Soziale Arbeit in Deutschlands größtem Nachbarland: Fachartikel zur Sozialen Arbeit in Frankreich erschienen
Der Beitrag thematisiert Fragen der Sozialen Arbeit in Frankreich, die dort als travail social bezeichnet wird, mit ihren begrifflichen und institutionellen Besonderheiten. Während diese Thematik im deutschsprachigen Diskurs bisher wenig Aufmerksamkeit findet, stützt sich die Untersuchung auf die jüngere französische Fachliteratur.
Der Begriff travail social bezeichnet dabei weniger eine einheitliche Profession oder akademische (Sub‑)Disziplin, sondern fungiert primär als Sammelbegriff für ein breites Spektrum sozialer Berufe, die zum größten Teil keine akademische Ausbildung voraussetzen. Daneben gibt es ein enger gefasstes Verständnis von travail social, das insbesondere vier Berufsgruppen fokussiert und damit dem deutschsprachigen Begriff der Sozialen Arbeit näherkommt. Dazu zählen Assistants de service social (Sozialfürsorger_innen), Éducateurs specialisés (Spezialpädagog_innen), Animateurs socioculturels (soziokulturelle Animateur_innen) sowie Conseillers en économie sociale et familiale (Berater_innen in Familien- und Haushaltsangelegenheiten).
Soziale Arbeit in Frankreich stark aufgegliedert
Diese Berufe setzen zumeist Abschlüsse auf Bachelorniveau voraus, werden jedoch nicht an Hochschulen, sondern an spezifischen Ausbildungszentren unterrichtet. Eine Diskussion um die Akademisierung der travail social ist jedoch im Gange. Der Blick auf Frankreich zeigt besonders deutlich, wie stark die Soziale Arbeit entlang nationaler Grenzen aufgegliedert ist. Der Beitrag von Marc Breuer plädiert dafür, nationale Unterschiede zu reflektieren, um dadurch erstens voneinander zu lernen und zweitens die internationalen Besonderheiten der Sozialen Arbeit empirisch zu untersuchen.
Der Aufsatz basiert auf einer Analyse der Fachliteratur. Dabei greift er auch auf Erkenntnisse zurück, die im Rahmen des Projektes „Selbstbeschreibungen der Sozialen Arbeit im deutsch-französischen Vergleich“ gewonnen wurden. Dieses Projekt wurde in den Jahren 2023/24 aus Eigenmitteln der katho gefördert. Zudem profitiert der Beitrag von dem Austausch mit Fachkolleg_innen und Studierenden an den französischen Partnerhochschulen der katho, mit dem Conservatoire national des arts et métiers (CNAM) in Paris und der Université Catholique de Lille sowie an der katho. Der Artikel ist daher ein Beispiel für eine Forschungsarbeit, die in engem Austausch mit der Lehre entstand.
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Prof. Dr. Marc Breuer
Professor für Soziologie
Paderborn, Sozialwesen