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| Münster, | Tagung,

Praxis- und Forschungstag 2024 am Standort Münster

Der Praxis- und Forschungstag hat am Standort Münster eine lange Tradition. Für uns ist er eine wichtige Gelegenheit, im Sinne einer guten und regelmäßigen Theorie-Praxis-Relationierung mit den Praxiseinrichtungen in der Region im Gespräch zu sein. Am Praxis- und Forschungstag treffen Lehrende, Praxisvertreter_innen und Studierende zusammen, um gemeinsam aktuelle Herausforderungen und deren Konsequenzen für eine gute Qualifizierung künftiger Fachkräfte zu diskutieren. Die Praxis erhält zugleich Einblicke in aktuelle Diskurse und (Forschungs-) Projekte der Hochschule. In diesem Jahr wird das Thema „Professionelles Handeln angesichts gesellschaftlicher Krisen“ im Zentrum des Dialogs zwischen Praxisvertreter_innen, Studierenden und Lehrenden stehen.

Datum und Uhrzeit 26.06.2024, 09:00 - 16:15 Uhr
Ort/ Adresse

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Standort Münster
Piusallee 89
48147 Münster

Veranstalter Fachbereich Sozialwesen Münster

Am 26. Juni 2024 wird der diesjährige Praxis- und Forschungstag mit dem Thema „Professionelles Handeln im Krisenmodus“ an der katho am Standort Münster stattfinden.

Krisen sind vielfältig und treten in verschiedenen Lebensbereichen und Dimensionen auf: Globale Krisen wie der Klimawandel und Flucht und Vertreibung, oder gesellschaftliche Krisen wie Phänomene zunehmender Radikalisierung, begegnen uns unausweichlich und betreffen auch die Handlungsfelder im Sozial- und Gesundheitswesen zunehmend. Auch innerhalb der Handlungsfelder der Sozialen Arbeit und Heilpädagogik scheinen Krisen- und Belastungssituationen zuzunehmen. Der Fachkräftemangel ist hier ein Symptom unter vielen.

Wir möchten den Praxis- und Forschungstag nutzen, um mit Ihnen gemeinsam am Vormittag ein Verständnis der angedeuteten Krisenphänomene und ihrer Folgen zu entwickeln und daraus mögliche Perspektiven für die Handlungsfelder auszuloten. Der Nachmittag bietet Einblicke in aktuelle Themen- und Forschungsschwerpunkte aus Instituten, Promotionsvorhaben und einzelnen Forschungsprojekten. Zudem informieren wir über Möglichkeiten für gemeinsame Projekte und Formen der Kooperation.

Wir freuen uns auf Sie!

Prof. Dr. Sabine Schäper (Praxisbeauftragte Heilpädagogik)
Prof. Dr. Judith Haase (Praxisbeauftragte Soziale Arbeit)

ANMELDUNG

Der Anmeldezeitraum ging bis zum 10.06.2024.


PROGRAMM

09:00 Uhr                     Stehkaffee

09:30 Uhr                     Begrüßung

09:45 - 10:15 Uhr       Prof. Dr. Sebastian Laukötter: Krise(n) ohne Ende? Philosophische Reflexion zum Krisenbegriff

10:15 - 11:00 Uhr       Trialogisches Forum und Austausch

11:00 - 11:15 Uhr       Pause

11:15 - 12:45 Uhr       Workshops I

12:45 - 13:45 Uhr       Mittagessen

13:45 - 14:30 Uhr       Ausblick, Zusammenfassung und Diskussion

14:30 - 14:45 Uhr       Kaffeepause

14:45 - 15:15 Uhr       Postersession

15:15 - 16:15 Uhr       Workshops II


TRIALOGISCHES FORUM

Die Perspektiven von Praxis, Hochschule und Studierenden auf Krisen sind nicht identisch, sondern von teils äußerst unterschiedlichen Interessen geprägt. Diesen unterschiedlichen Sichtweisen möchten wir im Sinne einer Multiperspektivität auf das Thema zu Beginn des Tages bewusst Raum geben. Wir haben daher Studierende, Lehrende und Praxisvertreter_innen eingeladen, jeweils ein kurzes Statement zu ihrer Einschätzung mitzubringen, und werden die verschiedenen Perspektiven miteinander ins Gespräch bringen.


WORKSHOPS I

Inklusive Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten des Fachkräftemangels – (Wie) geht das?
In diesem Workshop werden zwei zentrale aktuelle Herausforderungen für die Kinder- und Jugendhilfe in ihrer Wechselwirkung in den Blick genommen. Zum einen sieht das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz von 2021 vor, dass ab 2028 Kinder und Jugendliche mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen auch zu Leistungsberechtigten nach dem SGB VIII werden („große Lösung“). Zum anderen sind zwar im Feld der Kinder- und Jugendhilfe das Personal sowie die Angebote und Plätze gestiegen, zugleich aber ist immer deutlicher ein – in manchen Bereichen und Regionen bereits besorgniserregender – Fachkräftemangel erkennbar. Den damit verbundenen Fragestellungen widmet sich der Workshop: Er skizziert die Anforderungen an die inklusive Lösung ebenso wie die aktuelle personelle Lage und fragt nach den Möglichkeiten und Bedingungen qualifizierter Sozialer Arbeit und Heilpädagogik.

Klimakrise und Nachhaltigkeit: Neue Herausforderungen in Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens
Wir laden in diesem Workshop ein, sich mit Praxisvertreter_innen, Studierenden und Dozierenden über die Herausforderungen auszutauschen, die sich in den diversen Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens hinsichtlich klimatischer oder umweltbezogener Veränderungen für das professionelle Handeln der Fachkräfte ergeben können. Darüber hinaus wollen wir Ziele und Visionen einer nachhaltigen Arbeit diskutieren.
Welche neuen oder verschärften (Gesundheits-)Belastungen zeigen sich bei Klient_innen/Adressat_innen/Patient_innen und bei den Fachkräften selbst? Diskutiert wird, welcher Mittel und Kompetenzen es bedarf, um diesen Herausforderungen zu begegnen und Resilienz zu fördern. Wie können entsprechende Methoden und Kompetenzen in der Lehre vermittelt werden? Exemplarisch gezeigt wird, wie Einrichtungen und Fachkräfte ihre Arbeit nachhaltiger ausrichten und auf welche Weise Impulse für nachhaltiges Verhalten gesetzt werden können. Gegenübergestellt werden dabei unterschiedliche Praxisfelder wie Wohngruppen, Suchtberatung oder etwa Krankenhäuser etc.

Identität(en) in der Diversitätsgesellschaft – oder: Die Krise der Normalitätsgesellschaft ?
Junge Menschen setzen sich heute in einer komplexen Weise mit Fragen ihrer Identität(en), den damit verbundenen Zugehörigkeiten und der Repräsentation ihrer Identitäten und Lebensentwürfe innerhalb gesellschaftlicher Diskurse und Verhältnisse auseinander. Im Zentrum des Workshops steht ein Pool von über 1.100 selbstverfassten Beiträgen junger Menschen zu Gender- und Diversitythemen (Texte, Songs und Videos), die auf der Jugend-Gender-Plattform meinTestgelände veröffentlicht wurden. Wie lassen sich die eigenen Identitätsbilder von Jugendlichen und jungen Menschen in deren Beiträgen erkennen? Und mit welchen gesellschaftlichen Normalitätsbildern wird dabei konkurriert?

Migration, Gesundheit und soziale Nachhaltigkeit in Deutschland: Herausforderungen und Handlungsansätze
Aktuell hat etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Diese Menschen sehen sich oft mit gesundheitlichen Ungleichheiten und sozialen Herausforderungen konfrontiert. Die Frage nach dem Ausmaß und den Einflussfaktoren gesundheitlicher Ungleichheit von Menschen mit Migrationsgeschichte im Hinblick auf soziale Nachhaltigkeit wird daher immer dringlicher. Sozioökonomischer Status, Zugang zur Gesundheitsversorgung, sprachliche Barrieren sowie diskriminierende Strukturen und Haltungen im Gesundheitssystem beeinflussen maßgeblich die gesundheitliche Situation von Menschen mit Migrationshintergrund und erhöhen ihr Risiko für verschiedene Gesundheitsprobleme wie psychische Erkrankungen und chronische Krankheiten.
Wir freuen uns, gemeinsam mit unserem Praxisvertreter „Refugio“ und unseren Studierenden den Workshop zu gestalten und mit Ihnen/euch über mögliche Handlungsansätze zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen die Herausforderungen im Zusammenhang mit Migration, Flucht und Vertreibung sowie die damit verbundenen gesundheitlichen Ungleichheiten. Folgende Fragen werden dabei besonders betrachtet:

  • Welche gesundheitlichen Belastungen zeigen sich bei Menschen mit Migrationsgeschichte und bei den Fachkräften selbst?
  • Welche Maßnahmen und Kompetenzen sind erforderlich, um diesen Herausforderungen zu begegnen und die Resilienz zu fördern?
  • Wie können entsprechende Methoden und Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung vermittelt werden?

Der Sprung ins kalte Wasser!
Den eigenen beruflichen Übergang zu gestalten, stellt mit dem Eintritt in die Praxis eine Herausforderung dar, der sich nicht nur „die Neuen“, sondern auch die „alten Hasen“ aus der Praxis stellen müssen.
Ziel dieses Workshops ist deshalb, aus verschiedenen Perspektiven Bedingungen zu identifizieren, die trotz des zu erwartenden „Praxisschocks“ einen gelingenden Übergang ermöglichen und Grundlagen schaffen, die langfristig einen professionellen Umgang mit Herausforderungen der Praxis ermöglichen.

Fachkräftemangel im Sozialwesen – ehrenamtliches Engagement und zivilgesellschaftliche Solidarität als Weg aus der Krise?
Der große Bedarf an professionellen Kräften der Sozialen Arbeit kann gegenwärtig kaum gedeckt werden. Wie verhält es sich mit Ehrenamtlichen in den entsprechenden Arbeitsfeldern – können sie helfen, die Lücken zu füllen? Wie motiviert sind Ehrenamtliche angesichts der aktuellen Situation und welche Rolle spielt der Begriff der Solidarität dabei? Lässt sich gar von einer Krise des Ehrenamtes sprechen und welche Maßnahmen und Strukturen braucht es vor diesem Hintergrund, um zivilgesellschaftliches Engagement zu fördern? Der Workshop diskutiert diese Fragen anhand von Einblicken in ein aktuelles Forschungsprojekt zu Erfahrungen und Motivation ehrenamtlich Engagierter sowie mit Vertreter_innen aus der Praxis und dem Studium der Sozialen Arbeit, die ihre Expertise an der Schnittstelle von professioneller Praxis und Ehrenamt einbringen.


WORKSHOPS II

Spezifische Wohnhilfen für älterwerdende Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen - Ergebnisse einer Einrichtungsbefragung
Im Zuge des demographischen Wandels werden auch immer mehr Menschen mit einer lebensbegleitenden chronischen psychischen Erkrankung alt. Dabei hat dieser Personenkreis ein erhöhtes Risiko, bereits ab Anfang, Mitte 50 von Alterseinschränkungen betroffen zu sein, die zu zusätzlichen Teilhabeeinschränkungen bis hin zu frühzeitigen Umzügen in Altenpflegeheimen führen können. Dies führt auch zu neuen Herausforderungen in den Wohnhilfen der Sozialpsychiatrie.
Im Workshop werden die Ergebnisse einer bundesweiten qualitativen Expertenbefragung von Leistungserbringern, die in den letzten 15 Jahren spezifische Wohnhilfen für älter werdende Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen entwickelt haben, vor- und zur Diskussion gestellt.

Kinder mit Behinderung – eine unsichtbare Gruppe im Kinderschutz
Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung haben im Vergleich zu Kindern ohne Beeinträchtigung ein deutlich erhöhtes Risiko, sexuelle, körperliche und psychische Gewalt zu erfahren. Dies bestätigt die internationale Forschung. Gleichzeitig werden Anhaltspunkte für Kindeswohlgefährdungen vom sozialen und professionellen Umfeld oft nicht als solche erkannt und Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen berichten selbst weniger aktiv und weniger häufig von Gewalterfahrungen. Sie zählen zu den „Unsichtbaren“ im Kinderschutz.
Diesem „blinden Fleck“ soll im Workshop nachgegangenen werden und Kinder und Jugendliche mit Behinderung in den Fokus des Kinderschutzes gestellt werden. Welche besonderen Schutzbedürfnisse bestehen? Wie müssen Prävention, Intervention und Nachsorge ausgerichtet sein, damit Kinder mit Behinderung sichtbar sind und Schutz erfahren? Welche Kompetenzen benötigen Fachkräfte in der Arbeit mit Kindern mit Behinderung im Kinderschutz?

Teilhabe von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung vor und nach dem Umzug in die eigene Wohnung 
Es werden Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung des SeWo-LWL-Programms für selbstständiges und technikunterstütztes Wohnen im Quartier vorgestellt. Der LWL möchte in diesem Programm Möglichkeiten schaffen, dass Personen mit höherem Unterstützungsbedarf ein Wohnen mit Assistenz in der eigenen Häuslichkeit ermöglicht wird. Dafür werden zusätzliche Mittel für haustechnische Elemente und Quartiersarbeit bereitgestellt.
Dieser Workshop fokussiert die sozialraumorientierte Arbeit: Die Tätigkeiten der Quartiers- und Teilhabegestalter_innen (QTG) und inwiefern sie die Teilhabe und Inklusion der Mieter_innen unterstützen, werden aufgezeigt. Ein besonderer Fokus wird darauf liegen, inwiefern sich soziale Beziehungen und außerhäusliche Aktivitäten von Mieter_innen mit intellektueller Beeinträchtigung in der Phase eines Umzugs ändern, wenn dieser Übergang von QTGs unterstützt wird.

Ethische Herausforderungen bei der Gestaltung von Interviews mit Kindern
Mit der Forschung mit Kindern und über Kinder geht die Herausforderung einher, wie es gelingen kann, sowohl die Erfahrungen, das Wissen und die Wahrnehmungen der adressierten Kinder methodisch zu erfassen als auch gleichzeitig wesentlichen ethischen Anforderungen gerecht zu werden. Insbesondere die qualitative Befragung von Kindern durch Interviews und Gruppendiskussionen erfordert nicht nur für Gestaltung des gesamten Forschungsdesigns, sondern auch in der konkreten Forschungssituation eine kritische Reflexion von Machtstrukturen und der eigenen Rolle als erwachsene_r Forscher_in (Alderson & Morrow, 2020; Graham et al., 2013; Shier, 2019), da in Erwachsenen-Kind-Interaktionen immer auch generationale Ordnungen reproduziert werden. Häufig kommt es durch die Ausbalancierung verschiedener Ansprüche der Forschenden zu Ad Hoc-Praktiken (Velten & Höke, 2023), die im Sinne der Qualitätssicherung kritisch reflektiert werden sollten. Im Workshop wird in diesem Kontext eine Reflexionsfolie eingeführt und dann gemeinsam auf ausgewählte Interviewsequenzen angewendet. Die Auseinandersetzung insbesondere mit als „misslungen“ oder „unergiebig“ eingeschätzten Interviews kann dabei helfen, die eigenen Kompetenzen bei der Befragung von Kindern weiter zu professionalisieren. Teilnehmende am Workshop sind herzlich eingeladen, eigene Interviewbeispiele mitzubringen.

Barrieren im Zugang zum Gewaltschutz erkennen und abbauen
In den letzten Jahrzehnten hat sich in Deutschland eine ausdifferenzierte Angebotsstruktur entwickelt, die Frauen präventiv, kurzfristig in Notsituationen und längerfristig in der Be- und Verarbeitung von Gewalterfahrungen unterstützt. Die Zusammensetzung der Nutzerinnen von Gewaltschutzeinrichtungen zeigt jedoch, dass nicht alle gewaltbetroffenen Frauen in gleichem Maße durch diese Angebote erreicht werden: Unter anderem Frauen ab 50 Jahren, Frauen aus mittleren und höheren Bildungs- und Einkommensschichten und Frauen mit Behinderungen nutzen das Hilfesystem der Sozialen Arbeit seltener. In diesem Workshop werden anhand von Ergebnissen eines Forschungsprojektes Barrieren im Zugang zu Gewaltschutzeinrichtungen dargestellt, die sich auf spezifische Bedarfe von potenziellen Adressatinnen, auf Phasen des Gewalterlebens und auf einrichtungsbezogene Merkmale beziehen. Ziel des Workshops ist es, für Barrieren im Zugang zum Gewaltschutz und zu weiteren Arbeitsbereichen zu sensibilisieren, und zu diskutieren, wie Barrieren abgebaut werden können.


KONTAKT

Sarah Althöfer

Fachbereichsreferentin für Studium und Praxis

Münster, Sozialwesen

M.A. Monika Laumann

M.A. Monika Laumann

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Praxisreferat

Münster

2024 Juni Fachbereich Sozialwesen Münster Tagung Forschung Praxis Münster
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