Neues CARS Working Paper über Judenfeindschaft im Wandel der Zeit
Der Beitrag rekonstruiert die Kontroverse um Kontinuität und Diskontinuität der Judenfeindschaft und unterbreitet einen eigenen, vermittelnden Vorschlag.
Nach einer Einführung in zentrale Begriffe und Typologien werden in einem ersten Schritt Argumente für eine starke Kontinuitätsthese präsentiert: Zum einen sind die gängigen Abgrenzungskriterien der Diskontinuitätsthese – religiöser versus säkularer Hass, Konversionsoption versus Rassenlehre, Schutz jüdischen Lebens versus Vernichtungstendenz – nur bedingt überzeugend, zum anderen greifen die psychischen Kernmechanismen der Judenfeindschaft – Projektion, Verschiebung, Identifikation – bereits in vormodernen Gesellschaften.
In einem zweiten Schritt plädiert der Text für eine Differenzierung des Kontinuitätsmodells: Anhand tiefgreifender sozioökonomischer Umbrüche wie der kommerziellen Revolution (um das 13. Jahrhundert) und der bürgerlich‑kapitalistischen Transformation (19. Jahrhundert) wird gezeigt, wie alte Motive in Krisenzeiten transformiert und zu hochgradig virulenten Feindbildern verdichtet werden.
Der Autor
Dr. Sven Ellmers ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Oldenburg. Zuletzt erschienen: „Was ist moderner Antisemitismus? Ein Erklärungsvorschlag auf Grundlage der Theorien von Freud, Fromm und Postone“, in: Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien [CARS] an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, CARS Working Papers 24, Aachen, DOI: https://doi.org/10.17883/5308 sowie „Moralkritik und normative Ethik bei Marx“, in: Alexander Max Bauer und Helena Esther Grass (2024): Oldenburger Jahrbuch für Philosophie 2021/2022, Oldenburg, 167–213.