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| Münster,

Studierende bieten „sexuelle Selbstbestimmung“ in einer Fortbildung für Menschen mit Lernschwierigkeiten an

Seit drei Jahren war es endlich wieder möglich, gemeinsam mit Studierenden aus dem Seminar „Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen“ einen Fortbildungstag zum Thema „Liebe, Partnerschaft und Sexualität“ für Menschen mit Lernschwierigkeiten an der Hochschule anzubieten. Es war ein erfolgreicher und belebender Tag für alle Teilnehmenden.

Zufriedene Teilnehmende und Studierende nach einem gelungenen Fortbildungstag.

Eindrücke aus den Workshops

Prof.in Dr.in Barbara Ortland bereitete die Studierenden durch das oben genannte Seminar auf diesen Fortbildungstag vor und plante diesen gemeinsam mit ihnen. Die vorbereitenden Seminartermine beinhalteten sowohl selbstreflexive Anteile, Forschungsergebnisse zur aktuellen Situation in Wohneinrichtungen, die Diskussion von Veränderungsnotwendigkeiten und entsprechenden Möglichkeiten, sowie Einblick und Erprobung von didaktischem Material zur sexuellen Selbstbestimmung aus dem Forschungsprojekt „ReWiKs“ (https://www.forschung.sexualaufklaerung.de/projekt/rewiks-sexuelle-selbstbestimmung-und-behinderung-reflexion-wissen-koennen-als-bausteine-fuer-verae/abstract/).

So fühlten sich die Studierenden gut vorbereitet, um Workshops für die Teilnehmenden mit Lernschwierigkeiten zu planen. Die große Herausforderung bestand darin, dass die Planung für eine unbekannte Gruppe sowohl ein hohes Maß an Vielfältigkeit der Inhalte und Methoden, als auch viel Flexibilität in der Umsetzung erforderte. Die Studierenden haben dies in hervorragender Form gemeistert, wobei ihnen sicherlich die hochmotivierten und offenen Teilnehmenden geholfen haben.

Nach den persönlichen Lerngewinnen gefragt, haben die Studierenden vielfältige Erkenntnisse benennen können. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich doch noch Vorurteile gegenüber der Sexualität von Menschen mit Behinderungen habe“, reflektierte ein Student sehr ehrlich. Eine andere Studierende formulierte ihre sehr positive Erfahrung, wie gut die Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden geklappt hat, betonte dabei die Bedeutsamkeit der eigenen Flexibilität bei der Durchführung des Workshops.

Erschrocken zeigten sich alle Studierenden über die Erfahrung, dass bei den Teilnehmenden zum Teil wenig Wissen im Bereich Sexualität vorhanden war und die Menschen aus den Wohneinrichtungen von sehr eingeschränkten Möglichkeiten berichteten, ihre Partnerschaft selbstbestimmt in diesen Lebenszusammenhängen zu realisieren. So erzählte beispielsweise ein Teilnehmer, dass er keine Möglichkeit hat, seine Freundin zu besuchen, da diese bei ihren Eltern in einem nicht barrierefreien Haus wohnt. Sie sehen sich nur bei der Arbeit in der Werkstatt. „Auch wenn ich aus den Forschungsergebnissen wusste, dass die Situation für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Wohneinrichtungen schwierig ist, so ist es doch etwas anderes, dies direkt von einem Teilnehmer erzählt zu bekommen“, reflektierte der Student sichtlich bewegt den Austausch im Workshop.

Trotz zusätzlichem Aufwand für einen solchen Fortbildungstag in der Zeit der Prüfungsvorbereitung zu Semesterende haben alle Studierenden betont, wie hilfreich diese Erfahrung für sie war. Der Tag hat Mut gemacht, das Thema sexuelle Selbstbestimmung für Menschen mit Lernschwierigkeiten differenziert in den Blick zu nehmen und sich für eine Verbesserung der Lebensmöglichkeiten zu engagieren. Dass eine Teilnehmerin mit ihrer Begleiterin sogar drei Stunden Zugfahrt (eine Strecke!) auf sich genommen hat, zeigt die Notwendigkeit der Bildungsangebote.

Mit den Worten „Das war ein toller Tag. Sollt ihr nochmal machen!“ verabschiedete sich ein Teilnehmer und erntete Beifall von den anderen. Diese positive Resonanz bestärkte alle, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

Hochschule Soziales Münster Nachbericht
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