ESCapade: Familienorientierte Intervention bei Computersucht - Externe Evaluation
Die ständige technologische Weiterentwicklung erhöht das nicht unbeachtliche Risikopotenzial für pathologische Computer-Nutzungsmuster bei Kindern und Jugendlichen; Muster, welche u. a. bei Kindern und Jugendlichen die Problemlösekompetenzen behindern und bei allen Familienmitgliedern nachhaltige Beeinträchtigungen in ihrer sozialen und beruflichen Teilhabe bewirken können. Demgegenüber mangelt es den professionellen Hilfesystemen zumeist an adäquaten Beratungs- und Hilfsangeboten.
Mit dem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt ESCapade wurde ein Beratungs- und Hilfsangebot für Familien, in denen mindestens ein Kind ein problematisches Computernutzungsverhalten aufweist, entwickelt. ESCapade beinhaltet ein zielgruppenspezifisches familienorientiertes Interventionsprogramm, welches die Erarbeitung von systemischen und individuellen Lösungsstrategien ermöglicht und so die langfristige Stabilisierung der Jugendlichen begünstigt.
Projektbeschreibung
Laut der Jim-Studie (2009) verfügen 98 % der deutschen Haushalte über einen Internetzugang, 54 % der Jugendlichen im Alter von 12-17 Jahren über einen eigenen Zugang im Kinder- bzw. Jugendzimmer. Hierdurch ergibt sich ein erhebliches Risikopotenzial für eine problematische Computernutzung bei Kindern und Jugendlichen, ein Problem, das sich aufgrund der technologischen Entwicklung in Zukunft sogar noch verschärfen wird. Spezifische Hilfsangebote sind bisher aber eher rar vorhanden.
Zunächst wurde ein Manual zur Durchführung eines familienorientierten Interventionsprogramms erstellt und ein methodisch-didaktischer Leitfaden für Beratungsgespräche entwickelt. Daraufhin konnten die geplanten Interventionen durchgeführt werden, welche sich in drei Teile gliedern:
- zunächst findet ein Erstgespräch mit den einzelnen Familien statt;
- bis zu sechs Familien nehmen dann gleichzeitig an einem Seminartag teil, welcher die Themen Psychoedukation, Erlebnispädagogik und Kommunikationstraining aufgreift;
- in zwei darauf folgenden individuellen Familiengesprächen werden u. a. gemeinsam konkrete und für die Familie adäquate Handlungsstrategien vereinbart; in einem Abschlussgespräch können Vereinbarungen überprüft und ggf. korrigiert werden.
Die Studienkonzeption und Gesamtkoordination wurde von der Fachstelle für Suchtprävention der Drogenhilfe e.V. Köln übernommen. Vier weitere Suchtpräventions- und Beratungsstellen in Deutschland beteiligten sich an der Umsetzung dieses Programms.
Ergebnisse
Ausführliche Ergebnisse finden Sie auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums als Projektträger. Folgen sie dafür den Link.
Publikationen
Mücken, D., Abke, C., Schaunig-Busch, I., Klein, M. & Keller, K. (2011). Bundesmodellprojekt ESCapade- Hilfe bei Gefährdung durch problematische Computernutzung – Die Evaluation eines familienbasierten Präventionsprogramms. Suchttherapie, 12, S-35-2.
Kongress- und Tagungsbeiträge
- Abke, C., Weise, B., Keller, K. & Klein, M.: "Das Bundesmodellprojekt ESCapade - Ein familienorientiertes Interventionsprogramm zur Prävention vom Onlinesucht". Vortrag auf dem Kongress des Fachverbands Sucht (Heidelberg, 19.06.2012)
- Mücken, D., Abke, C., Schaunig-Busch, I., Klein, M. & Keller, K.: Bundesmodellprojekt ESCapade- Hilfe bei Gefährdung durch problematische Computernutzung – Die Evaluation eines familienbasierten Präventionsprogramms. Vortrag auf dem Deutschen Suchtkongress (Frankfurt, 30.09.2011)
Angaben zum Projekt
Bundesministerium für Gesundheit
Förderzeitraum: Oktober 2010 bis Dezember 2012
Förderkennzeichen: IIA5-2510DSM219
Prof. Dr. Michael Klein
Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung
Dipl.-Psych. Karsten Keller
Zitierte Literatur
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (2009). JIM-Studie 2009. Jugend, Information, (Multi-) Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart: mpfs. Online verfügbar unter: http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf09/JIM-Studie2009.pdf