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| Köln,

„Wenn schräg angeschaut werden zum Alltag gehört“

Unter diesem Motto fand mit Unterstützung des Innovation-Labs Köln am 8. September 2021 der digitale Fachtag der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Köln mit 69 Teilnehmenden statt. Ziel des Fachtags: eine Anti-Stigmatisierungs-Kampagne zu formulieren.

Unter dem Motto "Wenn schräg angeschaut werden zum Alltag gehört" fand der digitale Fachtag der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Köln statt. ©s_inn

Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Köln ist ein Zusammenschluss von Fachkräften aller relevanten Disziplinen, ehrenamtlichen Helfer_innen, Angehörigen und Betroffenen aus den Arbeitsfeldern und Einrichtungen der Gesundheits-, Jugend-, Sozial-, Alten-, und Behindertenhilfe, in denen psychosoziale Belange von Bedeutung sind. Unter der Geschäftsführung des Gesundheitsamts Köln trägt die PSAG dazu bei, die Zusammenarbeit zwischen psychiatrischen Verbänden, Vereinen und Diensten zu verbessern. Als Interessensvertretung Betroffener ist es ihr Ziel, Mängel in der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung in Köln aufzudecken und Lösungsansätze zu erarbeiten. Zu den einzelnen Arbeitsfeldern haben sich Arbeitskreise gebildet. Dazu zählen unter anderem die Arbeitskreise Sucht, Erwachsenenpsychiatrie und AIDS, die auch den Fachtag mit eigenen Inhalten bereichert haben.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden Stigmatisierungserfahrungen und Diskriminierung von psychisch- und suchterkrankten Menschen in Köln sowie Anti-Stigma-Arbeit und Empowerment thematisiert. Theoretischen Input lieferten zwei Impulsvorträge aus der Wissenschaft und Praxis sowie drei Beiträge der einzelnen Arbeitskreise.

Prof. Dr. Karsten Heereken von der LVR-Klinik Köln-Merheim eröffnete den Fachtag mit seinem Eingangsvortrag über „Stigmatisierung der psychischen Erkrankungen am Beispiel der Psychosen“. Hierbei sprach er über folgende Themen: die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen und die Veränderung eben dieser in den letzten Jahren; Stigmatisierung und Diskriminierung als Risiko für eine Psychoseerkrankung; Stigmatisierung von Angehörigen und Betroffenen im Gesundheitssystem sowie die Bedeutung von Selbststigmatisierung. Anknüpfend an diesen Beitrag lieferte Prof. Dr. Ulrich Frischknecht von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho), Standort Köln, einen Impulsvortrag zum Thema „Umgang und Strategien mit Abhängigkeitserkrankten“, in dem der Fokus auf der Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit Suchterkrankungen im Alltag und im Hilfesystem lag. Abgerundet wurde der Vortrag mit Strategien zum Umgang mit öffentlichen Stigmata sowie Selbststigmatisierung. Hierbei wurde insbesondere die Stigma-reduzierende Kommunikation thematisiert sowie unterschiedliche Interventionen, wie etwa Selbsthilfe-Seminare und Gruppenprogramme wie In Würde zu sich stehen.

Im Anschluss an die Fachvorträge wurden Beiträge aus den Arbeitskreisen Sucht, Erwachsenenpsychiatrie und AIDS geliefert. Der erste Beitrag des AK Sucht thematisierte die Diskriminierung von Menschen mit Suchterkrankungen im Hilfesystem. Ziel des Arbeitskreises ist eine Verbesserung des Verständnisses für Suchterkrankungen in der Gesellschaft und eine Vermeidung der Ausgrenzung Betroffener. Eröffnet wurde der Vortrag mit einem Video, in dem Betroffene zu ihren Stigmatisierungserfahrungen interviewt wurden. Anschließend daran stellten Norbert Teutenberg und Alexandra Putlitz vom SKM Köln Fragen und Antworten an Mitarbeitende aus dem Suchthilfesystem vor. Hierbei wurden die Bereiche Wording (Begrifflichkeiten), die Reduzierung auf die Suchterkrankung und Schubladendenken erarbeitet. Der zweite Beitrag wurde vom AK Erwachsenenpsychiatrie mit dem Titel “Stigma und Diskriminierung“ gehalten. Ziel des Arbeitskreises ist der Erhalt und bedarfsgerechte Ausbau der psychiatrischen Versorgung sowie die Förderung der Selbsthilfe Betroffener. Ein Eingangsvideo führte mit einem Sketch auf humorvolle Weise in das Thema Vorurteile und Stigmatisierung von Menschen mit Psychoseerkrankungen ein. Anknüpfend daran stellte Herr Reimering hierzu Risiken und Folgen von Diskriminierung für die Betroffenen vor und verband rechtliche Grundlagen mit persönlichen Erfahrungen. Der letzte Beitrag des AK AIDS wurde von Paul Hirnich von der Aidshilfe Köln vorgestellt. Der AK AIDS gestaltet gemeinsame Angebote zu Beratung und Betreuung und sowie unterschiedliche Präventionsaktionen. Der Fokus des Vortrags lag hier auf Chemsex und Diskriminierung von MSM als besonders vulnerable Zielgruppe. Nach einer anfänglichen Definition wurden die Diskriminierungserfahrungen und die Folgen für die Betroffenen sowie die sich daraus ergebende Notwendigkeit zielgruppenspezifischer Angebote aufgezeigt.

Diskussion in Kleingruppen

Zur Bearbeitung des oben genannten Ziels gingen die Teilnehmenden im Anschluss an die Beiträge in Kleingruppendiskussionen für ein Brainstorming zum Thema „Forderungen, die in eine Anti-Stigmatisierungskampagne einfließen sollen“. Die Fragen, mit denen sich die einzelnen Gruppen beschäftigten, behandelten das Thema Stigmatisierungserfahrungen im öffentlichen und praktischen Alltag. Diskutiert wurde, was sich dabei ändern soll und was sich auch gegebenenfalls nutzen lässt. Nach dem regen Austausch und den vielfältigen Beiträgen der Arbeitskreise, Fachkräfte und Teilnehmenden wurde insbesondere die Bedeutung von Begrifflichkeiten, Austausch mit Betroffenen und transparenter und achtsamer Haltung sowie Selbstreflexion der Fachkräfte hervorgehoben. Der Fokus wurde hierbei auch auf die Doppelstigmatisierung und zusätzlichen Barrieren von Migrant_innen gelegt. Thematisiert wurde auch die Bedeutung von Peerberatung, die Stärkung von Selbsthilfe und die Notwendigkeit, dass Betroffene selbst in Planungsprozesse und Fachvorträge eingebunden werden.

Abschließende Eindrücke des Fachtags malten ein Gesamtbild von Selbstreflexion, Anregungen und Einsichten, die durch den gemeinsamen Austausch gewonnen wurden. Die Vorträge ermöglichten Einblicke in die Arbeiten der einzelnen Arbeitskreise und leisteten Aufklärungsarbeit und Anregungen über Barrieren und wie diese abgebaut werden können. Der Austausch in den Kleingruppen erlaubte in einem persönlichen Rahmen den fachlichen und persönlichen Diskurs auf Augenhöhe, durch welchen mit unterschiedlichen Perspektiven praxisnahe Ideen für eine Antistigmatisierungskampagne eingebracht und festgehalten wurden.

Die Moderation des Fachtags übernahm Tristan Steinberger, der von Stephan Post (beide Innovation-Lab Köln) technisch begleitet wurde. Den Vortrag von Herrn Frischknecht sowie die Ergebnisse des Fachtags werden auf der Veranstaltungsseite bereitgestellt.

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