Transferforum „Heimerziehung“: Arbeitszufriedenheit und -belastung im Fokus
In ihrem einführenden Vortrag zeichneten Prof.in Dr.in Sabrina Schmidt und Prof. Dr. Sebastian Wen ein differenziertes Bild der aktuellen Situation in der Heimerziehung. Grundlage waren Ergebnisse einer bundesweiten Online-Befragung aus dem Jahr 2023, an der sich mehr als 1.100 Fachkräfte beteiligt hatten. Die Befunde verweisen auf ein ambivalentes Gesamtbild: Einerseits berichtete ein Großteil der Befragten, mit der eigenen beruflichen Tätigkeit zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Andererseits gab ein erheblicher Anteil an, regelmäßig bis häufig Erschöpfung zu erleben.
Dieses Spannungsfeld macht deutlich, dass Arbeitszufriedenheit und Arbeitsbelastung in der Heimerziehung nicht isoliert voneinander betrachtet werden können, sondern in einem engen Wechselverhältnis stehen. Besonders relevant sind dabei subjektiv wahrgenommene Arbeitsbedingungen, etwa hoher Arbeitsdruck, Überforderungserleben oder eine eingeschränkte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Diese Faktoren beeinflussen sowohl die Arbeitszufriedenheit als auch das Belastungserleben in erheblichem Maße. Zugleich zeigt sich: Mit höherer Arbeitszufriedenheit geht tendenziell eine geringere wahrgenommene Belastung einher, während ungünstige Arbeitsbedingungen das Risiko von Stress und Erschöpfung erhöhen.
Austausch von hoher fachlicher Dichte geprägt
Im Anschluss an den wissenschaftlichen Input standen die Perspektiven der anwesenden Leitungs- und Praxisvertreter_innen aus der Heimerziehung im Mittelpunkt. In einer strukturierten Abfrage wurden Einschätzungen zur Arbeitszufriedenheit und zu den Belastungen der Mitarbeitenden in den jeweiligen Einrichtungen erhoben, eingeordnet und gemeinsam reflektiert. Der Austausch war von hoher fachlicher Dichte und großer Praxisnähe geprägt.
Diskutiert wurden nicht nur zentrale Herausforderungen im Arbeitsfeld, sondern insbesondere auch handlungspraktische Ansatzpunkte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Damit bot das Transferforum erneut einen Rahmen, in dem wissenschaftliche Erkenntnisse mit berufspraktischen Erfahrungen in einen produktiven Dialog gebracht wurden. Die Teilnehmenden nahmen vielfältige Impulse und übertragbare Strategien für die Weiterentwicklung ihrer Einrichtungen mit.
Kontakt
Prof'in Dr. Sabrina Schmidt
Professorin für Theorien, Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit - Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe
Köln, Sozialwesen