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FluDiKuBi − Flucht − Diversität − Kulturelle Bildung

Rassismuskritische und diversitätssensible Diskursanalyse kultureller Bildung im Kontext von Flucht und Migration

Projektsteckbrief

Projektsteckbrief
Status abgeschlossen
Laufzeit 01.11.2016 – 30.06.2020
Themengebiete Diversität, Flucht, Migration, Rassismus
Standort Aachen
Institute Institut für angewandte Bildungs- und Diversitätsforschung

Projektbeschreibung

Das zentrale Ziel des Forschungsprojektes war es, den Diskurs der Kulturellen Bildung im Hinblick auf offene und verdeckte diskriminierende, exkludierende und rassistische Tendenzen, Wissensordnungen und Deutungsmuster zu analysieren. Den zentralen Untersuchungsgegenstand bildeten Anträge der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Programme zur Kulturellen Bildung „Kultur macht stark“ (KMS) und „Kultur macht stark plus“ (KMS+). Diese Programme gelten als die größten Förderprogramme zur Kulturellen Bildung im deutschsprachigen Raum und richten sich gezielt an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche. Im Forschungsprozess wurden 1.270 Anträge aus insgesamt ca. 14.000 KMS/KMS+-Anträgen als relevantes Diskursmaterial ausgewählt und in einem mehrstufigen diskursanalytischen Forschungsprozess unterzogen.

Drei zentrale Deutungsmuster wurden für den Diskurs der Kulturellen Bildung festgestellt:

  1. Kulturelle Bildung als Integrationsmaßnahme: Integration stellt sich im untersuchten Material vor allem als eine monodirektionale Anpassungsanforderung dar, mit der ambivalente Ansprüche an Menschen mit Fluchterfahrungen formuliert werden. Integration wird dabei fast durchgängig nicht als gleichberechtigter Prozess der Aushandlung zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft (Integration als Gesellschaft oder Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe), sondern als ein Prozess der Assimilation verstanden, durch den die Eingliederung der ‚Anderen‘ in die ‚aufnehmende Gesellschaft‘ (Integration in die Gesellschaft oder Integration als Anpassungsleistung und Aufgabe der Menschen mit Fluchterfahrung) gelingen soll. Der Kulturellen Bildung wird hierbei eine zentrale Funktion und Bedeutung als Integrationsinstrument zugeschrieben.
  2. Kulturelle Bildung als Prozess des Othering: Im hegemonialen Diskurs Kultureller Bildung verdichtet sich deutlich eine Spaltung zwischen einer hegemonialen ‚Wir-Kultur‘ und den ‚Herkunftskulturen‘ der ‚Anderen‘, der ‚Geflüchteten‘. Dieses diskursive Othering wird insbesondere über ein statisches und geschlossenes Kulturverständnis wirksam. Die kulturelle Differenzierung wird hierbei durch stereotypisierende Sprechweisen naturalisiert, fixiert und normalisiert. Hierbei verdichten sich Konstruktionen und Repräsentationen der ‚Kulturen der Anderen‘ (z.B. der Herkunftsländer der Menschen mit Fluchterfahrung) als rückständig, intolerant und patriarchalisch.
  3. Kulturelle Bildung als Prozess der Paternalisierung: Kennzeichnend für die vielfältigen Varianten paternalistischer Sprechweisen und einem entmündigenden Paternalismus ist ein Duktus der Viktimisierung, Infantilisierung und Klientifizierung. Menschen mit Fluchterfahrung werden in dem untersuchten Diskurs weitaus weniger als souverän und handlungsfähig, sondern vielmehr als hilfs- und förderbedürftig sowie als unmündige Subjekte konstruiert und positioniert. Weiterhin verdichten sich diagnostizierende Sprechweisen zu Traumatisierungen, und insgesamt dominieren defizitäre Perspektiven auf Menschen mit Fluchterfahrung.

Auf der Basis der Forschungsergebnisse wurden zentrale Handlungsempfehlungen für die Bildungs-, Forschungs- und Förderpraxis der Kulturellen Bildung abgeleitet. Konkret berät das Forschungsteam zurzeit das BMBF im Hinblick auf eine stärkere diversitäts- und rassismussensible Ausrichtung der ab 2023 anstehenden dritten Förderphase von „Kultur macht stark“.

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Prof. Dr., Dipl.-Sozialpädagogin Marion Gerards

Professorin für Ästhetik und Kommunikation in der Sozialen Arbeit, Schwerpunkt Musik / Gleichstellungsbeauftragte Abteilung Aachen / Leiterin des Instituts für angewandte Bildungs- und Diversitätsforschung Aachen, Sozialwesen
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Prof. Dr. Norbert Frieters-Reermann

Professor für Bildungs- und Erziehungswissenschaften Aachen, Sozialwesen

Julia Maria Breidung

Referentin des Zentrums für Antisemitismus- und Rassismusforschung (CARS) Aachen, Sozialwesen

Wael Baitamani

w.baitamani(at)katho-nrw.de

Susanne Bücken

s.buecken(at)katho-nrw.de

Simone Hieronymus

s.hieronymus(at)katho-nrw.de

Johanna Meiers

 j.meiers(at)katho-nrw.de

Open Access Beiträge

Bücken, Susanne / Frieters-Reermann, Norbert / Gerards, Marion / Meiers, Johanna / Schütter, Lena (2018): Flucht - Diversität - Kulturelle Bildung. Eine rassismuskritische und diversitätssensible Diskursanalyse kultureller Bildungsangebote im Kontext Flucht. Ein Werkstattgespräch über einen laufenden Forschungsprozess. In: Zeitschrift für Internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik, 41. Jg., 44/2018, S. 30 - 34. (https://www.waxmann.com/index.php?eID=download&id_artikel=ART102617&uid=frei

Bücken, Susanne/Gerards, Marion/Meiers, Johanna (2018): Kulturelle Bildung als hegemonialer Diskurs. Ergebnisse einer rassismuskritisch positionierten Forschung. Schriftliche Fassung zum Vortrag bei der Abschlusstagung des BMBF Förderschwerpunkts „Forschungsvorhaben zur kulturellen Bildung“, 7.-9.10.2019 in Berlin.

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