Abschlussfachtagung der Vertiefungsspur ASD an der EvH Bochum
Unter dem Titel „Jugendamt der Zukunft: Mut zur Veränderung?“ richtete die Veranstaltung den Blick auf aktuelle Herausforderungen, notwendige Rahmenbedingungen und konkrete Perspektiven für die Weiterentwicklung der Jugendämter. Im Mittelpunkt stand der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) als Herzstück der Arbeit im Jugendamt. Seine Fachkräfte beraten und unterstützen Heranwachsende und Familien, gestalten Hilfen und übernehmen Verantwortung im Kinderschutz. Damit bewegen sie sich in einem anspruchsvollen Arbeitsfeld, das durch steigende fachliche Anforderungen, komplexe Lebenslagen und strukturelle Veränderungen geprägt ist.
Austausch über Erfahrungen im Qualifizierungsprogramm
Bereits am Vorabend der Fachtagung kamen Studierende aller beteiligten Hochschulen mit dem Projektteam zu einem lockeren Abendprogramm zusammen. Diese Begegnung bot Interessierten die Gelegenheit, sich kennenzulernen, Erfahrungen aus der Qualifizierungsmöglichkeit ‚Vertiefungsspur ASD‘ zu teilen und sich über berufliche Perspektiven im Arbeitsfeld des ASD auszutauschen.
Die Fachtagung selbst ermöglichte einen lebendigen Austausch unterschiedlicher Akteur_innen aus Wissenschaft, Praxis und Politik. Nach fachlichen Impulsen vertieften die Teilnehmenden zentrale Zukunftsfragen des ASD in Workshops und einer abschließenden Podiumsdiskussion. Studierende brachten ihre Erwartungen an das Berufsfeld ein, Fach- und Leitungskräfte berichteten aus ihrer Praxis, während Vertreter_innen aus Wissenschaft und Politik den Diskurs um fachliche und strukturelle Perspektiven ergänzten.
Workshops zu Kinderschutz, Inklusion und kommunale Vernetzung
Die katho war neben den Projektteams der beiden Standorte Aachen und Münster und einigen Projektpartner_innen aus den Jugendämtern der Modellregionen mit rund 30 Studierenden auf der Abschlusstagung vertreten. Sie brachte zudem ihre Expertise in drei Workshops in die Fachtagung ein. Im Workshop „§ 8a SGB VIII in der Praxis: Kinderschutz für Kinder mit Behinderungen“ von Prof.in Dr.in Judith Haase (katho Standort Münster), Ingo Borgers (Jugendamt Stadt Bocholt) und Isabelle Rusche (Jugendamt Kreis Borken) standen die besonderen Herausforderungen beim Schutz von Kindern mit Behinderungen sowie die Anforderungen an Verfahren nach § 8a SGB VIII im Mittelpunkt. Anhand praxisnaher Fallbeispiele wurden mögliche Gefährdungseinschätzungen und daraus resultierende fachliche, rechtliche und praktische Handlungsschritte diskutiert.
In einem zweiten Workshop referierte Stefan Pietsch (Jugendamt Stadt Eschweiler) am Beispiel der Eingliederungshilfe des Jugendamtes der Stadt Eschweiler, inwiefern der Inklusionsauftrag des ASD unlängst keine Ausnahme, sondern inzwischen eine Standardleistung darstellt. Der dritte Workshop „Vernetzt statt verstrickt: Kommunale Kooperation als Motor für ein inklusives Jugendamt“ von Nadine Faber-Strauch (katho Standort Aachen) widmete sich der Bedeutung von Kooperation und Vernetzung für die Umsetzung der inklusiven SGB-VIII-Reform. Im Fokus stand die Frage, wie durch verbindliche Zusammenarbeit bestehende Zuständigkeitsgrenzen überwunden und tragfähige Strukturen für ein inklusives Jugendamt geschaffen werden können.
Erfolgreicher Abschluss der ersten Projektphase
Die Fachtagung markierte den erfolgreichen Abschluss der ersten Projektphase des vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Projektes ‚Vertiefungsspur ASD‘. Bislang nutzen mehr als 360 Studierende der EvH Bochum, der FH Münster sowie der katho an den Standorten Aachen und Münster diese Qualifizierungsmöglichkeit im Rahmen des Bachelorstudiums Soziale Arbeit. Erste Absolvent_innen haben das Qualifizierungsprofil bereits erworben und damit vertiefende Einblicke sowie differenziertes Wissen zur ASD-Arbeit gewonnen. Einige von ihnen sind mittlerweile auch in Jugendämtern der beteiligten Regionen tätig.
Das Projekt "Vertiefungsspur ASD" wird vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes NRW gefördert.
KONTAKT
Prof. Dr. Dominik Farrenberg
Prodekan II / Studiengangsleitung Bachelor Soziale Arbeit; Professur für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit, Schwerpunkt: Sozialpädagogische Zugänge
Aachen, Sozialwesen
Prof. Dr. Judith Haase
Beauftragte für den Bereich Praxis & Supervision (Soz. Arbeit) / Representative for the area of practice & supervision (social work)
Münster, Sozialwesen