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Rückblick: Geschlechter(dis)kontinuitäten und Corona – auch ein Thema der Sozialen Arbeit

Im Rahmen der Vortragsreihe ‚Und jetzt? Die Covid-19-Pandemie und die Konsequenzen aus der Sicht von Sozialer Arbeit, Gesundheitswesen und Bildungsarbeit‘ beschäftigten sich Marianne Genenger-Stricker, Marion Gerards, Verena Klomann, Julia Breuer-Nyhsen und Leonie Illmer unter dem Titel ‚Geschlechter(dis)kontinuitäten und Corona – auch ein Thema der Sozialen Arbeit‘ am 23.4.2021 mit den Folgen der Pandemie auf die Geschlechterverhältnisse. Die hohe Teilnehmer_innenzahl von über 120 Personen demonstrierte erneut die Relevanz des Themas auch für Studierende und Fachkräfte der Sozialen Arbeit.

In kurzen Inputs referierten im ersten Teil der Veranstaltung Silke Tamm-Kanj (Frauennetzwerk der Städteregion und Gleichstellungsbeauftragte Würselen), Elisabeth Thesing-Bleck (Vertreterin im Frauenrat NRW), Asmaa Amr und Alja Gaumé (Studierende der katho) und  Ralitsa Petrova-Stoyanov (IGaD der RWTH Aachen) aus unterschiedlichen Perspektiven und teilweise anhand verschiedener Studien zunächst den Stand der Dinge: Demnach erleben mehr Frauen als Männer und hier insbesondere Mütter durch die Pandemie massive Veränderungen ihres Tagesablaufs, hohe psychische Belastungen, vermehrt Aufgaben im Bereich der Fürsorgearbeit und übermäßige berufliche Mehrbelastungen. Deutlich mehr Frauen als Männer erleben das Homeoffice als schwierig und können es nicht gut mit der Kinderbetreuung vereinbaren, Mütter verlegen ihre Arbeitszeiten deshalb häufig in die späten Abend- oder Nachtstunden. Männer geben dagegen deutlich häufiger an, Kinderbetreuung und Homeoffice gut miteinander verbinden zu können. Die schon vor der Pandemie vorhandene Ungleichverteilung von unbezahlter Sorgearbeit und Haushaltsführung zu Ungunsten der Frauen scheint sich durch die Pandemie zugespitzt zu haben: Das plötzliche Wegbrechen aller institutioneller Betreuungsformen wurde und wird stärker von den Müttern kompensiert, während sich Väter häufiger einen ungestörten Homeoffice-Platz abseits von Kinder- und Haushaltaufgaben ‚erobern‘. Ein ähnliches Bild zeigt sich aus Sicht der Hochschulen beim wissenschaftlichen Personal. Eine Studie der RWTH Aachen identifizierte drei gender-gaps, die zentrale Ungleichheitsentwicklungen beschreiben: Frauen an Hochschulen investieren deutlich mehr Zeit und Engagement für die Umstellung auf eine (qualitativ hochwertige) digitale Lehre, sind zugleich häufiger mit steigenden Belastungen im Bereich der Care-Arbeit konfrontiert und veröffentlichen (in der Folge) seit Beginn der Pandemie weniger als ihre männlichen Kollegen. Zugleich sind die Gleichstellungsbeauftragten nur in Ausnahmefällen am Krisenmanagement der Hochschulleitungen beteiligt. Die Perspektive der Studierenden mit Kindern bestätigt die hohe Belastung, für viele zeigt sich die Situation als Dilemma: Einerseits ist der Wunsch nach Entlastung im Studium angesichts der nun plötzlich durchgehend gefragten Kinderbetreuung, die häufig zusätzlich neben der Erwerbsarbeit bewältigt werden muss, groß. Zugleich beschreiben studierende Mütter aber den dringenden Anspruch an sich, dass die Qualität des Studiums dabei nicht leiden darf, auch eine Verlängerung des Studiums ist – oft aus finanziellen Gründen – häufig keine Option. Auf die Frage, wie es dieser Studierendengruppe in der aktuellen Situation gelingen kann, Zeit und Raum für das Studium zu etablieren und dieses weiter voranzubringen, gibt es folglich keine ‚einfachen' Antworten.

In den an die Inputs anschließenden Diskussionsforen konnten die Teilnehmenden zwischen unterschiedlichen Schwerpunkten wählen. So war ein vertiefter Austausch zu den Themen Geschlechtergerechtigkeit, Frauen in Erziehungsverantwortung, Studiumsbewältigung, Geschlechter(dis)kontinuitäten im Hochschulalltag und die Relevanz des Themas für die Soziale Arbeit möglich. Im abschließenden virtuellen Podiumsgespräch zeigte sich, dass in allen Diskussionsforum ein reger und konstruktiver Austausch stattfand, der sehr vielfältige Impulse hervorbrachte. Als gemeinsame Forderung aus allen Foren lässt sich der ungebrochene Bedarf festhalten, dass Care-Arbeit sowohl im Bereich der privat und unbezahlt erbrachten Leistungen als auch im Bereich der typischen ‚Frauenberufe‘ – wie auch Soziale Arbeit es ist –  endlich eine angemessene Anerkennung und entsprechende Würdigung erfahren muss. Um dies zu erreichen – so der Tenor aus allen Diskussionsrunden – gilt es, die Informationsbasis zu verbessern, Vernetzungsmöglichkeiten und Strukturen zu schaffen und hier vor Allem Zugangswege zu gestalten, die eine starke Interessenvertretung in den benannten Bereichen ermöglichen und verbessern.

 

Darüber hinaus entstanden viele Ideen zur Verbesserung der Situation für Frauen und Mütter in der Pandemie. Konkrete Maßnahmen zur Schaffung eines solidarischen Klimas innerhalb der Studierendenschaft, kreative Ideen für öffentliche Aktionen zur Stärkung der Sozialen Arbeit als ‚dauerhaft systemrelevante‘ Profession, Arbeitskreise für studierende Mütter und Väter, Vortragsangebote zu Themen wie ‚Vernetzung von Müttern – aber wie?‘ oder Forderungen an die Politik, wie die Förderung einer selbstverständlich paritätischen Aufteilung von Erziehungsarbeit unter Vätern und Müttern, sind nur einige Beispiele aus den zahlreichen Vorschlägen, die aus den Diskussionsforen berichtet wurden. Viele der entwickelten Ideen sollen in der katho weiterverfolgt und umgesetzt werden.

Alle, die hierzu informiert bleiben wollen oder sich beteiligen möchten, können sich gerne per Mail bei Leonie Illmer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Gleichstellung und Inklusion an der katho, Standort Aachen (gleichstellung-aachen(at)katho-nrw.de) melden. Zudem lädt Marion Gerards, Gleichstellungsbeauftragte, alle interessierten katho-Mitglieder (Studierende, Lehrende, Mitarbeitende in der Verwaltung) herzlich zur online stattfindenden konstitutiven Sitzung des ‚AK Gleichstellung und Familie‘ am 09.06.2021, 16.00–18.30 Uhr ein. Die Teilnahme ist über folgenden Link möglich: katho.webex.com/meet/m.gerards.

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