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Theorie und Praxis im Dialog: Zwei ausgezeichnete Perspektiven auf Soziale Arbeit

Beim Auftakt eines neuen Diskussionsformats an der katho in Aachen präsentierten die diesjährigen Preisträgerinnen des katho-Preises ihre ausgezeichneten Abschlussarbeiten und diskutierten mit Studierenden und Hochschulangehörigen ihre Ergebnisse.

Gut besuchte Diskussionsrunde mit den katho-Preisträgerinnen

Es war der erste Abend in diesem neuen Format – und er erwies sich als gelungener Auftakt. Die Preisträgerinnen stellten nacheinander die Themen ihrer Abschlussarbeiten in kurzen, prägnanten Inputs vor und luden das Publikum zur Diskussion ein. Rund 25 Studierende und Angehörige der katho waren der Einladung gefolgt und nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch.

Die Begrüßung zu Beginn der Veranstaltung übernahmen die beiden katho-Preis Jury-Mitglieder  Prof. em. Dr. Christof Stock sowie Prof.in Dr.in Damaris Nübel. Mit Hilde Scheidt, ehemalige ehrenamtliche Bürgermeisterin der Stadt, war ein weiteres Jury-Mitglied unter den Gästen. Die Beiträge spannten inhaltlich den Bogen von Kritischer Theorie bis hin zu konkreten Handlungsansätzen in der Praxis der Sozialen Arbeit. 

Theorie als Werkzeug: Soziale Arbeit im Spannungsfeld von Care und Neoliberalismus 

Den ersten Input gestalteten Hanna Froesch und Lisa Fenzl mit ihrer theoretisch anspruchsvollen Masterarbeit: „Die Verstrickung Sozialer Arbeit als weibliche Care-Arbeit im Neoliberalismus – eine marxistisch-feministische Analyse in Anlehnung an Nancy Fraser“. Beide haben den Masterstudiengang Bildung und Teilhabe an der katho in Aachen absolviert und arbeiten aktuell in der Praxis: Hanna Froesch im Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Aachen, Lisa Fenzl im Ambulant Betreuten Wohnen des Vinzenzheims.

Die Gemeinschaftsarbeit verbindet feministische Theorie – insbesondere die Ansätze von Nancy Fraser – mit einer kritischen Analyse der Sozialen Arbeit und entwickelt daraus einen Analyserahmen, der Macht- und Kapitalismuskritik mit professionsethischen Bezügen wie dem Tripelmandat und den Menschenrechten verknüpft.

Im Zentrum steht Frasers Vorder-/Hintergrund-Modell mit dem die vier zentralen Spannungsfelder feminisierter Care-Arbeit im Neoliberalismus untersucht wurden: Rassismus, Re-/Produktion, Demokratie/Staat sowie Natur/Ökologie. Die zentrale These lautet, dass Soziale Arbeit als feminisierte Care-Arbeit zugleich Systemstütze und Systemkritikerin sei – ein Dilemma, das durch Ökonomisierungsprozesse zusätzlich verschärft werde, etwa durch eine zunehmende Output-Orientierung im Hilfeplangespräch (§ 36 SGB VIII).

Die theoretische Dichte der Arbeit führte bei den anwesenden Studierenden zunächst zu erstaunten Nachfragen: Wie gelingt es, ein solch komplexes Werk zu verfassen – und vor allem, den Schreibprozess durchzuhalten? Die Autorinnen berichteten von ihrem Vorgehen: feste Arbeitszeiten an der Thesis, gegenseitige Motivation und eine klare Strukturierung des Schreibprozesses.

Praxis als Handlungsfeld: Soziale Arbeit in der Palliative Care

Nach diesem stark theoretischen Beitrag folgte ein Perspektivwechsel hin zur praktischen Anwendung: Leonie Fabry und Elisa Runchina stellten ihre praxisorientierte Bachelorarbeit vor: „Soziale Arbeit im Kontext von Palliative Care. Implementierung von Hospizkultur und Palliativkompetenz in der stationären Altenhilfe“.

Die Autorinnen zeichnen die Entwicklung der Hospizbewegung und des Palliative-Care-Konzepts nach und arbeiten zentrale rechtliche Rahmenbedingungen heraus – insbesondere das seit 2015 geltende Hospiz- und Palliativgesetz. Trotz dieser gesetzlichen Verankerung sei – so die Autorinnen – die Umsetzung in der stationären Altenhilfe bislang noch nicht flächendeckend gelungen.

Sie zeigten auf, welche Aufgaben Soziale Arbeit in diesem Kontext übernimmt – von Trauerbegleitung bis zur Netzwerkarbeit im Sterbeprozess. Besonders deutlich wird die Spannung zwischen administrativen Anforderungen, etwa im Eingewöhnungsmanagement oder in der Biographiearbeit, und der Notwendigkeit einer professionellen, ethisch fundierten Sterbebegleitung.

Ihr Kurzinput endete an dem Abend mit konkreten Konzeptvorschlägen zur stärkeren Verankerung von Hospizkultur und Palliativkompetenz in der stationären Altenhilfe. Das Thema erwies sich als besonders anschlussfähig für das Publikum: Mehrere Studierende brachten eigene Erfahrungen aus vorherigen Ausbildungen in der Pflege oder Tätigkeiten im Sozialdienst von Altenheimen und Krankenhäusern ein. Die Diskussion entwickelte sich entsprechend lebendig und praxisnah. Gerade dieser intensive Austausch machte den besonderen Charakter des neuen Formats deutlich. Zum Abschluss der Diskussion betonten die Autorinnen die Bedeutung ihres Themenfeldes und plädierten dafür, der Palliative Care im Studium der Sozialen Arbeit mehr Raum zu geben.

Zwei Seiten einer Medaille: Theorie und Praxis im Austausch

Die beiden vorgestellten Arbeiten verdeutlichen eindrucksvoll, wie eng Theorie und Praxis in der Sozialen Arbeit miteinander verbunden sind: Während die eine Perspektive grundlegende Strukturen und Widersprüche sichtbar macht, zeigt die andere konkrete Handlungsansätze für die Praxis der Palliative Care auf. Beide Perspektiven erweisen sich als unverzichtbar – die eine, um bestehende Systeme kritisch zu reflektieren, die andere, um tragfähige Lösungen zu entwickeln. Der Abend machte deutlich: Gute Soziale Arbeit braucht beides – analytische Schärfe und praktische Umsetzungskompetenz.

 

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