Time goes – und bleibt doch
Auftakt: Würdigung durch den Dekan
Den ersten Akzent des Abends setzte der Dekan, der das Engagement der beiden Professoren hervorhob. Beide hätten weit über das übliche Maß hinaus Verantwortung übernommen und die Hochschule in zentralen Bereichen mitgestaltet.
Christof Stock wirkte 17 Jahre an der katho. Er engagierte sich im Fachbereichsrat und über viele Jahre im Prüfungsausschuss, koordinierte den Modellstudiengang Pflege und stand als BAföG-Beauftragter wie auch als juristischer Berater zahlreichen Studierenden zur Seite. Seine Expertise im Verwaltungs- und Medizinrecht prägte insbesondere die Verbindung von Recht und Sozialer Arbeit. Auch über seine Pensionierung hinaus bleibt er der Hochschule verbunden – unter anderem als Vorsitzender des Fördervereins und Jurymitglied des katho-Preises.
Jörg Baur gehört der katho seit 2001 an. Er war maßgeblich am Aufbau und an der Profilierung des Masterstudiengangs „Klinisch-therapeutische Soziale Arbeit“ beteiligt und formte als langjähriger Studiengangsleiter den Master „Supervision/Coaching“ an der katho in Münster. Sein besonderes Anliegen war die Supervision im Studium der Sozialen Arbeit – die Förderung professioneller Reflexionsfähigkeit als Kernkompetenz.
Zwei Wege: ein gemeinsames Wirken – die Rektorin blickt zurück
Die Rektorin nahm in ihrer Ansprache die unterschiedlichen biografischen Wege der beiden in den Blick – und tat dies mit feinem Humor. Der „Rheinländer“ und der „Alemann“: zwei Persönlichkeiten mit unterschiedlichen beruflichen Wurzeln, aber mit einer gemeinsamen Wirkung.
Christof Stock studierte Rechtswissenschaften und Theologie, wurde Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungs- und Medizinrecht, bevor er 2006 hauptamtlich an die katho wechselte und 2009 zum Professor berufen wurde. Seine wissenschaftliche Arbeit zu medizinethischen Fragestellungen unterstreicht die Verbindung von Recht, Ethik und sozialer Praxis.
Jörg Baur begann seinen beruflichen Weg als Bankkaufmann, studierte anschließend Jugendpastoral, Sozialpädagogik und Psychologie mit Schwerpunkt Klinische Psychologie, Beratung und Therapie. Er qualifizierte sich zum Psychologischen Psychotherapeuten, zum Traumatherapeuten und zum Lehrsupervisor. Vor seiner Berufung an die katho war er in Forschung, Lehre und Beratung an der Uni Freiburg tätig. Er promovierte zum Thema „Kooperation und Jugendhilfe und Schule“.
So unterschiedlich ihre Wege auch waren – beide gaben ihren Lehrgebieten eine unverwechselbare Stimme und der Hochschule ein klares Profil.
„Time goes. That’s it.“ – Die Festrede von Prof. em. Dr. Rainer Krockauer
Mit einem ebenso lakonischen wie treffenden Satz eröffnete Prof. em. Dr. Rainer Krockauer seine Festrede: „Time goes. That’s it.“ Zeit vergeht – das sei das nüchterne Faktum. Doch was in dieser Zeit gestaltet wurde, bleibe.
Er würdigte die jahrzehntelange Lehr-, Forschungs- und Gremienarbeit der beiden Professoren und betonte ihren prägenden Einfluss auf Studierende, Kollegium und Studiengänge.
In Anlehnung an Hannah Arendt hob er die Bedeutung des Gesprächs hervor. Menschlichkeit entstehe dort, wo Menschen miteinander sprechen, unterschiedliche Perspektiven zulassen und gemeinsam reflektieren. Eine solche Kultur des Gesprächs habe das Wirken von Stock und Baur ausgezeichnet – im Hörsaal ebenso wie im Kollegium.
Mit dem Gedicht „Vergnügungen“ von Bertolt Brecht schlug Krockauer schließlich den Bogen in die Zukunft: Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen, das wiedergefundene alte Buch, Reisen, Schreiben, Freundlich-Sein – einfache Dinge, die das Glück des Lebens ausmachen können. Der Ruhestand erscheine so nicht als Verlust, sondern als neu gewonnene Freiheit.
Humor gehört dazu: „Wer wird Sozialarbeitär?“
Nach so viel Würdigung folgte eine überraschende Wendung im Programmablauf: Joachim Söder betrat die Bühne und verwandelte die Aula in ein Quizstudio. In Anlehnung an „Wer wird Millionär?“ wurde aus dem Juristen Christof Stock ein Kandidat auf dem Weg zum „Sozialarbeitär“.
Mit Jörg Baur als Joker meisterte er Fragen rund um das Studium der Sozialen Arbeit – darunter die nach der korrekten Anzahl der Praxisstunden, die die Studierenden im Bachelor-Studiengang absolvieren müssen. Am Ende erhielt er ein augenzwinkerndes „Abschlusszeugnis“, das ihn ausdrücklich nicht zur Berufsausübung, wohl aber zum kenntnisreichen Kommentieren sozialpolitischer Sachverhalte befähigt.
Weggefährten und gute Wünsche
Für das Kollegium überreichten Prof.in Dr.in Damaris Nübel und Prof. Dr. Markus Baum persönliche Abschiedsgeschenke. Beide Geehrten hatten sich Spenden zugunsten des Fördervereins der katho gewünscht.
Anschließend betraten frühere und aktuelle Vorstandsmitglieder des Fördervereins die Bühne und erinnerten mit einem Augenzwinkern an die bisherige Zusammenarbeit mit Christof Stock. Besonders in Erinnerung geblieben ist der „Marketing-Gag“ des Juristen: eine Kartoffel – von ihm scherzhaft „Katoföl“ genannt – als Symbol für den „katho-Fö“, den katho-Förderverein. Eine kleine Idee mit großer Wiedererkennbarkeit.
Ein besonderer Moment war die Ansprache von Prof. Dr. Lothar Krapol, langjähriger Weggefährte von Jörg Baur. Er sprach von Kollegialität, Freundschaft und der Herausforderung, nach dem Berufsleben neue Räume des Sinns zu erschließen. Zugleich machte er Mut: Dieser Schritt sei auch ein Gewinn an Freiheit – und niemand gehe ihn allein.
Und nun: Aufbruch ins Offene
Zum Abschluss dankten Christof Stock und Jörg Baur selbst ihren Familien, Kolleg_innen sowie den vielen Weggefährt_innen. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde blieben ihre Worte bewusst kurz – und mündeten im gemeinsamen Singen mit den anwesenden Gästen, begleitet von Bernhard Gerards und Christof Stock an der Gitarre.
Der Abend klang bei einem Glas Wein und leckerem Finger Food aus.
Time goes. Das stimmt. Doch was mit Leidenschaft, Fachkompetenz und Gesprächskultur gestaltet wurde, wirkt weiter – in Studiengängen, in kollegialen Beziehungen und in den Erinnerungen vieler Generationen von Studierenden.