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| Paderborn,

Semesterauftakt im Fachbereich Theologie: Anfang mit Perspektiven

Mitte März? Noch ist es ruhig auf den Gängen der Hochschule. Viele unserer Studierenden sind daheim und in den Praktika, die Kolleginnen und Kollegen befinden sich im Home-Office. Von dort aus wird Sprechstunde gehalten, finden Studientage statt – wie etwa für unsere Studierenden aus dem ersten Semester am 17. März. Da geht es um Fragen des wissenschaftlichen Arbeitens, also um das Handwerkszeug im Studium. Ab dem 21. März aber wird es lebendig: Die ersten Studierenden werden auf den Gängen gesichtet, es geht an den ersten Prüfungstermin im anstehenden Sommersemester.

Nach den Prüfungen aber kehrt endgültig Leben ein im Fachbereich. Mit der Präsenzwoche haben die Studierenden aus dem Fernstudiengang die Gelegenheit „vor Ort“, in den Räumlichkeiten der Hochschule, an Lehrveranstaltungen teilzunehmen, miteinander das Gespräch zu suchen, den Dozierenden zu begegnen. In dieser Präsenzwoche kommen die Studierenden der bislang vier Studienkohorten zusammen. Für einige Studierende ist es das letzte Mal, in der Hochschule präsent zu sein – die ersten Absolventen_innen des Bachelorstudienganges Angewandte Theologie im Fernstudium werden bald ihre Bachelorkolloquien absolvieren. Es wird deutlich: Das Fernstudium im Fachbereich wächst endgültig aus dem Status des Neuen heraus und gewinnt an guter Routine.

Präsenzwoche in vielfältiger Thematik

Noch aber hat Corona einen großen Einfluss auf die Studienwoche: Ein Drittel der Studierenden werden an der Präsenzwoche vom heimischen Laptop aus teilnehmen. Um die 25 Studierenden zieht es vom 28.03.2022 bis zum 01.04.2022 in die Stadt an der Pader, wo auf sie ein abwechslungsreiches Lehrprogramm wartet. Das Spektrum der Lehrveranstaltungen ist weit. Ziel der Dozierenden ist es, die Studierenden an die Inhalte und Themenstellungen der im Modulhandbuch angeführten Module heranzuführen. Alle Kolleginnen und Kollegen leitet zudem das Anliegen, aktuelle Fragestellungen zu erörtern und das jeweilige Modul aus der Perspektive gegenwärtiger, in der Öffentlichkeit engagiert geführter Debatten zu beleuchten. Dabei kommen natürlich auch immer wieder Fragen für die je individuelle Studienplanung in den Blick. Prof. Dr. Alexander Saberschinsky führt in die Kunst der „Feier-Haltung“ ein, eine Lehrveranstaltung, in der die Studierenden in der Kapelle des Leokonviktes erspüren lernen, sich im Gottesdienst angemessen und der eigenen Physis entsprechend „zu verhalten“, also Gestik, Mimik und Körperhaltung individuell auf den Gottesdienstinhalt abzustimmen. Prof. Dr. Werner Wertgen setzt sich mit sich der Herausforderung, die der Krieg gegen die Ukraine für die katholische Friedensethik bedeutet, auseinander. PD Dr. Thomas Wienhardt stellt am Beispiel eines Stadtteilprojektes Methoden und Wege einer sozialraumorientierten Caritaspastoral vor.

Die Präsenzwoche ist auch Zeit für kollegiale Begegnungen, Beratungen und Gespräche. So tauschen sich am 30. März 2022 in offener und vertrauensvoller Atmosphäre die Dozierenden des Fachbereichs Theologie mit den Verantwortlichen des Pauluskollegs aus. Für unsere Studierenden ist das Pauluskolleg ein wichtiger Ort. In der Regel verbringen sie dort zwei Semester ihrer Studienzeit in gemeinschaftlichem Wohnen, Leben und spirituellem Suchen. Die Zeit im Pauluskolleg soll berufliche, menschliche und geistliche Klärungen herbeiführen. Frau Anna Mühlberger und Frau Michaela Welling, die im Team das Kolleg leiten, stellen Grundzüge des aktuellen Semesterprogramms vor. In einem engagierten Gespräch, bei dem der Spiritual des Kollegs, P. Cornelius Wanner OSB, die Konzeption einer im Kolleg vermittelten Spiritualität für Studium und Beruf darlegt, finden Informationen zum Studium wie zum Hausleben, aber auch gegenseitige Fragen zu den Herausforderungen, die sich in einer komplizierten kirchlichen Großwetterlage ergeben, ihren guten Ort. Der Fachbereich Theologie und das Pauluskolleg sehen sich hier als Partner auf einem nicht immer leichten Weg. Die Präsenzwoche endet am 01. April 2022 mit einem Studientag, an dem Studierende wie Lehrende sich dem Thema der Evaluation stellen. Davon aber sei an anderer Stelle berichtet. Wichtig aber für alle, die daran teilnehmen: Fernstudierende wie Studierende in der Präsenz begegnen hier einander, sie erfahren von den spezifischen Fragestellungen und Problemen der Mitstudierenden. Und entdecken dabei, dass die Dinge im Fern- und Präsenzstudiengang oft sehr nah beieinanderliegen.

Besuch des Bischofs von Osnabrück

Nach den ersten Wochen des Sommersemesters in den Hörsälen – die Corona-Lage lässt dies im Rahmen einer gebotenen Vorsicht wieder zu – findet der Studienalltag eine gute Unterbrechung. Der Bischof von Osnabrück, Dr. Franz-Josef Bode, besucht am 27. April 2022 den Fachbereich Theologie. Der Bischof wird von Dekan Prof. Dr. Kai G. Sander als bewährter „Inspirator“ des Fachbereichs begrüßt. Und dennoch hat der Besuch Neuigkeitswert. Sooft der Osnabrücker Bischof, seit dem Jahr 2019 einer der fünf Träger des Fachbereichs Theologie der Abteilung Paderborn, schon bei uns in Paderborn zu Gast war, heute ist es das erste Mal, dass sich die Runde der Anwesenden aus Theologie-Lehrenden aller vier Abteilungen und Fachbereiche der katho zusammensetzt. Neben den Dozierenden des Fachbereichs Theologie der Abteilung Paderborn finden sich ein: Herr Prof. Dr. Thorsten Arens (Theologie und Gesundheitswesen, katho Köln), Herr Prof. Dr. Gregor Buß (Katholische Theologie, Anthropologie, Ethik und Soziallehre, katho Paderborn), Frau Prof.in. Dr. Andrea Tafferner (Theologie, Philosophie, katho Münster). Bischof Dr. Bode wird von Schwester Rita Niehaus, der Ausbildungsverantwortlichen des Bistums Osnabrück, und von Herrn Dr. Winfried Verburg vom Dezernat Schule und Hochschule im BGV Osnabrück begleitet.

Ein breiter Gesprächsbogen füllt den Nachmittag. Da geht es um Fragen über die formalen Kriterien für die Bewerbung auf einen Studienplatz, da wird auch über die Möglichkeit eines Doppel-Bachelors in den Bereichen von Angewandter Theologie und Sozialwesen intensiv diskutiert. Bischof Dr. Bode legt hier mit Nachdruck dar, dass die Kirche heute und in Zukunft nur noch dann Gehör findet, wenn sie die Bereiche der Seelsorge, der Bildung und der Caritas kompetent und mit Engagement vertritt.  Hierfür brauche es theologisch und in jeder Hinsicht gut ausgebildete pastorale Mitarbeiter in Pfarrei und Seelsorge. Es gelte also, von alten Berufsbildern und Tätigkeitsfeldern Abschied zu nehmen. Unser Kollege Prof. Dr. Andreas Henkelmann erinnert dazu aus der Perspektive der Kirchengeschichte an die turbulente Entwicklung des Berufsfeldes der Seelsorgehelferinnen. Ein Doppelstudium, darin ist sich die Runde einig, vermittle den Absolventinnen und Absolventen einen größeren Radius an Kompetenzen; es helfe, nicht nur „kirchisch“ zu denken und zu reden, sondern auch in den Denkwelten einer säkularen Welt zu kommunizieren.

Zum Abschluss des Nachmittags wird es richtig spannend. Der Bischof von Osnabrück fragt nach der Möglichkeit eines Masterabschlusses, der zu theologischer Handlungs- und Leitungskompetenz qualifiziert. Das Bistum Osnabrück ist an einem solchen Abschluss sehr interessiert, um Frauen und Männer für diözesane Leitungsaufgaben zu installieren. Schnell ist die Runde bei Inhalten eines solchen Masterstudienganges, der realisierbar scheint. Eine Arbeitsgruppe aus der Runde der Theologielehrenden an der katho wird sich in den kommenden Wochen zu dieser Frage beraten, erste Konzepte entwickeln. Man bleibt also im Gespräch. Dekan Prof. Dr. Kai G. Sander dankt zum Abschluss der nachmittäglichen Begegnung dem Bischof von Osnabrück und seiner Begleitung für das offene, vertrauensvolle Gespräch. Und Bischof Dr. Bode verspricht, wiederzukommen, mit uns im Gespräch zu bleiben. Inspiration, so hoffen wir miteinander zuversichtlich, wird so zur Innovation. Es ist April. Und das Sommersemester geht nun seinen Gang. Mit neuen Perspektiven.

Text: Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf

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