Neuer Sammelband: Fragile Behausungen – Prekäres Wohnen und Wohnungslosigkeit in Zeiten multipler Krisen
Trotz bundesweiter Aktionspläne zur Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit geraten zunehmend Menschen in prekäre Wohnverhältnisse oder Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Mit Beiträgen aus Forschung, Praxis und Erfahrungsperspektive – und unter Mitwirkung der katho-Professorin Nora Sellner als Mit-Herausgeberin und Autorin – zeigt der Band, warum Wohnungsnot kein individuelles Schicksal, sondern ein heterogenes sowie strukturelles und gesellschaftlich hergestelltes Phänomen darstellt.
Strukturelle Ursachen und Bedeutung von Wohnraum
Obdach- und Wohnungslosigkeit sind keine individuellen Versagensgeschichten, sondern Resultate struktureller sozialer Ungleichheit. „Die Verfügbarkeit von adäquatem Wohnraum konstituiert in der modernen Gesellschaft nicht nur eine materielle Existenzbedingung, sondern ist fundamentale Voraussetzung für soziale Teilhabe, physische Integrität und die Wahrung der Menschenwürde“– schreibt Prof. Dr. Frank Sowa, Herausgeber der Reihe zur Obdach- und Wohnungslosigkeitsforschung, in der auch dieser Sammelband erschienen ist, in seinem Vorwort.
Rolle der Sozialen Arbeit und multiperspektivische Ansätze
Diese strukturelle Dimension greift auch Nora Sellner auf und betont: „Wohnungsnot, prekäre Wohnverhältnisse und Wohnungslosigkeit sind komplexe soziale Probleme, die nur durch eine strukturelle Bearbeitung überwunden werden können. Dabei müssen die unterschiedlichen Perspektiven der Akteur_innen aus Politik, Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft berücksichtigt werden. Der Sozialen Arbeit kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu.“
Die 2. Wohnungslosigkeitsforschungskonferenz (#wolokon24) als Ausgangspunkt
Der Sammelband, bestehend aus 39 Einzelbeiträgen sowie Pro- und Epilog der sieben Herausgeber_innen, ist ein Ergebnis der 2. Wohnungslosigkeitsforschungskonferenz, die vom 22.–24. Februar 2024 an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm stattfand. Die Konferenz brachte 160 Teilnehmende zusammen – darunter Forschende aus 15 Disziplinen, Fachkräfte der Sozialen Arbeit, Vertreter_innen von Kommunen und 50 (ehemals) wohnungslose Erfahrungsexpert_innen. Daran anschließend entstand der umfassende Sammelband, der diese verschiedenen Perspektiven vereint und dabei auch innovative Formate ermöglichte.
Inhalte und kooperative Entstehung ausgewählter Beiträge
So resultierte aus einer Open- Space- Veranstaltung, die während der Wolokon-Konferenz federführend von Nora Sellner organisiert und durchgeführt wurde, der Beitrag „Ordnungsrechtliche Unterbringung obdachloser Menschen in Deutschland: Erfahrungsgestützte, sozialwissenschaftliche und juristische Perspektiven“. Die auf der Konferenz als produktiv empfundene Mulitperpektivität hat die Autor_innen veranlasst, diesen Beitrag gemeinsam zu verfassen. Die Relevanz des Beitrags begründet Nora Sellner damit, „dass es bislang lediglich Empfehlungen zur Ausgestaltung der ordnungsrechtlichen Unterbringung obdachloser Menschen gibt und der Beitrag durch seine multiperspektivische Betrachtung die bestehenden Missstände sowie die daraus resultierenden Handlungsbedarfe verdeutlicht.“
Prof.in Dr.in phil. Nora Sellner
Professorin für Theorien, Konzepte und Methoden Sozialer Arbeit
Aachen, Sozialwesen