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Von der katho nach Kochi: Interkultureller Austausch ans St. Albert’s College in Indien

Vom 7. bis zum 20. Mai 2026 nahmen acht katho-Studierende aller Standorte an einem interkulturellen Austausch in Kochi in Indien teil. Sie studieren Soziale Arbeit (Bachelor), Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit (Master) und Angewandte Hebammenwissenschaft. Am St. Albert’s College lernten sie Studierende, Lehrende, soziale Projekte und kulturelle Orte kennen.

Die Austauschstudierenden bei einem Fußballturnier. Weitere Fotos unten in der Bildergalerie.

„Die zwei Wochen in Indien waren intensiv, laut, bunt und voller neuer Eindrücke. Besonders spannend war für uns, dass der Austausch zwischen deutschen, indischen Studierenden und vietnamesischen Studierenden stattfand. Somit entstand ein dreifacher kultureller Austausch, der für uns durch die unterschiedlichen Lebensrealitäten noch vielseitiger wurde.

Warum Indien?

Schon vor der Reise waren wir sehr an Indien interessiert. Gereizt hat uns, in eine Kultur einzutauchen, die sich deutlich von unserer unterscheidet. Gleichzeitig wollten wir verstehen, wie Soziale Arbeit und die Hebammenarbeit in einem anderen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Kontext gedacht und umgesetzt werden.

Im Studium beschäftigen wir uns viel mit der Frage, wie soziale Prozesse, Organisationen und professionelle Haltungen weiterentwickelt werden können. Der Austausch nach Indien bot uns die Möglichkeit, diese Fragen theoretisch zu betrachten und direkt vor Ort neue Eindrücke zu sammeln. Äußerst wertvoll war der Austausch mit indischen Masterstudierenden und zu sehen, welche Themen sie beschäftigen und welche Vorstellungen sie von Sozialer Arbeit haben.

Ankommen in Kochi: Klima, Geräusche, Alltag

Unser erster Eindruck von Kochi war laut, warm und lebendig. Der Verkehr, die Geräusche, das Klima und die vielen neuen Eindrücke waren überwältigend. Gleichzeitig fühlte es sich schön an, dort anzukommen und sich auf etwas ganz Neues einzulassen.

Wir erlebten während unseres Aufenthaltes den Übergang von der heißen Jahreszeit zur Monsunzeit. Das Klima war teilweise herausfordernd, aber auch ein prägender Teil der Erfahrung. Indien wird in Büchern, Bildern oder Erzählungen ganz anders dargestellt als es wirklich ist.

Studium & Praxis: Soziale Arbeit, Entrepreneurship und Projekte vor Ort

Am St. Albert’s College hatten wir die Möglichkeit, an verschiedenen fachlichen Einheiten teilzunehmen und Einblicke in unterschiedliche Themenbereiche zu bekommen. Dabei ging es neben der Sozialen Arbeit auch um angrenzende Themen wie Entrepreneurship und Aquaponik. Diese Vielfalt war spannend, weil deutlich wurde, dass soziale Entwicklung, Nachhaltigkeit, Bildung und Innovation eng miteinander verbunden sein können.

Besonders in Erinnerung geblieben ist uns der Besuch einer NGO, die Frauen aus benachteiligten Lebenslagen unterstützt. Dort wurde für uns deutlich, wie konkret Soziale Arbeit wirken kann: nicht nur durch Beratung oder Begleitung, sondern auch dadurch, Menschen neue Möglichkeiten zu eröffnen, selbstständiger zu werden und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Fachlich haben wir mitgenommen, dass Soziale Arbeit je nach Land, Strukturen und gesellschaftlichem Kontext unterschiedlich ausgestaltet wird. Gleichzeitig zeigte sich für uns aber auch eine Gemeinsamkeit: Es geht um Menschenwürde, Teilhabe und darum, Menschen in ihren Lebenslagen ernst zu nehmen und zu unterstützen.

Begegnungen, Kultur und gemeinsame Erlebnisse

Nachhaltig geprägt haben uns die Begegnungen mit den indischen Studierenden und Lehrenden. Sie haben uns herzlich aufgenommen, begleitet und unterstützt. Der Kontakt war offen, interessiert und sehr schön. Dadurch entstanden fachliche Gespräche, aber vor allem persönliche Begegnungen und Freundschaften.

Durch das vom St. Albert’s College organisierte Programm wurde der Austausch zu einem besonderen Erlebnis. Wir nahmen unter anderem an Fußball-, Basketball-, Badmintonturnieren und Karaoke-Abenden teil und hatten gemeinsame Tanzmomente. Die Energie mit den Buddys war richtig schön und hat dazu beigetragen, dass wir uns schnell willkommen gefühlt haben.

Beim gemeinsamen Kochabend bereitete jede Gruppe etwas Traditionelles zu. So entstand eine große Auswahl an unterschiedlichen Gerichten, die wir anschließend gemeinsam aßen. Gerade dieser Abend zeigte, wie sehr Essen verbinden kann. Menschen kommen ins Gespräch, probieren Neues aus und lernen Kultur noch einmal aus einem anderen Blickwinkel kennen.

Neben dem fachlichen Programm sammelten wir auch viele kulturelle und touristische Eindrücke. Wir besuchten Fort Kochi, das historische jüdische Viertel, Tempel, Kirchen und vieles mehr. Besonders positiv fiel uns die religiöse und kulturelle Vielfalt in Kochi auf. Wir sahen traditionelle Aufführungen wie Kathakali, lernten die chinesischen Fischernetze kennen und erhielten durch eine Kerala Sadya, ein traditionelles Essen auf dem Bananenblatt, einen kulinarischen Einblick in Kerala. Eine Kajakfahrt bei Kochi war für uns ein wunderschönes Erlebnis, weil wir dabei auch der ruhigeren und landschaftlich beeindruckenden Seite Indiens begegneten.

Diese Mischung aus fachlichem Austausch, kulturellen Eindrücken und gemeinsamen Erlebnissen hat die Reise für uns einzigartig gemacht. Indien war nicht nur laut, intensiv und bunt, sondern auch herzlich, offen und voller Begegnungen.

Was wir aus Indien mitnehmen: Erkenntnisse für Studium und Praxis

Persönlich bleiben uns vor allem die Begegnungen, entstandene Freundschaften und viele intensive Eindrücke in Erinnerung. Fachlich nehmen wir mit, dass Soziale Arbeit überall anders aussehen kann, aber häufig aus ähnlichen Grundhaltungen entsteht.

Der Austausch hat unseren Blick auf Soziale Arbeit erweitert. Wir haben gelernt, dass professionelle Konzepte nicht einfach von einem Land auf ein anderes übertragen werden können, sondern der Kontext wichtig ist: Kultur, Geschichte, soziale Ungleichheit, Ressourcen, Institutionen und Lebensrealitäten der Menschen. Internationale Begegnungen bieten eine große Chance, die eigene Haltung zu reflektieren und neue Ideen für die eigene Praxis zu entwickeln.

Allen Studierenden, die überlegen, an einem solchen Austausch teilzunehmen, würden wir sagen: Macht es auf jeden Fall! Es ist eine intensive, herausfordernde und unglaublich bereichernde Erfahrung. Man lernt tolle Menschen kennen, sammelt neue fachliche und persönliche Eindrücke und erlebt ein Land auf eine Weise, die bei einer rein touristischen Reise kaum möglich wäre.“

Text: Ramona Röder & Barbara Bongartz
 

Hintergrundinfo: 
Stipendium, Schwerpunktpartnerschaft und Organisation der Kochi‑Reise

Vier der Studierenden konnte die Reise nach Kochi über ein Stipendium im Rahmen einer Schwerpunktpartnerschaft ermöglicht werden. Die Schwerpunktpartnerschaft für Indien leitet Prof.in Dr.in Grit Höppner, über die die Flüge finanziert werden konnten. Den Auswahlprozess von über 50 Bewerbungen sowie die Organisation der Flüge übernahm Lisa Jungkamp, Leiterin des International Office.
 

Selfie einer Gruppe von 14 Erwachsenen auf einer Uferpromenade; alle lächeln in die Kamera, links ist Wasser sichtbar. Ausflug in die Backwaters.
Zwei Personen in Kajaks auf ruhigem Wasser; Palmen und bewölkter Himmel im Hintergrund. Lilian und Ramona während einer Kajakfahrt bei Kochi.
Elf Personen posieren in einem reich dekorierten Innenraum mit vielen Kronleuchtern; sie stehen auf einem blau-weißen Musterteppich vor einer vergoldeten, ornamentalen Einrichtung. Die katho-Studierenden (von hinten nach vorne und links nach rechts): Janosch Jördens (Köln), Sơn Hoàng (Vietnam), Ramona Röder (Köln), Maxine Phillip Nazarevych (Münster), Ankit Kumar (Französisch-Dozent/St. Albert’s College), Babara Bongartz (Köln), Lilian Sophie Struck (Paderborn), Charlotte Esemann (etwas versteckt aus Aachen), Jill Sophie Braun und Marie Stahl (Paderborn) und Somu Sivaji (Student Soziale Arbeit/St. Albert’s College).
Kerala Sadya: Weiße Reisportion und zahlreiche kleine vegetarische Beilagen auf einem großen Bananenblatt; daneben eine Banane, ein Glas Wasser und eine Tasse. Kerala Sadya, ein traditionelles vegetarisches Gericht, das auf dem Bananenblatt serviert wird und aus dem südindischen Bundesstaat Kerala stammt.
Gruppenfoto in einem Saal: 19 Personen in einer Reihe vor einer grünen Wand mit Wappen; vorne steht eine große traditionelle Messinglampe, einige tragen Sarees. Besuch einer traditionellen Tanzaufführung (Thiruvathira) der indischen Studentinnen.
Mehrere Personen liegen entspannt auf Yogamatten in einem großen, hellen Saal; Stühle sind an den Wänden aufgestellt. Jeder Tag startete morgens um 6:30 Uhr mit einer Yogastunde.
Selfie mehrerer lächelnder Stadionbesucher; im Hintergrund viele Zuschauer, viele tragen gelbe Fußball-Fantrikots. Nach dem Fußballspiel gegen Mohammedan SC lernten die Studierenden sogar zwei Spieler des Kerala Basters FC kennen: CK Vineeth (vorne links) und Mohammed Rafi (vorne rechts).
Chinesische Fischernetze an hölzernen Gestellen über dem Meer; glitzerndes Wasser und wolkiger, leicht bewölkter Himmel im Hintergrund. Chinesische Fischernetze in Kochi.
Person in traditioneller, reich verzierter Tanz- oder Zeremonienkleidung mit großem kunstvollem Kopfschmuck und bemaltem Gesicht, posiert mit ausgebreiteten Armen vor dunklem Hintergrund. Traditioneller Kathakali-Tänzer.
Prof. Dr. Grit Höppner

Kontakt Schwerpunktpartnerschaft Indien

Prof. Dr. Grit Höppner

Gleichstellungsbeauftragte

Münster, Sozialwesen

Lisa Jungkamp

Lisa Jungkamp

Leitung International Office

Köln, Dezernat VI - Akademische Angelegenheiten

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