geht dem Zusammenhang von Verschwörungsnarrativen und Krisen- und Kontrollverlusterfahrungen nach. Dabei werden unter Berücksichtigung (sozial-)psychologischer und gesellschaftstheoretischer Debatten Facetten der gegenwärtigen Gesellschaft rekonstruiert, die als Bedingungen sowohl der Dominanz des narzisstischen Sozialcharakters als auch seiner Krisenanfälligkeit gelten können. Die aus der Krise des Narzissmus resultierende psychische Disposition wird mittels des psychoanalytischen Konzepts der Mentalisierung beleuchtet.
Einsichtig wird auf diesem Wege, dass der Rückgriff auf Verschwörungsnarrative aus Krisen- und Kontrollverlusterfahrungen resultiert, die psychische Regressionsprozesse auszulösen vermögen. In politiktheoretischer Perspektive republikanischer Prägung wird abschließend diskutiert, inwiefern die im politischen Handeln gründende Erfahrung von Freiheit nicht allein diesen Regressionsprozessen, sondern darüber hinaus dem narzisstischen Sozialcharakter diametral entgegensteht. Daher, so die abschließende Überlegung, bietet gerade die politische Theorie Arendts erste, zugleich überzeugende Antworten auf die Herausforderungen der Gegenwart.
Der Autor
Markus Baum ist ab Oktober 2022 Professor für Soziologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) und seit 2020 Gründungsmitglied am Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien (CARS) in Aachen. Er arbeitet zu Fragen der Gesellschaftswissenschaften, der Sozial- und Politischen Theorie des 18. bis 21. Jahrhunderts sowie der Ästhetischen Theorie. Ab 2011 forschte und lehrte er an der RWTH Aachen (Institut für Soziologie und Institut für Politische Wissenschaft), seit 2018 an der katho am Standort Aachen.
Veröffentlichungen:
- Zu einer Kritischen Gesellschaftstheorie der Kommunikation. Erfahrungsarmut und der Ausschluss von Ästhetik und Hermeneutik im Werke Habermas’ (Wiesbaden 2018).
- Rechte Verhältnisse in Hochschule und Gesellschaft – Rassismus, Rechtspopulismus und Extreme Rechte zum Thema machen (Opladen/Berlin 2021, hg. mit Julia Breidung, Martin Spetsmann-Kunkel).
- Die Sprache der Stadt – Architektur- und urbane Raumbilder zwischen ästhetischer Subjektivierung und normalisierender Kommerzialisierung (Opladen u.a. 2022).
Weitere Informationen
Der Autor
Prof. Dr. phil. Markus Baum
Professor für Soziologie
Aachen, Sozialwesen