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| Aachen,

Die Lösung ist Humor! Erkenntnisse der HU.PSY-Studie

Rund 400 Fachkräfte der Erziehungs- und Familienberatungsstellen und weitere Interessierte fanden sich am 20. Oktober 2022 im Maternushaus in Köln ein, um am Programm der Fachtagung unter dem Titel „HU.PSY – HUmor und PSYchische Gesundheit in Familien.“ teilzunehmen. Die Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung NRW hatte im Rahmen ihrer Jahrestagung, unter dem Motto „Die Lösung ist Humor“ zu diesem prominent besetzen Kongress eingeladen, auf dem auch die Ergebnisse der gleichnamigen HU.PSY-Studie, für die sich Prof. Dr. Mathias Berg (katho, Standort Aachen) verantwortlich zeichnet, erstmalig präsentiert wurden.

Die Fachtagung der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung NRW beschäftigte sich in innovativer Form mit dem Thema Humor und psychischer Gesundheit in Familien.

Prof. Dr. Mathias Berg stellte Ergebnisse der HU.PSY-Studie vor.

Auch die Komikerin Cordula Stratmann trug per Videoschalte mit Berichten aus eigenen Kontexten zum Tagungsthema bei.

Die Tagung wurde von der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung NRW organisiert, der Professor Mathias Berg (re.) als Vorstand angehört.

Die Tagung folgte einem innovativen Konzept, dass zwischen humorvoller Unterhaltung und wissenschaftlichen Beiträgen changierte und bei dem alle Referent_innen mit der nötigen heiteren Ernsthaftigkeit das Thema vertraten. Prof. Dr. Arist von Schlippe (Universität Witten/Herdecke) sprach zum Thema „Mehr als Unsinn – Eine kleine Erkenntnistheorie des Witzes“ und Dr. Alexander Lohmeier (Erziehungsberatungsstellen der Caritas, Traunstein) betrachtete die Beratungspraxis unter dem Blickwinkel „Humor konkret – von der Technik zur Haltung“. Auch wenn der Beitrag von PD Dr. Irina Falkenberg zu „Humor in der Psychotherapie“ aufgrund von Erkrankung kurzfristig entfallen musste, konnten der Schauspieler und Kabarettist Fatih Cevikkollu („Migration und psychische Krankheit. Wo ist der Witz?“) die Klinikclownin Mieke Stoffelen als auch die Komiker_innen Cordula Stratmann und Kurt Krömer, die per Videobotschaft zugeschaltet waren, vielschichtige Aspekte zum Tagungsthema aus ihren eigenen Kontexten berichten.

Studie: Humor bietet Anknüpfungspunkte für Hilfen und Beratung 

Dreh- und Angelpunkt des Fachtags waren die Ergebnisse der HU.PSY-Studie, die im Vortrag von Dr. Thomas Köhler-Saretzki (Familienberatung der CHS, Köln), Dorothea Brilmayer-Riesbeck (Erziehungs- und Familienberatung der Caritas, Neuss) und Prof. Dr. Berg präsentiert wurden. Das zunächst etwas exklusiv anmutende Thema Humor, entfaltet bei genauerer Betrachtung zahlreiche Anknüpfungspunkte für psychosoziale Hilfen und beraterisch-therapeutische Leistungen. Denn neben seiner Funktion als Kommunikations- und Beziehungselement wird dem Humor in zahlreichen internationalen Studien eine wesentliche Rolle als Bewältigungsfaktor in Krisen zugeschrieben, der sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirken kann. Ziel der von Mai 2021 bis Januar 2022 durchgeführten HU.PSY-Studie war es, erste Erkenntnisse zum Humor von Eltern, die Familienberatung aufsuchen, zu erheben, und in Beziehung zu setzen mit den relevanten Dimensionen Bindung sowie psychische Gesundheit von Kindern/Jugendlichen. Zusammengefasst kam die Fragebogenuntersuchung dabei zu folgenden zentralen Befunden für die Beratung:

  • Es zeigten sich Zusammenhänge zwischen einer humorvollen Lebenshaltung von Eltern und prosozialen Verhaltensweisen ihrer Kinder.
  • Bei Stress und Belastung setzen Eltern mit einer heiteren Lebenseinstellung signifikant häufiger Humor als Copingstrategie ein als weniger humorvolle Eltern.
  • Deutliche Unterschiede zeigten sich auch bei Eltern mit einer psychischen Störung und Eltern ohne Diagnose: In der HU.PSY-Studie wiesen letztere eine deutlich humorvollere Lebenshaltung auf als Eltern die psychisch erkrankt waren.

Darüber hinaus zeigten sich in der Stichprobe deutliche Zusammenhänge zwischen Humor und elterlichen Bindungseinstellungen.

  • So konnte in der Studie belegt werden, dass bindungssicheren Eltern eine heitere/humorvolle Lebenshaltung zu eigen ist als bindungsunsicheren Eltern. 
  • Bindungssichere Eltern beurteilten ihre Kinder überdies im Fragebogen als signifikant weniger verhaltensauffällig als bindungsunsichere Eltern.

Die HU.PSY-Studie wurde finanziert durch Eigenmittel der katho. Die HU.PSY-Tagung wurde gefördert vom Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln und durchgeführt von der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung NRW e.V., auf deren Website auch die Tagungsbeiträge heruntergeladen werden können. Die Ergebnisse der Studie werden in der Ausgabe 03/2023 der Fachzeitschrift Familiendynamik erscheinen, bei der Prof. Dr. Berg eine Gastherausgeberschaft übernommen hat.

 

Text: Lea Pauls, B.A. (Hilfskraft der katho im Forschungsprojekt HU.PSY)

 

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Kontakt

Prof. Dr. Mathias Berg

Professor für Soziale Arbeit, Schwerpunkt: Psychosoziale Beratung

Aachen, Sozialwesen

Soziales Forschung Aachen Nachbericht
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