Midissage zu Empowerment-Ausstellungen: „Die größte Barriere war oft die Vorstellung anderer“
Im Rahmen der seit Mai in den Fluren der katho in Münster gezeigten Fotoausstellungen „Starke Geister“ und „Herzensangelegenheiten“ fand am 15. Juni 2026 eine beeindruckende Midissage statt. Mitarbeiter_innen und Studierende der katho sowie externe Gäste waren gekommen, um der Begleitveranstaltung zu den Ausstellungen beizuwohnen.
„Nichts über uns ohne uns“
Prof. Dr. Simon Baumann, der beide Ausstellungen für die katho gewinnen konnte, begrüßte die Gäste und führte mit einem Kurzvortrag in die Midissage ein. Dabei betonte er nicht nur den künstlerischen Wert der Fotos und begleitenden Texte, sondern hob auch die positive Wirkung (fotografischer) Kunst für Menschen mit Behinderungen hervor. Ganz im Sinne des Leitspruchs „Nichts über uns ohne uns“ konnten die Protagonist_innen der Ausstellung ihr eigenes Bild und ihre Botschaft selbst bestimmen und nach außen tragen: „Die Dynamik der Macht des Anstarrens, mit der die Gesellschaft Menschen mit Behinderung oft als Kuriosum objektifiziert, wird durch die Kunst umgekehrt – zu einer empowernden Kraft des selbstbestimmten Sich-Zeigens“, so Prof. Dr. Baumann.
Fotografin und Autorin arbeiten zusammen
Im Anschluss berichteten die beiden Künstlerinnen – Fotografin Ingrid Hagenhenrich und Autorin Iris Brandewiede – von ihrer Zusammenarbeit, den tragenden Werten ihrer Arbeit und ihrem wertschätzenden Umgang mit den Protagonist_innen. Sie zeigten sich beeindruckt vom „Universum der Menschen“, die sie durch ihre Arbeit ganz nah kennenlernen durften, und von der Stärke, mit der diese trotz aller Herausforderungen ins Erwachsensein starten.
Protagonist_innen berichten
Ein besonderer Höhepunkt waren Beiträge von drei Protagonist_innen der Fotoserien. Maike Meuthen berichtete von der Wichtigkeit zugewandter Personen, die empathisch im Leben unterstützen. Welat Ekingen teilte seine Erfahrungen: „Ich erinnere mich an ein Gefühl. Ein Gefühl, das mich mein ganzes Leben begleitet hat. Das Gefühl, anwesend zu sein, ohne wirklich gesehen zu werden.“ Aber: „Ich wollte nie eine Sonderrolle. Nie Mitleid. Nie Bewunderung. Ich wollte nur das, was für viele selbstverständlich ist: Die Möglichkeit, selbst zu zeigen, wer ich bin.“ Aus ihrem eigenen Buch rezitierte Selina Spetter ganz im Sinne seines Titels „Ich lasse mich nicht unterkriegen, solange Worte meine Wut besiegen“ ein bewegendes Gedicht, in dem sie die Herausforderungen im Leben mit FASD schildert. Sie endete mit dem wichtigen Appell: „Trink keinen Alkohol in der Schwangerschaft!“
Im Anschluss nutzten die Gäste gemeinsam mit den Künstlerinnen und Protagonist_innen die Gelegenheit, die Ausstellungen eingehend zu betrachten und bei Getränken und Snacks in intensiven Austausch zu treten.
Text und Kontakt: Prof. Dr. Simon Baumann
Fotos: Anja Mai
Die beiden Ausstellungen sind noch bis zum 17. Juli in den Fluren der katho zu sehen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sie zu besuchen.
Weitere INFORMATIONEN
KONTAKT
Prof. Dr. Simon Baumann
Professor für Heilpädagogik / Inklusive Pädagogik
Münster, Sozialwesen