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Das Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien (CARS) veröffentlicht Working Paper #002 von Gerhard Scheit

Das Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien (CARS) an der katho am Standort Aachen setzt seine Working Paper Reihe mit einem Beitrag von Gerhard Scheit fort. Das CARS Working Paper #002 „Zur Kritik des christlichen und des linken Antisemitismus – mit Abaelard und Marx. Einige Thesen und Kommentare" steht ab heute kostenfrei zum Download bereit.

Abstract

Die Einleitung stellt in Zusammenhang mit David Nirenberg die Frage, auf welcher Grundlage zwischen Antijudaismus und Antisemitismus zu unterscheiden wäre, und versucht die Schwierigkeiten einer definitorischen Festlegung deutlich zu machen. Im ersten Teil werden Ansätze zu einer immanenten Kritik des christlichen Antisemitismus bei Petrus Abaelardus gezeigt, die in ihrer Art einzig dastehen in der Geschichte der Scholastik und nur vor dem Hintergrund von Abaelards dialektischer Auffassung der Trinität zu begreifen sind. Zugleich sollen die Grenzen dieser Kritik hervortreten, die – ähnlich wie später in Hegels Darstellung der jüdischen Religion – in Abaelards Deutung der Stellung des Gesetzes im Judentum liegen, die auf den Römerbrief von Apostel Paulus zurückverweist.

Gleichsam parallel dazu wird im zweiten Teil die Kritik von Karl Marx an Bruno Bauers Texten zur Judenfrage als Versuch einer immanenten Kritik des linkshegelianischen Antisemitismus dargelegt, hier unter Bezugnahme auf seine spätere Kritik der politischen Ökonomie im Kapital sowie auf die Dialektik der Aufklärung von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. Die Grenzen der frühen Diskussion hängen zwar engstens mit der von Marx seinerseits immer wieder zur Schau gestellten Aversion gegen den israelitischen Glauben zusammen, die er überdies reichlich mit antisemitischen Metaphern ausstattete. Im Widerspruch dazu lässt sich aber früh schon der Impuls für jene Studien zum Kapital erkennen, den Marx selber nicht umhinkonnte, dem Judentum zugutezuhalten, und den eigentlich erst Adorno und Horkheimer in ihrem Verständnis der jüdischen Religion offenlegten.

In dieser Hinsicht erschließt sich an Marx’ Darstellung der zeitgenössischen Lage der Juden in Jerusalem eine dem christlichen und linken Antisemitismus – und damit auch deren heutiger Synthese in der postkolonialen Theorie – geradezu entgegengesetzte Parteinahme, wonach die jüdische Religion auf singuläre Weise die geschichtliche Erfahrung der Verfolgung der Juden wachhält.

 

Der Autor

Gerhard Scheit, Dr. phil., lebt als freier Autor und Essayist in Wien. Arbeiten zur Kritischen Theorie und zur Kritik der politischen Ökonomie, über Antisemitismus und Souveränitätsbegriff, sowie Essays zur modernen Literatur und Musik; Mitherausgeber der Jean Améry Werkausgabe (2002-2008), der Zeitschrift sans phrase (ab 2012) und der Gesammelten Schriften Manfred Dahlmanns (ab 2020). Bücher: Verborgener Staat, lebendiges Geld. Zur Dramaturgie des Antisemitismus (1999, 2003); Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt (2004); Jargon der Demokratie. Über den neuen Behemoth (2006); Der Wahn vom Weltsouverän (2009); Quälbarer Leib. Kritik der Gesellschaft nach Adorno (2011); Kritik des politischen Engagements (2016); Im Ameisenstaat: von Wagners Erlösung zu Badious Ereignis. Ein Essay über Musik, Philosophie und Antisemitismus (2017).

 

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