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Transferforum Geschlechtseintrag „divers“ – geschlechtliche Vielfalt in den stationären Hilfen zur Erziehung

Mit den Änderungen im Personenstandsgesetz aus 2013 und 2018 gibt es erstmals eine rechtliche Anerkennung von Personen mit non-binärer Geschlechtsidentität. Dennoch ist das Jugendhilfesystem an vielen Stellen ausschließlich auf weibliche und männliche Geschlechtsidentitäten ausgerichtet. Das Transferforum zum Geschlechtseintrag „divers“ stellt sich den dadurch entstehenden Fragen.

Im Jahr 2018 wurde Paragraph 22 Absatz 3 des Personenstandsgesetzes um die Möglichkeit des Eintrags „divers“ erweitert, nachdem bereits 2013 festgelegt wurde, dass der Geschlechtseintrag auch frei bleiben kann. Dennoch hat die geschlechtliche Vielfalt viele gesellschaftliche Bereiche noch nicht erreicht und durchdrungen. Auch die Hilfen zur Erziehung müssen sich für diese Frage noch öffnen, insbesondere da sie junge Menschen in jenen Lebensphasen begleiten, in denen die Geschlechtsidentität hinterfragt und gebildet wird.

Ann-Sophie Stählker hat sich im Rahmen ihrer Bachelor-Thesis mit dem Geschlechtseintrag „divers“ in den stationären Hilfen zur Erziehung beschäftigt und dabei insbesondere hinterfragt, ob die Änderungen am Personenstandsgesetz bereits die praktische Arbeit erreicht haben und inwiefern Geschlechtsidentitäten neben dem heteronormativen Spektrum eine Rolle spielen. Im Rahmen dieses Transferforums stellte sie die Ergebnisse ihrer explorativen Studie vor und konnte dadurch nachzeichnen, dass ein Defizit in der Beschränkung auf ein binäres Geschlechtersystem liegt. Insbesondere organisationale Strukturen sind häufig noch binär organisiert, beispielsweise in Form von Mädchen- und Jungengruppen oder -plätzen. Gleichzeitig besteht aber auf Seite der Fachkräfte ein großer Wunsch nach Weiter- und Fortbildungsangeboten und einer Auseinandersetzung mit dem Thema, welche aktuell häufig erst dann entsteht, wenn ein Jugendlicher mit non-binärer Geschlechtsidentität in die Hilfe kommt.

Nach dem Input von Ann-Sophie Stählker tauschten sich über sechzig Teilnehmende aus der Praxis und der Hochschule über Erfahrungen und Herausforderungen aus, diskutierten Strategien und Bedarfe. Auch hier kristallisierte sich wieder der Wunsch und Bedarf nach fachlichen Fort- und Weiterbildungen zu diesem Thema heraus, ebenso wie eine grundsätzliche Öffnung gegenüber einem geschlechtersensiblen, non-binären System. Dies verlangt nach einer dieser Frage offen gegenüberstehenden Praxis, aber auch Anpassungen des Systems durch Behörden und Politik.

Die Planung, technische Umsetzung und Moderation wurden durch Tristan Steinberger und Stephan Post vom Innovation-Lab Köln durchgeführt. Sie können den Vortrag von Ann-Sophie Stählker als Video, aber auch ihre Präsentation und weiterführende Quellen auf der Veranstaltungsseite abrufen. Das Transferforum ist eine Veranstaltungsreihe, die in einem zweimonatigen Rhythmus stattfindet. Sie wurde durch das Innovation-Lab Köln konzipiert, durchgeführt und etabliert.

Ein Dank gilt zum einen Ann-Sophie Stählker für ihren Input, ebenso wie Prof. Dr. Karla Verlinden und Prof. Dr. Sabrina Schmidt, die die Bachelor-Thesis betreut und sich für das Transferforum als Expert_innen zur Verfügung gestellt haben. Zum anderen gilt ein Dank dem Sozial-Wissenschaftsladen, der die Kooperation zwischen Ann-Sophie Stählker und den Praxisstellen vermittelt und begleitet hat. Weiteres zum Sozial-Wissenschaftsladen. Interessierte sind herzlich zum nächsten Transferforum am 29. März zum Thema Hatespeech eingeladen.

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