Gemeinsam belastbar: Transferforum „Heimerziehung“ diskutiert Teamresilienz und Fachkräftebindung
Teamresilienz als gemeinschaftliche Aufgabe
Im Zentrum des Transferforums stand ein Perspektivwechsel: Belastungen in der Sozialen Arbeit sind nicht allein individuell zu bewältigen. Fachkräfte arbeiten in Teams, unter konkreten Führungsbedingungen und innerhalb organisationaler Strukturen.
Teamresilienz beschreibt dabei die gemeinsame Fähigkeit eines Teams, auch unter hoher und wiederkehrender Belastung unterstützend, kooperations- und reflexionsfähig zu bleiben, Handlungsfähigkeit nach Krisen wiederherzustellen und aus Erfahrungen zu lernen.
Psychologische Sicherheit, kollektive Wirksamkeit und Führung als zentrale Faktoren
Aktuelle Studien zeigen, dass resiliente Teams insbesondere von psychologischer Sicherheit, kollektiver Wirksamkeit, gemeinsamen mentalen Modellen und eine geteilte fachliche Vision geprägt sind. Ebenso bedeutsam sind strukturierte Nachbesprechungen nach belastenden Situationen (aber auch Erfolgen) sowie die Erfahrung des Teams als verlässliche „secure base“ – also einen sicheren Ausgangs- und Rückzugsort.
Besondere Aufmerksamkeit gilt hierbei der Rolle von Leitung. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass transformationale Führung günstige Bedingungen für Teamresilienz schaffen kann. Gemeint ist eine Führung, die Orientierung und Sinn vermittelt, Vertrauen fördert und gemeinsames Lernen ermöglicht.
Damit wurde zugleich deutlich: Teamresilienz entsteht nicht allein aus den persönlichen Ressourcen einzelner Fachkräfte, sondern sie entwickelt sich wesentlich aus sozialen und organisationalen Bedingungen.
Von der Forschung zur Fortbildung: „leit.STARK“
Wie sich diese Erkenntnisse in die Praxis übertragen lassen, zeigten die Masterstudentinnen Laura Schurff und Franziska Ruthe aus dem Studiengang „Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit“. Im Rahmen eines von Prof. Verlinden geleiteten Masterforschungsprojekts entwickelten sie und vier weitere Studierenden die zweitägige Fortbildung „leit.STARK“ für Teamleitungen in der ‚Heimerziehung‘. Die Weiterbildung verbindet wissenschaftliche Grundlagen zu Teamresilienz und transformationaler Führung mit Reflexion der eigenen Leitungsrolle, den Themen Krisenmanagement und Rollenklärung sowie einer konkreten Aktionsplanung für das eigene Team. Das Konzept wurde unter Einbeziehung von Teamleitungen aus der Praxis entwickelt.
Auch die Ergebnisse der Begleitforschung der Fortbildung wurden vorgestellt. Dabei zeigte sich ein besonders deutlicher Zusammenhang zwischen Führungsverhalten und Teamresilienz: Je stärker Teammitglieder ihre Leitung als transformational wahrnahmen, desto höher schätzten sie die Resilienz ihres Teams ein. Gleichzeitig berichteten Fachkräfte mit Kündigungsabsichten eine niedrigere Teamresilienz. In den offenen Antworten verdeutlichen zudem, wie wichtig das Team für die Bindung von Fachkräften ist. Team und Zusammenarbeit wurden mit Abstand am häufigsten als Faktoren genannt, die eine Arbeitsstelle attraktiv machen. Kündigungsabsichten standen demgegenüber insbesondere mit strukturellen Bedingungen wie der Personalsituation, der Dienstplanung und der Vergütung sowie mit psychischen und körperlichen Belastungen in Zusammenhang.
Fortbildung allein reicht nicht aus
Die Evaluation machte zugleich deutlich, dass Fortbildung allein nicht ausreicht. Trotz hoher Zufriedenheit und der Rückmeldung, zahlreiche Inhalte in die eigenen Teams weitergegeben zu haben, zeigte sich sechs Monate später keine messbare durchschnittliche Steigerung der bereits zu Beginn hohen Teamresilienz. Als zentrale Herausforderung erwies sich der Transfer in einen Arbeitsalltag, in dem häufig Zeit und organisationale Ressourcen fehlen. Daraus ergeben sich wichtige Konsequenzen: Teamresilienz braucht nicht nur kompetente Leitung, sondern auch Strukturen, die resilientes Arbeiten ermöglichen.
Wissenschaft und Praxis im Austausch
Zum Abschluss erprobten die Teilnehmenden ausgewählte Methoden aus „leit.STARK“ und diskutierten deren Übertragbarkeit auf die eigene Praxis. Damit verband das Transferforum erneut wissenschaftliche Erkenntnisse, studentische Forschung und konkrete Praxisentwicklung.
Die zentrale Botschaft des Tages lautete: Teamresilienz ist nicht nur ein Beitrag zur Gesundheit und Bindung von Fachkräften, sondern ein wesentliches Qualitätsmerkmal von Einrichtungen der ‚Heimerziehung‘.
Prof'in Dr. Sabrina Schmidt
Professorin für Theorien, Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit - Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe
Köln, Sozialwesen
Prof'in Dr. Karla Verlinden
Professorin
Köln, Sozialwesen