Studienreise nach Tirana: Bildung, Kunst und Kultur im gesellschaftlichen Transformationsprozess
Im Mittelpunkt dieser Exkursion, die dank zentraler QVM-Mittel der katho möglich war, standen Fragen nach kultureller Identität, Erinnerungskultur und urbaner Entwicklung sowie die Rolle von Bildungs- und Sozialer Arbeit in einer postsozialistischen Gesellschaft auf dem Weg in die Europäische Union.
Stadtentwicklung und religiöse Vielfalt
Bereits zu Beginn der Woche erhielten die Teilnehmenden bei zwei Stadtführungen mit dem Literaturwissenschaftler Dr. Martin Mato Einblicke in die kulturelle Stadtentwicklung Tiranas sowie in die religiöse Vielfalt des Landes. In der Deutschen Botschaft führte die Gruppe ein Gespräch mit dem Leiter des Kultur- und Pressereferats. Thematisiert wurden unter anderem die deutsch-albanischen Beziehungen, Fragen zu Migration und zu kulturellen Kooperationen sowie Perspektiven Albaniens im europäischen Kontext.
Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit
Besonders eindrücklich war der Besuch des Museums Bunk’Art. Die Ausstellung setzt sich mit der kommunistischen Vergangenheit Albaniens und den Auswirkungen staatlicher Überwachung auseinander. Die Studierenden reflektierten dort Fragen von Erinnerungskultur, politischer Repression und gesellschaftlicher Aufarbeitung. Ergänzt wurde diese Auseinandersetzung durch den Besuch des Museums House of Leaves, das die Geschichte des albanischen Geheimdienstes Sigurimi dokumentiert und die systematische Überwachung der Bevölkerung während der Diktatur erfahrbar macht.
Sozialpolitische Herausforderungen und zivilgesellschaftliches Engagement
Auch aktuelle sozialpolitische Fragestellungen standen im Fokus der Reise. Beim Besuch der Kinderrechtsorganisation CRCA Albania und der NGO Social Development Investment (SDI) erhielten die Studierenden Einblicke in die hiesige Kinder- und Jugendhilfe, die Etablierung von Schutz vor Gewalt an Frauen und Kindern und die Entwicklung beruflicher Perspektiven von Frauen in ländlichen Regionen. Für Prof.in Dr.in Marion Gerards waren dies besonders wertvolle Eindrücke: „Wir konnten mit den Kolleg_innen vor Ort unter anderem die aktuellen Herausforderungen diskutieren, soziale Sicherungssysteme in einer postsozialistischen Gesellschaft langfristig staatlich abzusichern.“
Kulturelle Bildung und internationale Vernetzung
Im Goethe-Zentrum Tirana sprach die Gruppe mit der Leiterin Alketa Kuka über kulturelle Bildungsarbeit, Sprachunterricht und Migration. Prof.in Dr. Damaris Nübel resümiert: „Dabei wurde deutlich, welche Bedeutung Sprache, kultureller Austausch und internationale Mobilität für gesellschaftliche Teilhabe und persönliche Zukunftsperspektiven besitzen.“
Ein besonderer Höhepunkt war das Austauschtreffen mit Studierenden der Sozialen Arbeit an der Universität Tirana sowie deren Dozentin Prof.in Dr.in Juliana Ajdini. In intensiven Gesprächen tauschten sich die Studierenden über Studienbedingungen, gesellschaftliche Herausforderungen und Perspektiven Sozialer Arbeit in Deutschland und Albanien aus. Damaris Nübel und Marion Gerards möchten den begonnenen Austausch künftig weiter ausbauen und Möglichkeiten für eine langfristige Kooperation entwickeln. Diese Idee trifft auf ein starkes Interesse auf Seiten der albanischen Kolleg_innen an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tirana, wie sowohl vom Dekan als auch von Juliana Ajdini unterstrichen wurde.
Fachlicher Austausch und kulturelle Begegnungen
Neben den fachlichen Programmpunkten bot die Studienreise zahlreiche Gelegenheiten zur gemeinsamen Reflexion, zum transkulturellen Austausch und zum Besuch kultureller Veranstaltungen, etwa in der Nationaloper Tirana. Hier profitierten alle Teilnehmenden von den vorbereiteten Kurzvorträgen zu kultureller Identität, zu Theater, Literatur, Kunst und Musik sowie zur religiösen Vielfalt in Albanien.
Prof. Dr. Marion Gerards
Professorin für Ästhetik und Kommunikation in der Sozialen Arbeit, Schwerpunkt Musik / Leiterin des Instituts für angewandte Bildungs- und Diversitätsforschung (IBuD) / MAV Aachen
Aachen, Sozialwesen
Prof'in Dr. Damaris Nübel
Professorin
Aachen, Sozialwesen