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| Aachen,

Diskriminierung an der Hochschule zum Thema machen - Erster Anti-Diskriminierungstag an der katho am 25. April 2022

Ungleichbehandlung und damit verbundene Unrechtserfahrungen rücken verstärkt in den öffentlichen Fokus. Die Betrachtung von Ursachen, Mechanismen und Auswirkungen benachteiligender Strukturen bietet die Chance, sowohl interne Strukturen als auch das eigene Verhalten zu reflektieren. Auch Hochschulen sind nicht unvermeidlich diskriminierungsfreie Räume. Um einen Beitrag zur Sensibilisierung gegenüber Diskriminierungs- und Benachteiligungsformen zu schaffen und strukturelle Veränderungen anzuregen, lud die katho am 25. April 2022 zum ersten Anti-Diskriminierungstag nach Aachen ein. In Vorträgen, Workshops und Diskussionen wurden unterschiedliche Formen von Diskriminierung im Hochschulkontext thematisiert, besprochen und erfahrbar gemacht.

Professor Martin Spetsmann-Kunkel, Dekan am Standort Aachen, begrüßt die 60 Teilnehmenden der Fachtagung.

Vorstellung des Awareness-Konzepts durch die Bildungsreferentin Emilene Wopana Mudimu.

Die Spoken-Word Artistin LYSANIA.

Vorstellung der Broschüre "Diskriminierung im Hochschulalltag zum Thema machen" durch Professorin Marion Gerards, Susanne Bücken und Tim Ernst.

Der Künstler Chelonis R. Jones.

Frau Dr. Lucyna Darowska von der Universität Oldenburg hielt einen Vortrag zu Anti-Diskriminierung aus einer Diversity-Perspektive.

Circa 60 Teilnehmende waren am 25. April 2022 in die Aula der katho am Standort Aachen gekommen, um sich über Formen und Mechanismen von Diskriminierung im Hochschulkontext zu informieren. Martin Spetsmann-Kunkel, Dekan am Standort Aachen, begrüßte die Referentinnen und Referenten sowie die Teilnehmenden der Fachtagung und unterstrich die Bedeutung eines kritischen Blicks auf die verschiedenen Diskriminierungsformen im Hochschul- und Studienalltag.

Zu Beginn führte die Aachener Bildungsreferentin und politische Aktivistin Emilene Wopana Mudimu in das so genannte Awareness-Konzept ein, das einen bewussten und respektvollen Umgang miteinander propagiert und das sich damit gegen Diskriminierung und Grenzverletzungen durch rassistische, sexistische und andere diskriminierende Handlungen und Haltungen stellt. Ein für die Veranstaltung eingerichteter Awareness-Raum in der katho bot Teilnehmenden zusätzlich Raum für Gespräche und Reflexionen über persönliche Diskriminierungserfahrungen.

Mit Poesie und unmittelbaren Gedankenspielen lud die Spoken-Word Künstlerin LYSANIA die Teilnehmenden zu einer besonderen Form selbstkritischer Reflexion ein. Ihre eindringlichen und von kühler Selbstdistanz durchzogenen Texte ließen die Anwesenden teilhaben an sehr persönlichen und bewegenden Erfahrungen und Anschauungen hinsichtlich Stigmatisierungen innerhalb einer als Gegenüber wahrgenommenen Mehrheitsgesellschaft. Wie eindrucksvoll diese Perspektivenverschiebung wirkte, wurde in der anschließenden Publikumsreaktion deutlich, in der sich Teilnehmende für die bewegenden Worte, die Poesie und die bereichernde Erfahrung bedankten.

Im Anschluss stellten Marion Gerards (Professorin für Ästhetik und Kommunikation in der Sozialen Arbeit und Gleichstellungsbeauftragte), Tim Ernst (Praxisreferat) und Susanne Bücken (Café Zuflucht) die Informationsbroschüre „Diskriminierung im Hochschulalltag zum Thema machen“ vor, die 2021 von einem Team aus Lehrenden, Studierenden und Mitarbeitenden der katho in Aachen entwickelt und vom AStA/StuPa des Standorts herausgegeben wurde. Die Broschüre ist das Produkt einer langjährigen Auseinandersetzung mit Themen von Benachteiligung und Diskriminierung im Hochschulalltag und bietet einen Überblick über  Diskriminierungsformen sowie eine Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen von Antidiskriminierungsarbeit. Des Weiteren werden Handlungsempfehlungen für eine diskriminierungsreflexive Hochschule formuliert und Beratungs- und Unterstützungsangebote der katho in Aachen genannt. Die Broschüre wird derzeit überarbeitet und soll in Kürze in einer erweiterten Auflage als Broschüre für die gesamte katho erscheinen.

In Workshops konnten die Teilnehmenden im Anschluss Perspektiven und Handlungsfelder aus den Bereichen Rassismus, Sexismus, Klassismus und Dis-ableism erarbeiten. Wie es sich beispielsweise anfühlt, in einer nicht durchgehend barrierefreien Gesellschaft an einen Rollstuhl gebunden zu sein, konnten die Teilnehmenden in dem von Sina Eghbalpour (Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Gleichstellung und Inklusion) und Dominik Farrenberg (Professor für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit und Beauftragter für Inklusion) geleiteten Workshop zu Dis-ableism erfahren. Tim Ernst und Susanne Bücken sensibilisierten in ihrem Workshop für Formen von Rassismus und Anna Zeien (Transferreferentin bei FIGEST) und Can Keke (Arbeiterkind e.V.) spielten mit den Teilnehmenden in Rollenspielen klassistische Zuschreibungen und deren Ausprägungen durch. Den Themen Sexismus, Gender und Queer widmeten sich Joscha Graeve und Uwe Koeberich (AStA).

Parallel zur Veranstaltung fand eine Ausstellung mit Werken des amerikanischen Künstlers Chelonis R. Jones statt, die noch bis zum Vorlesungsende in der katho in Aachen zu sehen ist. Der „Dichter mit rebellischem Pinsel“ (eine-art-galerie.de) gab dabei anhand ausgewählter Werke einen Einblick in seine Motivation und in die Hintergründe seiner kritischen und kontroversen Arbeiten. Obgleich ästhetisch ansprechend und in Teilen mit vordergründigem Humor versehen, thematisieren seine Werke gesellschaftliche Missstände sowie persönliche Diskriminierungserfahrungen und geben in ihrer Variabilität und ihrer teils eindringlichen Direktheit Raum für Reflexionen über Werden und Zustand gesellschaftlicher Verhältnisse.

In ihrem Vortrag zu „Anti-Diskriminierung aus einer Diversity Perspektive“ stellte Dr. Lucyna Darowska (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) die institutionellen Vorarbeiten sowie die Schwierigkeiten hin zu einer diversitysensiblen und rassismuskritischen Hochschulpolitik heraus und besprach in einer regen Diskussion mit den Teilnehmenden die Möglichkeiten für weiterführende strukturelle Veränderungen.

Die Veranstaltung vom 25. April 2022 leitet die Reihe „Diskriminierung an der Hochschule zum Thema machen“ ein und wird voraussichtlich im kommenden Wintersemester fortgeführt.

 

 

 

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