Erster Interdisziplinärer Aachener Praxis-Dialog Kinder- und Jugendhilfe
Rund 90 Minuten lang tauschten sich Vertreter_innen aus ambulanten Diensten sowie öffentlichen Trägern gemeinsam mit der Hochschule über aktuelle Bedarfe, Herausforderungen und Perspektiven des Arbeitsfeldes aus.
Intention und Ziel
Prof. Dr. Maik Sawatzki beschreibt das Ziel des Veranstaltungsformats wie folgt:
„Wir wollen eine langfristige Vernetzungsstruktur für die örtliche Kinder- und Jugendhilfe zwischen Wissenschaft, Lehre und Praxis aufbauen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Hochschule und Praxis in Aachen enger zusammenwachsen können – zum Wohl der Fachkräfte, der Einrichtungen und der Kinder und Jugendlichen in der Region. Die Hochschule versteht sich dabei ausdrücklich als Zuhörerin und Partnerin der Praxis.“
Konkret verfolgt der Praxis-Dialog vier Ziele: Wissenschaft und Praxis interdisziplinär – sozialpädagogisch und rechtlich – zusammenzudenken; die Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe vor Ort zu stärken; aktuelle Bedarfe aus der Praxis aufzunehmen und in Lehre sowie künftige Angebote einfließen zu lassen; sowie Studierende passgenau auf die komplexen Anforderungen des Handlungsfeldes vorzubereiten.
Aufbau und Ablauf der Veranstaltung
Die Veranstaltung gliederte sich in vier aufeinander aufbauende Phasen. Zu Beginn wurden die Erwartungen der Teilnehmenden per Mentimeter-Abfrage live sichtbar gemacht, was unmittelbar eine offene, dialogische Atmosphäre schuf. Im anschließenden Kurzinput beleuchteten beide Professoren aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Kinder- und Jugendhilfe aus ihren jeweiligen Perspektiven: Prof. Dr. Sawatzki aus sozialpädagogischer Sicht, Prof. Dr. Gundelach aus rechtlicher – etwa zu Reformfragen des SGB VIII.
Das Herzstück der Veranstaltung bildete ein strukturierter Praxisaustausch in vier Kleingruppen. Jede Gruppe bearbeitete eine von vier Leitfragen: Wo hakt es im Praxisalltag immer wieder? Wo fehlt Wissen, Austausch oder Unterstützung? Was erwarten Einrichtungen von zukünftigen Fachkräften? Und wo könnte die Zusammenarbeit mit der Hochschule konkret helfen? Beide Professoren begleiteten die Gruppen durch Unterstützung von Bettina Koß und Ruka Berisha. Im abschließenden Plenum wurden die Ergebnisse gebündelt, gespiegelt und eingeordnet – verbunden mit einem transparenten Ausblick auf mögliche Anschlussformate.
Ergebnisse und Perspektiven
Der rege Austausch bestätigte den Bedarf eines solchen Formats – so das Resümee von Prof. Dr. Lasse Gundelach:
„Der Wunsch nach einer engeren Kooperation zwischen Hochschule und Praxis auf Basis von unterschiedlichen Austausch- und Qualifizierungsformaten wurde ebenso formuliert wie der Wunsch nach einer starken Praxisorientierung in der Ausbildung künftiger Fachkräfte.“
Themen wie Kinderschutz und Inklusion wurden als besonders relevante Inhalte für Studium und Weiterbildung hervorgehoben. Die interdisziplinäre Ausrichtung des Dialogs – die Verbindung von sozialpädagogischer und rechtlicher Perspektive – wurde von den Teilnehmenden als besonders wertvoll gelobt und rückgemeldet, da in der Kinder- und Jugendhilfe rechtliche Vorgaben und sozialpädagogisches Handeln eng ineinandergreifen.
Die Hochschule nimmt die gehörten Bedarfe konkret mit: in die ISPS-Seminare („Kinder- und Jugendhilfe in Beratungs-, Hilfe- und Krisenkontexten“), in Lehrveranstaltungen sowie in die Planung weiterer Formate. Folgetreffen sind für alle Beteiligten vorstellbar und werden in die Planung aufgenommen. Hinsichtlich konkreter Bedarfe (z.B. zu Kinderschutz, Inklusion) sind ergänzende Workshops oder Fortbildungsangebote perspektivisch angedacht.
Für beide Professoren steht am Ende der Veranstaltung fest:
Der erste Interdisziplinäre Aachener Praxis-Dialog Kinder- und Jugendhilfe hat gezeigt, wie fruchtbar und nötig der direkte Dialog zwischen Praxis und Hochschule ist. Er bildet eine wichtige Grundlage für eine vertiefte Zusammenarbeit mit der örtlichen, sozialen Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe – im Sinne der Fachkräfte, der Einrichtungen und der Kinder und Jugendlichen in Aachen und der Städteregion. Hier gibt es erhebliche Leerstellen, Bedarfe und gleichzeitig spannende Potentiale.
KONTAKT
Lasse Gundelach
Professor
Aachen, Sozialwesen
Prof. Dr. phil. Maik Sawatzki
Professor für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit; Schwerpunkte: Beratung und Jugendhilfe
Aachen, Sozialwesen