Zum Hauptbereich springen Zum Fußbereich springen
| Paderborn,

Corona Crisis – Impact on Health Care in Ghana

so lautete der Titel eines Vortrags von Prof. Dr. Martin Adokiya von der University of Development Studies Tamale in Ghana. Auf Einladung von Prof. Dr. Monika Többe-Schukalla fand der Vortrag im Rahmen eines Seminars zur Entwicklungszusammenarbeit als Handlungsfeld von Politik und Sozialer Arbeit am 29.6. digital statt.

Die Studierenden hatten sich vorab anhand verschiedener Themen mit den Grenzen und Möglichkeiten nachhaltiger Entwicklung im Rahmen der Agenda 2030 auseinandergesetzt. Hierbei wurde wiederholt festgehalten, dass die Coronapandemie für die 17 Nachhaltigkeitsziele eine immense, zum Teil kontraproduktive Wirkung beinhaltet, die sich wahrscheinlich erst im Laufe der kommenden Jahre in vollem Ausmaß zeigen wird.

Vor diesem Hintergrund griff Professor Adokiya ein wichtiges aktuelles Thema auf. Er informierte zunächst über den Stand der gesundheitlichen Versorgung in Ghana. Strukturell ist das System mit der Unterteilung in fünf Ebenen, die sich von den Kommunen über die Regionen und Distrikte bis zur nationalen Ebene erstrecken, gut aufgestellt und beinhaltet Versorgungen im primären, sekundären und tertiären Sektor.

Dennoch steht die gesundheitliche Versorgung in Ghana seit Jahren vor einigen Herausforderungen. Neben finanziellen Schwächen und wiederkehrenden Engpässen sowie teilweise Korruption in Verwaltung und Politik zeigen sich diese in fragmentierten Zuständigkeiten, fehlender Vernetzung und Koordination, die eine Implementierung innovativer Projekte und Vorhaben erschweren. Hinzu kommen besonders auf der unteren kommunalen Versorgungsebene kulturell und religiös verankerte Traditionen, wodurch der Zugang zur medizinischen Versorgung behindert werden kann. Dadurch ergeben sich nicht zuletzt sozial ungleich verteilte Zugänge zu den Versorgungssystemen.

Diese Schwächen haben, so Professor Adokiya, auch Auswirkungen auf die Bekämpfung der Coronapandemie. Ghana kann im Vergleich zu afrikanischen Nachbarstaaten relativ niedrige Inzidenzwerte und mit weit über 90 Prozent eine stabile Anzahl an genesenen Fällen aufweisen. Die Pandemie hat durchaus auch zur Entwicklung innovativer Technologien und zu Verbesserungen in der Versorgung mit Wasser und sanitären Ausstattungen geführt.

Aber die von der Regierung eingeführten Strategien wie Versammlungsverbote, Reiseeinschränkungen, Tragen von Masken und Distanzhalten stoßen bei der Bevölkerung auf Ablehnung und werden teilweise einfach nur ignoriert. So werden z.B. entsprechend der Tradition Beerdigungsfeiern durchgeführt mit mehrtägigen Versammlungen von Familien und Verwandten. Den traditionellen Verpflichtungen fehlt die flexible Anpassung an die notwenigen Erfordernisse. Gerade Ansammlungen von Menschen erweisen sich im bevölkerungsdichten Süden als besonders problematisch für die Bekämpfung der Pandemie. Ein Teil der Bevölkerung verhält sich den Sozial- und Gesundheitspflegern gegenüber skeptisch bis ablehnend. Dies wirkt sich nicht zuletzt auf die Akzeptanz der Impfungen aus.

Der abschließende Tenor des Vortrags hob die Bedeutung der neuen Virusvariante Delta hervor. Diese stellt für alle Länder eine neue Herausforderung dar. Wir wissen nicht, mit welchen Entwicklungen wir rechnen müssen und wie effektiv sich die bisherigen Impfkampagnen erweisen.

Die Universität Tamale ist Partnerhochschule der katho NRW. Es bleibt zu hoffen, dass unabhängig von den digitalen Möglichkeiten, absehbar wieder direkter Austausch von Studierenden und Lehrenden möglich sein wird.

Text und weitere Informationen: Prof. Dr. Monika Többe-Schukalla

International Paderborn Nachbericht
Zum Header springen