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Starke Kinder für eine starke Gesellschaft: DISuP und foki belegen hohe entwicklungsbezogene Potentiale frühkindlicher Prävention

Frühkindliche Prävention wirkt – und sie kann nachhaltig wirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine mehrjährige wissenschaftliche Studie der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho). Die Evaluation des Präventionsprogramms „Starke Kinder – gute Freunde“ zeigt, dass präventive Bildungsangebote in Kindertageseinrichtungen die sozialen, emotionalen und gesundheitlichen Lebenskompetenzen von Kindern wirksam stärken können.

Prof. Dr. Thorsten Köhler und Prof. Dr. Michael Obermaier bei der Ergebnispräsentation

Im Vordergrund: Peter Heider (Stiftungsvorstand FREUNDE München); Heribert Holzinger (Leiter Koordinierungsstelle FREUNDE, Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Bayern e.V.)

Podiumsdiskussion mit Diana Kleinbauer-Nau (Landesstelle FREUNDE Südwest), einer regionalen Praxisvertreterin von Kita & OGS), Prof. Dr. Michael Obermaier (foki), Prof.in Dr.in Charis Förster (Vizepräsidentin für Forschung, Wissens- und Technologietransfer) und Prof. Dr. Volker Linneweber (Moderation; Universitätspräsident i.R. htw saar).

Materialtisch des Programms „Starke Kinder – gute Freunde“

Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Abschlussveranstaltung 26. Februar 2026 an der htw Saar in Saarbrücken vorgestellt. Die Untersuchung wurde von einem Forschungsteam der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen unter Leitung von Prof. Dr. Thorsten Köhler (Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung – DISuP) und Prof. Dr. Michael Obermaier (Institut für Forschung und Transfer in Kindheit und Familie – foki) durchgeführt.

Strukturelle Voraussetzungen und Finanzierung des Forschungsprojekts

Die wissenschaftliche Evaluation wurde im Zeitraum 2021 bis 2025 durchgeführt und durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag und mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen gemäß § 20a SGB V gefördert. Herausgeber des Abschlussberichts ist der GKV-Spitzenverband, der zentrale Aufgaben der gesetzlichen Krankenversicherung im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention wahrnimmt. 

Die Umsetzung des Programms im Saarland wurde zusätzlich durch das GKV-Bündnis für Gesundheit sowie mehrere Rotary Clubs unterstützt. Insgesamt standen Fördermittel in Höhe von rund 238.300 Euro zur Verfügung. Diese ermöglichten neben der Implementierung des Präventionsprogramms und die Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Programms. 

Methodisch wurde die Studie als mehrjähriges Mixed-Methods-Forschungsprojekt angelegt. Qualitative Interviews, Fokusgruppen sowie quantitative Onlinebefragungen und abschließende Audits wurden zu mehreren Messzeitpunkten miteinander kombiniert, um sowohl die Umsetzung des Programms als auch Veränderungen der pädagogischen Praxis empirisch zu analysieren. Insgesamt konnten 17 Kindertageseinrichtungen über mehrere Projektphasen hinweg wissenschaftlich begleitet werden.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Prävention im frühen Kindesalter

Aktuelle epidemiologische Studien zeigen, dass psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen in der erwachsenen Bevölkerung weit verbreitet sind und damit auch erhebliche Risiken für Kinder entstehen können. 

„Aus epidemiologischer Perspektive wissen wir, dass familiäre Belastungslagen ein erhebliches Risiko für die Entwicklung von Kindern darstellen“, erläutert Prof. Dr. Thorsten Köhler. „Gerade deshalb sind präventive Programme im frühen Kindesalter von zentraler Bedeutung. Wenn Lebenskompetenzen früh gestärkt werden, lassen sich langfristig gesundheitliche Risiken deutlich reduzieren.“

Das seit 25 Jahren bestehende und in Deutschland und Österreich wirksame Programm „Starke Kinder – gute Freunde“ orientiert sich am international etablierten Konzept der Lebenskompetenzförderung („Life Skills“) der Weltgesundheitsorganisation. Ziel ist es, Kinder in ihrer emotionalen Selbstregulation, in sozialen Kompetenzen sowie in ihrem Selbstwirksamkeitserleben zu stärken. 

Zentrale Ergebnisse der Evaluation

Die erstmalig in dieser Tiefe durchgeführten wissenschaftlichen Analyse zeigt, dass das universalpräventive Programm in den beteiligten Einrichtungen eine hohe präventive Praxisrelevanz entfaltet und nahezu voraussetzungslos in Kitas jeglicher konzeptioneller Ausrichtung skalierbar ist.

Pädagogische Fachkräfte berichten insbesondere von

  • einer gestärkten professionellen Handlungskompetenz im Umgang mit emotionalen und sozialen Herausforderungen,
  • einer verbesserten Integration präventiver Bildungsangebote in den Kita-Alltag,
  • sowie erweiterten Möglichkeiten zur Beteiligung der Kinder. 

Kinder profitieren nach Einschätzung der Fachkräfte vor allem durch

  • stärkere emotionale Selbstregulation,
  • verbesserte soziale Kompetenzen und Konfliktlösungsstrategien,
  • sowie durch Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Partizipation.

„Kindertageseinrichtungen sind zentrale Orte gesellschaftlicher Teilhabe, Demokratiebildung und Chancengerechtigkeit“, betont Prof. Dr. Michael Obermaier. „Programme wie ‚Starke Kinder – gute Freunde‘ zeigen, dass präventive Bildungsarbeit nicht nur individuelle Kompetenzen stärkt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung von Kinderrechten leisten kann – insbesondere zum Recht auf Beteiligung, Schutz und gesundes Aufwachsen – und so präventiven Kinderschutz in die Fläche bringt.“

Die umfänglichen formativen Ergebnisse und finalen Handlungsempfehlungen dienten dabei als eine zentrale Quelle für die komplette Revision des FREUNDE-Programms, das ab 2026 das bisherige Programm fortschreibt.

Prävention als gesellschaftliche Zukunftsinvestition

Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass frühkindliche Prävention eine zentrale Rolle für die Zukunft von Bildung, Gesundheit und sozialer Teilhabe spielt.

„Kinder wachsen heute in einer Lebenswelt auf, die von Unsicherheiten und vielfältigen Anforderungen geprägt ist“, so Obermaier. „Die Stärkung von Resilienz, Lebenskompetenzen und Beteiligungsmöglichkeiten und somit die Realisierung der Kinderrechte sowie der 17 Nachhaltigkeitsziele der UNESCO ist daher eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe.“

 

Seit 2019 Interdisziplinäre Zusammenarbeit von DISuP und foki

Die wissenschaftliche Evaluation wurde in enger Kooperation zweier Forschungseinrichtungen der katho durchgeführt:

In dieser seit 2019 institutionalisierten Zusammenarbeit werden gesundheitssoziologische und präventionswissenschaftliche Perspektiven mit kindheitspädagogischer Bildungsforschung verbunden und in zahlreichen Forschungsprojekten realisiert, so etwa im Rahmen der Kinderfreundlichen Kommune Köln, mehreren Bestandaufnahmen für die BZgA, der bundeweiten Evaluation der „Hilfen im Netz“ oder der seit 2023 in untersuchten kommunalen Cannabisprävention und -intervention im Raum Köln.

„Die Verbindung von epidemiologischer Präventionsforschung und kindheitspädagogischer Bildungsforschung eröffnet neue Möglichkeiten für evidenzbasierte Präventionsstrategien in Verbindung mit kommunalen Monitoring und Qualitätsentwicklung“, betont Köhler. „Gerade in der interdisziplinären Zusammenarbeit lassen sich komplexe gesellschaftliche Herausforderungen angemessen analysieren.“

Prävention als gemeinsame Verantwortung

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass frühkindliche Präventionsprogramme einen wichtigen Beitrag leisten können, um Kinder in ihrer Entwicklung zu stärken und langfristig gesellschaftliche Gesundheitsrisiken zu reduzieren.

Damit unterstreicht die Forschung zugleich die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen, Gesundheitsförderung, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft, um Kindern ein gesundes und selbstbestimmtes Aufwachsen zu ermöglichen.

Alle Bildrechte bei Freunde Südwest

Kontakt

Prof. Dr. Thorsten Köhler

Professor für Sozialwissenschaft

Köln, Sozialwesen

Prof. Dr. Michael Obermaier

Prof. Dr. Michael Obermaier

Professor für Erziehungswissenschaft / Leiter Institut für Forschung und Transfer in Kindheit und Familie (foki)

Köln, Sozialwesen

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