Studieren im Ausland: Wie Alina ihr Auslandssemester in Kroatien erlebte
Bereits zu Beginn meines Studiums war für mich klar, dass ich gerne ein Auslandssemester machen möchte. Nachdem ich mich zunächst für das vierte Semester bewarb, entschied ich mich aufgrund von Prüfungen und Modulbelegungen doch zu einem späteren Zeitpunkt – im siebten Semester – ins Ausland zu gehen. Somit waren nur noch vereinzelte Prüfungsleistungen offen, die ich mir durch Modulbelegungen und Prüfungen im Ausland anrechnen ließ.
Die Wahl meines Gastlandes fiel mir bei dem großen Angebot nicht leicht. Durch das International Office bekam ich den Tipp, mich gen Osten zu orientieren. Also recherchierte ich nach den möglichen Partnerhochschulen und Kursangeboten. Aus meiner Top drei – Kroatien, Bulgarien und Rumänien – entschied ich mich wegen des vielfältigen Kursangebotes und der Möglichkeit, meinen Sport Lacrosse vor Ort spielen zu können, für Kroatien. Unsere Partnerhochschule, die Catholic University of Croatia (Hrvatsko katoličko sveučilište), befindet sich in Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens.
Hilfestellung beim „Temporary Residence“
Die Kommunikation mit der Gasthochschule gestaltete sich anfangs etwas holprig, aber es konnten alle wichtigen Dinge wie das Learning Agreement besprochen werden. Die Mitarbeitenden vor Ort waren sehr hilfsbereit. Ein Visum benötigt man als EU-Bürger_in ion Kroatien nicht. In meinem Falle rieten mir die Behörden vor Ort auch davon ab, meine Beantragung für die sogenannte „Temporary Residence“ fortzuführen, die bei Aufenthalten länger als 90 Tage in Kroatien sonst üblich ist. Da sich diese 90 Tage für EU-Bürger_nnen nämlich erneuern, wenn man das Land verlässt und wiederbetritt, hatte sich die Angelegenheit durch meine Reisen in umliegende Länder erledigt. Die Gasthochschule bot dazu auch Hilfestellung an und schickt mir schon vor Mobilitätsantritt wichtige Unterlagen zu. Home In Zagreb bietet ebenfalls Informationen und Unterstützung zur „Temporary Residence“ bzw. „Temporary Stay Permit“ an. Ich rate definitiv dazu, diese Angelegenheit in jedem Falle individuell zu prüfen und mit den Behörden in Kontakt zu treten. Hier gilt ganz klar: Better safe than sorry!
Breites Angebot an Studierendenunterkünften
Meine Unterkunft habe ich online über die Webseite Home In Zagreb gefunden, die auf Studierendenunterkünfte ausgerichtet ist. In Zagreb gibt es zudem drei Studierendenwohnheime, auf die man sich (frühzeitig!) bewerben kann. Über Home In Zagreb habe ich ein Zimmer in Srebrjnak, der tollen Nachbarschaft von Zagreb, angemietet. Das Zimmer befand sich in einem dreistöckigen Haus. Die Vermieterin bewohnte das Erdgeschoss und ich bewohnte mit vier weiteren internationalen Studierenden die erste und zweite Etage. Zwei Badezimmer und eine Küche mit Balkon bildeten die Gemeinschaftsräume. Das Zusammenleben gestaltete sich unkompliziert. Das Haus befand sich direkt an einer Bushaltestelle, von wo aus ich mit dem Bus innerhalb von 10-15 Minuten im Zentrum Zagrebs war. Der bekannte Friedhof Mirogoj befand sich in unmittelbarer Nähe. Einkaufmöglichkeiten gab es zahlreiche. Die Preise für Miete und Lebensmittel glichen denen in Deutschland. Bezahlt wird in Kroatien seit 2023 mit dem Euro.
Größerer Workload bei Prüfungen – sehr gute Betreuung vor Ort
Ich war an der Catholic University of Croatia eine von ungefähr 20 Erasmusstudierenden. Mein Studienalltag glich dem in Deutschland. Ich belegte fünf Kurse, drei Präsenzkurse und zwei sog. „Consultative Courses“. Die Kurse wurden in Soziologie, Psychologie, Kommunikationswissenschaft und Geschichte angeboten. Die Präsenzkurse fanden dienstags und donnerstags auf Englisch statt. Die „Consultative Courses“ fanden auf Kroatisch statt, daher wurden hier separate Absprachen über die Leistungserbringungen mit den Dozierenden getroffen.
Zwischenprüfungen, Hausarbeiten, Präsentationen sowie mündliche Abschlussprüfungen bildeten die zu erbringenden Prüfungsleistungen in jedem Kurs. Den Workload habe ich somit im Vergleich als mehr empfunden, aber gut strukturiert ließ sich dieser gut bearbeiten. Die Dozierenden und das International Office vor Ort waren jederzeit mit Rat und Tat zur Stelle. Außerdem gab es ein Buddy-System. Mit dieser Betreuung war ich sehr zufrieden, Probleme wurden schnell behoben und Fragen meist sofort geklärt.
Die Catholic University of Croatia legt viel Wert auf den internationalen Austausch und die Zusammenarbeit. Das hat die Zeit vor Ort sehr angenehm gemacht. In den Kursen sowie im Miteinander konnte ich viel lernen und wichtige Erfahrungen sammeln, was mir auch in meinem zukünftigen Berufsleben nützlich sein wird.
Von Zagreb aus in die Nachbarländer
Mein Alltag füllte sich überwiegend damit, mit anderen Erasmusstudierenden Zeit zu verbringen und Freundschaften zu schließen. Zagreb bietet eine große Auswahl an Cafés und Bars, aber auch Aktivitäten wie Bowling, Karaoke oder durch die unterschiedlichen Parks spazieren standen auf dem Programm.
Ein Besuch auf dem Berg Sljeme – sei es bei einer Wandertour oder per Gondelbahn – war ein Muss. Die Aussicht lohnt sich! Zagreb an sich ließ sich problemlos mit Bussen und Straßenbahnen erkunden, aber auch fußläufig ist das meiste zu erreichen.
Durch das ESN Zagreb (Erasmus Student Network) nahm ich an vielen Events und Ausflügen teil und sicherte mir einige Rabatte in ausgewählten Museen, Restaurants, Bars und bei anderen Freizeitaktivitäten. Auch ESN Zagreb bot ein Buddy-System an, wodurch ich mehr aus lokaler Perspektive erfahren konnte.
Zagreb ist ein guter Ausgangspunkt, um umliegende Städte und Länder zu bereisen. Neben Kroatien und dessen Küstenregion habe ich während meines Aufenthalts auch Italien, Tschechien, Polen und Ungarn besucht. Zur Adventszeit ist die Stadt mit festlich beleuchtet, mit Weihnachtsmärkten übersät und einer der Parks wird zur großen Eislaufbahn umfunktioniert. Schnee gab es (außer auf den Bergen) in überschaubarem Ausmaß – Zagreb wird im Winter vielmehr zu einer Nebelstadt. In Kombination mit den orangenen Straßenlichtern ergibt sich daraus eine großartige Atmosphäre. Zagreb eignet sich also auch im Wintersemester besonders gut als Erasmus-Ziel.
Klare Empfehlung für Zagreb – auch im Wintersemester
Ich bin unfassbar dankbar für meine Zeit in Zagreb. Ich konnte wertvolle Erfahrungen sammeln und wundervolle Freundschaften schließen. Ein Auslandssemester ist ein großer und oft auch nervenaufreibender Schritt, aber es lohnt sich allemal und vor allem Zagreb hat mich begeistert: Nicht zu groß, nicht zu klein und mit eigenem Charme hat mich diese Stadt in ihren Bann gezogen. Hvala vam i vidimo se uskoro!