Zum Hauptbereich springen Zum Fußbereich springen
| katho, | Aachen,

Bundesweite Studie: Gestiegener Substanzkonsum im Corona-Lockdown führte verstärkt zu Depressionen, Angst und Einsamkeit

Durch einen erhöhten Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis im Corona-Lockdown waren Menschen psychisch stärker belastet als jene, die in dieser Zeit wenig oder keine Substanzen zu sich nahmen. Das zeigt eine Studie der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho). Ein weiteres Ergebnis: Die psychische Gesundheit von Risikopatient_innen war im Lockdown besonders gefährdet. So hatten 36 Prozent der Befragten mit einer Vorerkrankung mit einer Depression zu kämpfen.

Vor allem Menschen mit gesteigertem Alkoholkonsum waren im Corona-Lockdown von Depressionen und Ängsten betroffen: Sie litten signifikant mehr unter Einsamkeit und hatten häufiger Suizidgedanken. (Foto: David-W- / Photocase)

Forscher_innen der katho haben in einer bundesweiten Studie zu psychischer Gesundheit und Substanzkonsum im ersten Lockdown der Corona-Pandemie 2.369 Personen befragt. Von ihnen steigerten rund 28 Prozent im Lockdown ihren Alkoholkonsum, 29 Prozent ihren Tabakkonsum und 21 Prozent ihren THC-Konsum – und waren in der Folge signifikant stärker psychisch belastet als Personen, die im selben Zeitraum ihren Substanzkonsum gesenkt oder gar nichts konsumiert hatten. Vor allem Menschen mit gesteigertem Alkoholkonsum waren von Depressionen und Ängsten betroffen: Sie litten signifikant mehr unter Einsamkeit und hatten häufiger Suizidgedanken. Zudem hatten sie mehr finanzielle Einbußen wegen des Lockdowns und waren durch die soziale Distanzierung subjektiv stärker belastet als Personen, die im selben Zeitraum ihren Alkoholkonsum gesenkt hatten oder gar nichts getrunken hatten.

„Zwar haben rund 30 Prozent der Befragten ihren Alkoholkonsum während des Lockdowns gesenkt, aber ähnlich viele wiederum ihren Konsum gesteigert“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Daniel Deimel. „Dass diese Menschen psychisch stärker belastet waren, interpretieren wir als eine Folge eines dysfunktionalen Bewältigungsmusters und der Probleme mit der Affektregulation im Zusammenhang mit dem Lockdown“, so Deimel weiter.
 

Risikopatient_innen litten stärker unter Depressionen, Ängsten und Suizidgedanken

In einer weiteren Analyse stellten die Forscher_innen fest, dass Risikogruppen für einen schweren Covid-19-Verlauf psychisch belasteter waren, als Menschen ohne eine entsprechende Vorerkrankung. Das zeigte sich an erhöhten Raten von Depressionen, Ängsten und Suizidgedanken. Zu der Risikogruppe gehörten Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, chronische Atemwegserkrankungen, Koronare-Herzkrankheit, ein geschwächtes Immunsystem oder Tumorerkrankungen. 47 Prozent der Studienteilnehmer_innen waren Teil der Risikogruppe. Das Robert Koch-Institut rechnet mit einem Anteil von 52 Prozent der Gesamtbevölkerung, die zur Risikogruppe gehören. Vorerkrankte Menschen haben sich während des Lockdowns verstärkt Sorgen um ihre eigene Gesundheit gemacht und von mehr Einsamkeit berichtet. Dies wiederum verstärkte eine depressive Symptomatik.
 

Mehr psychosoziale und psychotherapeutische Angebote nötig

Rund 36 Prozent der Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf berichteten von einer moderaten depressiven Symptomatik und 30 Prozent von klinisch relevanten Symptomen einer Angststörung. „Gerade das Gefühl von Einsamkeit während des Lockdowns hat das Risiko für depressive Symptome insbesondere bei vulnerablen Personengruppen erhöht“, sagt Prof.in Dr.in Christine Firk, Mitautorin der Studie.

Die Forscher_innen fordern daher mehr psychosoziale und psychotherapeutische Angebote, um die gravierenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit auffangen zu können. Denn die Folgen von psychischen Beeinträchtigungen und Störungen sind mit hohem individuellem Leid und hohen gesellschaftlich Kosten verbunden.

 

Zur Person:

Daniel Deimel ist Professor für Klinische Sozialarbeit an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) am Standort Aachen und am Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP). Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Suchtforschung, Sozialpsychiatrie und Evidenzbasierter Sozialer Arbeit.

Christine Firk ist Professorin für Psychische und Entwicklungsstörungen im Kinder- und Jugendalter an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) am Standort Aachen und am Institut für Gesundheitsforschung und Soziale Psychiatrie (igsp). Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen psychische Gesundheit bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

 

Weitere Infos zur Studie:

Zur Studie: Deimel, D., Firk, C., Stöver, H., Hees, N., Scherbaum, N., Fleißner, S. (2022). Substance use and mental health during the first lockdown of COVID-19 in Germany: results of a cross-sectional survey. International Journal of Environmental Research and Public Health, 19(19): 12801. DOI: https://doi.org/10.3390/ijerph191912801

 

Deimel, D., Köhler, T., Dyba, J., Graf, N., Firck, C. (2022). Mental health of COVID-19 risk groups during the Corona pandemic lockdown in Germany: a cross-sectional study. BMC Public Health 22, 1187. DOI: https://doi.org/10.1186/s12889-022-13593-z

 

image

Kontakt bei inhaltlichen Fragen

Prof. Dr. Daniel Deimel

Professor für Klinische Sozialarbeit

Aachen, Sozialwesen

image

Prof'in Dr. Christine Firk

Professorin

Aachen, Sozialwesen

image

Pressekontakt

Katja Brittig

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Köln, Dezernat VI - Akademische Angelegenheiten

2022 Soziales Forschung Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) katho Aachen News Pressemeldung
Zum Kopfbereich springen