Kultur – Ästhetik – Medien: Neue DGSA-Fachgruppe unter Leitung von Marion Gerards
Die Fachgruppe, die aus dem langjährigen Bundesarbeitskreis „Kultur – Ästhetik – Medien“ (BAKÄM) hervorgegangen ist, setzt sich für die fachliche Verankerung und hochschulpolitische Sichtbarkeit ästhetischer Praxen in Kontexten Sozialer Arbeit in Studium, Forschung, Praxis und Transfer der Sozialen Arbeit ein.
Warum ist die Fachgruppe für das Studium der Sozialen Arbeit an der katho und anderen Hochschulen so wichtig?
Kulturelle Teilhabe ist ein Menschenrecht, und Soziale Arbeit hat den Auftrag, sie zu ermöglichen. Ästhetische Medien wie Theater, Musik, Bildende Kunst, Tanz, Literatur oder digitale Formate bieten ganzheitliche, sinnliche Zugänge zu Menschen in sozialen Problemlagen und eröffnen neue Wege des Empowerments, aber auch der Kultur-, Bildungs- oder Demokratie- und Inklusionsarbeit: So können inklusive Theatergruppen Räume für eigene ästhetische Erfahrungen und gesellschaftliche Sichtbarkeit ermöglichen; oder in Projekten zur Demokratiebildung kann mittels kreativer Ausdrucksformen die politische Partizipation gestärkt werden.
Doch trotz dieser zentralen Bedeutung droht dieses Lehrgebiet in Zeiten von Sparzwängen an Hochschulen an den Rand gedrängt zu werden, obwohl gerade hier innovative Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen wie Digitalisierung, demografischer Wandel oder Polarisierung entwickelt werden.
Lehrformate an der katho
An der katho sind ästhetische Ansätze bereits fest im Studium der Sozialen Arbeit verankert. Studierende am Standort Aachen setzen sich beispielsweise in inklusiven Theaterprojekten mit gesellschaftlicher Teilhabe auseinander, erkunden in Schreibwerkstätten literarische Zugänge zu Themen wie Sterben und Tod oder entwickeln in digitalen HipHop-Workshops kreative Ausdrucksformen. Auch der inklusive Chor „ChorSonant“ – ein gemeinsames Projekt mit dem Vinzenz-Heim in Aachen – zeigt, wie Musik Teilhabe ermöglicht.
Strukturelle Verankerung als Weichenstellung für die Zukunft
Die neue DGSA-Fachgruppe schafft eine institutionelle Plattform, um Lehre und Forschung zu ästhetischen Medien in der Sozialen Arbeit und Kulturellen Bildung zu bündeln und sichtbar zu machen oder um hochschulpolitisch gegen drohende Kürzungen zu argumentieren, indem sie die Relevanz kultureller Sozialer Arbeit für eine menschenrechtsbasierte Praxis betont.
An der konstituierenden Sitzung am 9. Februar 2026 nahmen 23 Gründungsmitglieder aus Hochschulen für angewandte Wissenschaften aus ganz Deutschland teil; dies macht deutlich: Die Fachgruppe versteht sich als Gegenentwurf zu einer ökonomisierten Hochschullandschaft, die kulturelle und ästhetische Bildung oft als ‚Luxus‘ abstempelt. Stattdessen betont Prof.in Dr.in Marion Gerards:
„Soziale Arbeit, die das Menschenrecht auf kulturelle Teilhabe und Teilgabe ernst nimmt, muss ihre eigenen kulturellen Dimensionen reflektieren – und das bedeutet auch, ästhetische Medien in Ausbildung und Praxis zu verankern.“
Im Rahmen der konstituierenden Sitzung wurde ein vierköpfiges Sprecher_innen-Team gewählt: Prof. Dr. Marion Gerards wird von Prof.in Dr.in Sara Hubrich (Hochschule Darmstadt), Prof.in Dr.in Stefanie Kiwi Menrath (Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg) und Prof. Dr. Bünyamin Werker (Hochschule Hannover) als Stellvertreter_innen unterstützt. Als Sprecher_innen-Team wollen sie Forschung, Lehre, Transfer und Praxis zur Sozialen Arbeit mit ästhetischen Medien eine größere disziplinäre Sichtbarkeit im wissenschaftlichen Diskurs und eine verstärkte hochschulpolitische Stimme verleihen.
Ein Aufruf an Studierende, Lehrende und Praktiker_innen
Die Fachgruppe lädt alle ein, die in Lehre, Forschung, Transfer oder Praxis mit ästhetischen Medien arbeiten – auch Nicht-Mitglieder der DGSA.
Kontakt: Interessierte können sich über die DGSA-Geschäftsstelle oder direkt an Prof.in Dr.in Marion Gerards wenden.
Prof. Dr. Marion Gerards
Professorin für Ästhetik und Kommunikation in der Sozialen Arbeit, Schwerpunkt Musik / Leiterin des Instituts für angewandte Bildungs- und Diversitätsforschung (IBuD) / MAV Aachen
Aachen, Sozialwesen