Hebammenkongress in Leipzig: Lehrende und Studierende am fachlichen Austausch beteiligt
Erstmals beteiligten sich Lehrende und Studentinnen des katho-Studiengangs Angewandte Hebammenwissenschaft aktiv am fachlichen Austausch. Das Programm umfasste 23 Fachvorträge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, einen Impulsvortrag der australischen Expertin Prof.in Caroline Homer, 40 E-Poster-Präsentationen, einen Workshop und drei Keynotes. Der Kongress zeigte die dynamische Entwicklung des Fachs und die wachsende Forschungsaktivität.
Ein zentrales Ergebnis war die Weiterentwicklung einer fachspezifischen Forschungsagenda: DGHWi und Hebammenwissenschaftlicher Fachbereichstag (HWFT) arbeiten bis Ende 2026 an der „Forschungsagenda der Hebammenwissenschaft in Deutschland 2026–2030 (HebFoA)“, um Forschungs- und Entwicklungsbedarfe in der Hebammenarbeit und interdisziplinärer Geburtshilfe zu identifizieren und zu strukturieren. Für die Lehre lieferte der Kongress wichtige Impulse zur evidenzbasierten Praxis und Verzahnung von Wissenschaft und Berufsalltag – ein zentrales Anliegen der modernen Hebammenarbeit.
Eindrücke der teilnehmenden Studentinnen
Selbstbestimmte Geburtshilfe für alle
Leipzig ist eine polarisierende Stadt, eine politische Stadt. Auch der Beruf der Hebamme ist politisch. Wir setzten uns tagtäglich für marginalisierte Gruppen ein: Frauen, Gebärende, Eltern, Familien, Kinder. Intersektionaler Feminismus und antirassistische Haltungen sind wichtiger denn je. Wir sind im Kontakt mit verschiedenen sozialen Gruppen, mit dem Ziel, allen eine gerechte, selbstbestimmte und individuelle Geburtshilfe zu gewährleisten.
Erste Konferenzerfahrungen: Hebammenwissenschaft hautnah erleben
Als werdende Hebammen durften wir, finanziell gefördert durch die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, an der 8. Internationalen Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft teilnehmen. Unter dem Motto „Kontinuität und Wandel in der Hebammenwissenschaft – Perspektiven und Paradigmen für Forschung und Praxis“, kamen 300 Teilnehmende zusammen, darunter 9 Hebammenstudierende der katho.
Für uns alle war es die erste Hebammenkonferenz. Als werdende Hebammen, die gerade neu in diesen Beruf starten und zwischen Kreißsaal und Hochschulalltag ihren Weg finden, war es beeindruckend an einem Ort zu sein, wo dass, worauf wir hinarbeiten, für alle so selbstverständlich ist. Nur von Hebammen umgeben zu sein ist etwas ganz Besonderes und so ist auch die Stimmung gewesen: voller Spannung und Vorfreude auf die vielen Vorträge und wissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir sammeln würden.
Vielfalt der Themen: Von Forschung bis zur Versorgungspraxis
Das Programm war eng getaktet mit verschiedenen Beiträgen, nicht nur von Hebammenwissenschaftler_innen, sondern auch Sozialwissenschaftler_innen und anderen Gruppen, die eng mit der Hebammenwissenschaft verknüpft sind. Für uns WeHen war es unter anderem spannend, Gesichter zu den aus den Vorlesungen und der Literatur bekannten Namen zuordnen zu können.
Am Montag startete der Tag mit einer Begrüßung durch die Präsidentin der DGHWi, des DHV und anderen Vereinen und Verbänden, die sich aktiv an der Forschung rund um die Geburtshilfe beteiligen. Den Auftakt bildeten zwei Keynotes, die direkt die Spannbreite der Konferenz verdeutlichten: zwischen gesellschaftspolitischer Einordnung von Geburtshilfe und ganz konkreten Fragen zur Versorgungspraxis. Besonders eindrücklich war für uns, wie klar die Bedeutung evidenzbasierter Hebammenarbeit hervorgehoben wurde und wie viel gleichzeitig für kritische Reflexion und Weiterentwicklung besteht.
Im weiteren Verlauf des Tages konnten wir aus einer Vielzahl an Sessions wählen, die parallel stattfanden. Thematisch reichte das Spektrum von Interventionen unter der Geburt über die Rolle von Kontinuität in der Betreuung bis hin zu strukturellen Herausforderungen im Gesundheitssystem. Immer wieder wurde deutlich, wie stark die Qualität der Versorgung mit den Arbeitsbedingungen von Hebammen verknüpft ist.
Der zweite Konferenztag am Dienstag knüpfte inhaltlich daran an und vertiefte viele der zuvor angesprochenen Themen. Besonders präsent war dabei die Frage, wie sich Kontinuität in der Betreuung unter den aktuellen strukturellen Bedingungen überhaupt umsetzen lässt – ein Thema, das uns auch aus unseren Praxiseinsätzen sehr vertraut ist. Dennoch wurden auch neue Perspektiven eröffnet, die uns bestärken, dass wir gemeinsam die Geburtshilfe in unserem System verändern können und müssen.
Gemeinschaft und Zukunft: Motivation für den eigenen Weg
Zwischen Vorträgen, Kaffeepausen und Gesprächen entstand ein Gefühl von Zugehörigkeit zu einer professionellen Gemeinschaft, die gemeinsam die Zukunft der Geburtshilfe bestimmt. Die Hebammenwissenschaft ist essenziell und unverzichtbar, um die weltweite Gesundheitsversorgung von Schwangeren, Gebärenden, Frauen und Familien kontinuierlich zu verbessern – auch ein zentrales Thema der Konferenz.
Rückblickend nehmen wir nicht nur neues Wissen mit, sondern auch Motivation, unseren eigenen Weg in der Hebammenarbeit weiterzugehen – mit dem Bewusstsein, dass wir Teil eines sich wandelnden Berufsfeldes sind. Die Hebammenwissenschaft ist jung und wir dürfen sie mitgestalten und ausarbeiten. Hebammenwissenschaft ist ebenso dynamisch wie die Geburten, die wir begleiten und ein Berufsfeld, in dem wir perspektivisch selbst eine Rolle spielen werden. Es gibt Zuversicht, diese klugen Frauen zu sehen und ihnen in ihrer Forschung zuzuhören, mit dem Wissen, dass sie auch einmal da waren, wo wir gerade sind. Ebenfalls dass wir selbst vielleicht auch eines Tages dort vorne stehen und über unsere eigenen Forschungen referieren, die die Zukunft des Hebammenwesens gestalten können.
Text: Emily Schnabel, Mara Freckmann und Eileen Kronewald