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Wolfgang-Picken-Stipendiatin der katho präsentiert Forschung zu Schockanrufen

95 Tatvollendungen, sechs Millionen Euro Schaden und eine hohe Dunkelziffer: Die Bilanz der Bonner Polizei zum Telefonbetrug gegen Senior_innen ist alarmierend. Doch wie und warum funktioniert diese perfide Masche? Darum ging es am 19.06. bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Bürgerstiftung Rheinviertel, Forum Bad Godesberg und der katho im Pastoralen Zentrum St. Marien.

Von links nach rechts: Agnes Leinweber, Louise Dinger, Jörg Mittelstädt, Bernard Sodoge, Julia Heidler. Copyright: Bürgerstiftung Rheinviertel

„Eine doppelte Premiere“ kündigte Agnes Leinweber, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Rheinviertel in Bonn, zur Begrüßung an. Denn erstmals präsentierte mit Luise Dinger eine Wolfgang-Picken-Stipendiatin der katho ihr Promotionsprojekt. Und ebenfalls zum ersten Mal gestalteten Bürgerstiftung Rheinviertel und Forum Bad Godesberg eine gemeinsame Veranstaltung, moderiert von Bildungsreferentin Julia Heidler. 

Polizeiexperten zum Telefonbetrug

Das Podium vervollständigten zwei Vertreter der Bonner Polizei: Bernhard Sodoge ist Technischer Sicherheitsberater/Seniorenberater und arbeitet im Bereich Kriminalprävention/Opferschutz. Kriminalhauptkommissar Jörg Mittelstädt kennt die Konsequenzen erfolgreichen Telefonbetrugs aus eigener Ermittlungsarbeit.

Auswirkungen von Schockanrufen auf Betroffene

Luise Dinger untersucht in ihrer Promotion die Auswirkungen sogenannter Schockanrufe auf die Betroffenen. Grundlage dafür sind persönliche Interviews, für die sie bundesweit über unterschiedlichste Kanäle Gesprächspartner suchte. Eine erste Erkenntnis: „Der Schockanruf besteht eigentlich aus zwei Erfahrungen.“ Zuerst der emotionale und körperliche Schock angesichts der vorgegaukelten Katastrophe aus dem engen Familienkreis, die die Personen in dem Moment als real erleben und zum Beispiel wirklich glauben, die Stimme der schwer verletzten Tochter zu hören. Später die Betrugserfahrung, also die Gewissheit, massiv getäuscht worden zu sein. „Zweimal wird mit meiner Wirklichkeit gebrochen“, so Luise Dinger.

Ablauf und Modus Operandi von Schockanrufen

Jörg Mittelstädt machte eindrucksvoll klar, was da tagtäglich passiert: „Dies ist ein mafiös strukturiertes Massenphänomen, meist per Call Center aus Osteuropa, und die Anrufe erfolgen im Akkord.“ Persönliche Informationen werden im Vorfeld professionell ausspioniert. Vom Anbahnungstelefonat bis zur eigentlichen Tat bzw. Übergabe oder Abholung der Beute vergehen nur drei bis vier Stunden. „Das Geld kommt dann sofort ins Ausland, und der Schmuck wird eingeschmolzen.“ 

Warum ältere Menschen besonders gefährdet sind

Warum trifft es vor allem Ältere? „Sie haben noch Vertrauen in die (vermeintlich echte) Polizei, können weniger körperliche Gegenwehr leisten und haben eine geringere Resilienz in Stresssituationen“, erklärte Jörg Mittelstädt. 

Psychologie der Täuschung: „Macht der Situation“

„Wenn ein Mensch Angst und Druck verspürt, kann man nicht mehr rational denken“, so Bernhard Sodoge. „Die Täter sind immer gut vorbereitet, wir nicht“, ergänzt er und nennt dies „die Macht der Situation“. Man sei kaum in der Lage zu überlegen, ob das alles überhaupt stimme, was man gerade hört. Bei weiteren betrügerischen Anrufen wie falschen Umfrageinstituten oder unseriösen Verkaufsangeboten käme noch hinzu, dass sich gerade „alleinstehende ältere Menschen oft über jeden Anruf freuen“. Ganz wichtig ist ihm: „Das alles hat mit Intelligenz gar nichts zu tun; es kann jedem passieren.“

Prävention: Schutz vor Schockanrufen und Telefonbetrug

Die Fachleute gaben wertvolle Tipps zur Vorbeugung: Sich am Telefon nur mit „Hallo“ melden. Nicht den eigenen Namen mit „Ja“ bestätigen, sondern „Wer will das wissen?“ fragen. Am besten die Festnetznummer aus dem Telefonbuch – auch online! – streichen lassen und in Traueranzeigen Ortsangaben vermeiden. Vor allem aber: „Hinterfragen Sie alles! Wo leise Zweifel sind, sofort auflegen.“

 

Seit 2025 können Promovierende sich für das Wolfgang-Picken-Stipendium bewerben. Hierbei handelt es sich um ein, durch die Bürgerstiftung Rheinviertel gefördertes Stipendium exklusiv für katho-Promovierende, welches einen jährlichen Zuschuss zu Sach- und Reisekostenausgaben bietet. Weitere Informationen zum Antragsverfahren und den jährlichen Fristen erhalten Sie auf den internen Seiten der katho (nur mit katho-Login). 

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