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| Aachen,

Digitale Veranstaltung „SPRACHE - MACHT - RASSISMUS“ stieß auf großes Interesse

Gemeinsam mit dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Aachen luden der Fachbereich Sozialwesen der katho in Aachen und das Transfernetzwerk Soziale Innovation – s_inn zur digitalen Veranstaltung „SPRACHE – MACHT – RASSISMUS“ ein.

Knapp 80 Teilnehmer_innen beteiligten sich an der digitalen Veranstaltung "SPRACHE - MACHT - RASSISMUS".

Die interessierten Teilnehmer_innen diskutierten intensiv mit den Referent_innen.

„Worte können sein wie winzige Arsendosen,
sie werden unbemerkt verschluckt,
sie scheinen keine Wirkung zu tun,
und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“

(Victor Klemperer 1947)


Zum zweiten Mal konnte Karin Jazra vom Innovation-Lab Aachen als Teil des Transfernetzwerks Soziale Innovation – s_inn im Rahmen der Reihe „Innovation durch Reflexion“ zahlreiche Teilnehmer_innen – es hatten sich insgesamt knapp 80 Personen eingeloggt – zur digitalen Veranstaltung „SPRACHE – MACHT – RASSISMUS“ begrüßen. Diese fand in Kooperation mit dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Aachen statt, deren Leiterin Sevim Doğan nach dem Grußwort des Dekans der Abteilung Aachen, Prof. Dr. Martin Spetsmann-Kunkel, in ihrer Ansprache auf die Notwendigkeit hinwies, sich mit Rassismus in seinen vielfältigen auch sprachlichen Ausprägungen in einer Migrationsgesellschaft professionell auseinander zu setzen.

In ihrer kurzen thematischen Einführung machte Prof. Dr. Marion Gerards, Gleichstellungsbeauftragte an der Abteilung Aachen, an Beispielen aus dem Hochschulalltag deutlich, wie stereotypisierende und kulturalisierende Begriffe oder Sprachformen die soziale Praxis beeinflussen und von welchen machtvollen Diskursen das Sprechen und Handeln in sozialen Kontexten beeinflusst werde. Denn mit diesen rassistisch aufgeladenen Bedeutungen werden Abwertungen, Diskriminierung, Ausbeutung, Ausschluss und Gewalt gegenüber nicht-weißen, nicht-‚westlichen‘ und nicht-‚christlichen‘ Menschen alltäglich legitimiert, so Prof. Dr. Gerards.

Dr. Jobst Paul, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS), setzte sich in seinem Vortrag vertiefend mit sprachlichen Formen der Herabsetzung und Ausgrenzung auseinander. Zunächst ging er auf die sozialpsychologischen Aspekte ein, um dann das Funktionieren der sprachlichen Technik zu analysieren, durch die illegitime Macht hergestellt werde. Eindrücklich arbeitete er heraus, dass sich in demagogischen Texten immer eine positiv beschriebene Wir-Gruppe („rational“, „zivilisiert“) herabsetzend über eine feindliche Sie-Gruppe äußere, die als „schlecht“, „nicht-zivilisiert“, „wild" usw. charakterisiert werde. Dr. Paul verwies auf die moralphilosophische und moraltheologische Tradition, die diese Wir- versus Sie-Geschichte, die Gut- versus Böse-Geschichte seit vielen Jahrhunderten erzähle: „Das nötigt zu der sehr dramatischen Feststellung, dass dehumanisierende Sprache nicht von der polemischen Tradition westlicher und christlicher Argumente abweicht, sondern aus dieser Tradition hervorgeht.“

Diskriminierung im Alltag

Anschließend setzte sich Tina Adomako, Promotorin im Eine Welt Netz NRW und ehemaliges Vorstandsmitglied der neuen deutschen Medienmacher_innen (NDM), in ihrem Vortrag über die „Macht der Worte. Sprache in der Migrationsgesellschaft“ mit dem alltäglichen und medialen diskriminierenden Sprachgebrauch auseinander, der sich in Schimpfwörtern oder in rassistischen oder antisemitischen Witzen direkt und explizit zeige, der aber auch subtil passiere, indem Personengruppen systematisch nicht erwähnt würden oder indem von ihnen nicht wie von Personen, sondern von ‚Objekten‘ gesprochen werde.

In der anschließenden Podiumsdiskussion konnte der durch die Veranstaltung führende Moderator Serge Palasie, Afrikanist und Fachpromoter für Flucht, Migration und Entwicklung beim Eine Welt Netz NRW, zwei weitere Diskutantinnen begrüßen, die in ihren Inputs Einblicke gaben, welche Bedeutung rassistisches Sprechen in ihren Arbeitsfeldern besitzt. Zunächst berichtete Emilene Wopana Mudimu, Sozialpädagogin und Leiterin des Jugend- und Kulturzentrums KingzCorner e.V., von ihren Erfahrungen und legte dann einen Schwerpunkt darauf, dass gerade auch HipHop seine empowernde Wirkung für diejenigen Jugendlichen entfalten könne, die in ihrem Alltag Diskriminierungserfahrungen machten und sich beispielsweise mit diesen in ihren Songs sprachlich auseinandersetzten. Susanne Bücken, Rassismusforscherin und Geschäftsführerin des Beratungs- und Begegnungszentrum für Geflüchtete Café Zuflucht Aachen, thematisierte in ihrem Input sprachliche Diskriminierungen, die Menschen im Rahmen ihres Asylverfahrens in Ämtern machten und die den Diskurs um Flucht und Migration prägen. Zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum drehten sich um weitere Erfahrungen rassistischen Sprechens, aber auch um Fragen des korrekten, nämlich rassismuskritischen Sprachgebrauchs, um Fragen nach den (sozial-)pädagogischen Konsequenzen, die sich für Professionelle in sozialen und pädagogischen Handlungsfeldern ergeben, und um Fragen, wie jede_r im eigenen Alltag aufgefordert ist, sich rassismuskritisch zu positionieren – auch und gerade in Bezug auf herabsetzende Sprache. Nach Abschluss der Podiumsdiskussion wurde diese Diskussion an digitalen Stehtischen mit den Referent_innen und interessierten Teilnehmer_innen noch in kleineren Gruppen intensiv fortgeführt. Weitere Informationen entnehmen Sie dem Flyer


Kontakt zur Stadt Aachen

John Mukiibi

Kommunales Integrationszentrum der Stadt Aachen
John.Mukiibi(at)mail.aachen.de

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Kontakt zur katho

Prof. Dr., Dipl.-Sozialpädagogin Marion Gerards

Professorin für Ästhetik und Kommunikation in der Sozialen Arbeit, Schwerpunkt Musik / Gleichstellungsbeauftragte Abteilung Aachen / Leiterin des Instituts für angewandte Bildungs- und Diversitätsforschung

Aachen, Sozialwesen

Karin Jazra

Forschungsreferentin für Soziale Innovation

Aachen, Transfernetzwerk

Institut für angewandte Bildungs- und Diversitätsforschung Soziales Aachen Nachbericht
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