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Steigende Anzahl Drogentoter: Kölner Hochschulen kooperieren, um ursachenorientierte Maßnahmen zu unterstützen

Anlässlich des „Gedenktags für verstorbene Drogengebrauchende“ am 21. Juli fordert Prof. Dr. Ulrich Frischknecht, Suchtpsychologe an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho), dass stärker an den Ursachen der Verelendung von Drogenkonsumierenden gearbeitet wird. Aus diesem Grund hat Frischknecht am Freitag gemeinsam mit Vertreter_innen der Stadt Köln, der Suchthilfe Köln und einem Forschungsprojekt der Köln International School of Design (KISD) der TH Köln über Probleme und Lösungen für den Neumarkt und andere Hotspots der Drogen- und Obdachlosenszene diskutiert.

Die Kölner Drogen- und Obdachlosenszene ist besonders am Neumarkt anzutreffen. Mit der Wiedereröffnung eines Brunnens im Juni 2024 versucht die Stadt Köln, den Platz aufzuwerten. (Foto: Stadt Köln)

Vergleicht man die Anzahl der Drogentoten in Köln und Leverkusen vor der Corona-Pandemie (durchschnittlich 57 Drogentote 2016 bis 2020) mit den Zahlen nach der Corona-Pandemie (durchschnittlich 85 Drogentote von 2021 bis 2025), so ist ein deutlicher Anstieg von mit fast 50 Prozent zu beobachten (vgl. Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 – Auswertebericht für das Polizeipräsidium Köln, S. 59). „Die Erfassung der Drogentotenstatistik ist unglaublich ungenau, aber bei derartigen Sprüngen müssen wir davon ausgehen, dass es nun tatsächlich mehr Drogentote gibt als vor der Pandemie“, sagt Frischknecht angesichts dieser Zahlen. 

Die Themen Obdachlosigkeit und Drogenkonsum waren in den vergangenen Jahren auch politisch in Köln sehr präsent, sodass erst im Juni 2026 Innenminister Herbert Reul (CDU) auf Einladung des Kölner Presseclubs in der Kreissparkasse Köln-Bonn sprach. Genau dort trafen sich am Freitag (17. Juli) Prof. Dr. Ulrich Frischknecht und die Studiengruppe der Köln International School of Design. Unter der Leitung von Prof.in Birgit Mager, Katja Trinkwalder (beide TH Köln) und Anastasia Bondar (Stadt Köln) befasste sich die Gruppe mit den Ursachen und Bedürfnissen von Obdachlosen und Drogenabhängigen. 

Die Studiengruppe konnte in ihren Ergebnissen fünf wichtige Punkte darlegen, die für eine ursachenorientierte und somit nachhaltige sowie erfolgversprechende Strategie notwendig sind: 

  1. Housing first: Zuerst muss eine dauerhafte eigene Unterkunft bezogen werden können, erst dann werden die anderen Probleme angegangen. Die Studierenden zeigten deutlich auf, welche Ersparnisse möglich wären, wenn man hierfür Immobilien hätte.
  2. Niedrigschwellige Hilfsangebote, die den Menschen auch würdevolle und stolz machende Erfahrungen ermöglichen.
  3. Beteiligungskonzepte in der Hilfe mitdenken und nicht nur über, sondern mit obdachlosen Drogenabhängigen reden.
  4. Hilfsangebote für die Betroffenen attraktiv machen, damit diese auch angenommen werden. 
  5. Möglichkeiten für drogenfreie Gemeinschaftserfahrungen schaffen.


Suchtexperte Ulrich Frischknecht zieht folgendes Fazit zur Präsentation und Diskussion: „Was mich in dieser Zusammenarbeit sehr gerührt hat, ist die an Menschenwürde orientierte Herangehensweise der Studierenden. Sie versuchten immer wieder, sich in die obdachlosen Drogenkonsumierenden hineinzuversetzen, und nahmen dabei ihre eigenen Privilegien mit in den Blick, die einen gravierenden Unterschied machen. Das stimmt mich für die Zukunft hoffnungsvoll.“ 

Dass es in Köln schon einige, aber immer noch zu wenige entsprechende Ansatzpunkte gibt, zeigt das enorme Innovationspotenzial der Stadt: So gibt es „Housing First“ bereits – allerdings noch nicht in ausreichendem Umfang, da die Kosten hoch und die Haushaltslage der Stadt angespannt ist. Ebenso gibt es bereits menschenwürdige und partizipationsgestützte Obdachlosenhilfe, etwa das von Prof.in Mager mitentwickelte „Gulliver“, das zu den ersten Projekten der Professorin für Service Design gehört. Dass sie sich kurz vor ihrer Emeritierung erneut mit einem Projekt der Obdachlosenhilfe beschäftigt, zeigt, wie dauerhaft das Thema ist.
 

Studierende haben komplexe Problemlagen bei Drogenkonsum erkannt

„Auch die beteiligten Studierenden haben erkannt: Die Problemlagen sind so komplex und vielfältig, dass einfache ‚Hau-Drauf‘- oder ‚Weg mit denen‘-Lösungen nicht nur menschenfeindlich, sondern auch wirkungslos sind.“ Dies sagte Frischknecht, der mit den Studierenden mehrere Stunden über die Auslöser und Bedürfnisse von Drogenkonsum diskutiert hatte. Die anwesenden Vertreter von Stadt und Suchthilfe zeigten ebenso Haltung, indem sie sich den Problemanzeigen der Studierenden stellten, ohne diese herunterzuspielen, wie es in der Politik allzu oft geschieht. „Wenn wir Probleme nur benennen, wenn wir auch schon Lösungen haben, dürfen wir uns nicht wundern, wenn die unter den Teppich gekehrten Probleme immer größer werden“, so Frischknecht.
  

Hoffnung auf neu gegründete „IG Neumarkt“

Er ist vorsichtig optimistisch, da mit der neu gegründeten „IG Neumarkt“ ein Interessensverband aus der Immobilienwirtschaft ins Spiel kommt, der das Drogen- und Obdachlosenproblem auch beheben will. „Hier wären erst einmal Menschen aus der Branche an Bord, die Verantwortung für die sozialen Immobilienprobleme übernehmen können – und ich glaube, auch dort gibt es Menschen, die sich fragen, wie es wäre, wenn die eigene Tochter oder der eigene Sohn da draußen mit Crack leben würde“, so Frischknecht.

 

Prof. Dr. Ulrich Frischknecht

KONTAKT

Prof. Dr. Ulrich Frischknecht

Professur für Sucht und Persönlichkeitspsychologie

Köln, Sozialwesen

Katja Brittig

PRESSEKONTAKT

Katja Brittig

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Köln, Dezernat VI - Akademische Angelegenheiten

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