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Forschungsprojekt HospInk: Modelldurchführung erfolgreich beendet

Das Forschungsprojekt „HospInk - Hospizbegleitung Inklusiv“ hat das Ziel, Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung mithilfe eines zielgruppenangepassten Fortbildungsprogramms zu Expert_innen in den Themen Sterben und Tod auszubilden. Diese Qualifikation befähigt sie, als ehrenamtliche Hospizbegleitungen tätig zu werden und somit zu einem fürsorglichen Gemeinwesen teilhabend beizutragen. Zugleich wird ein bedeutsames Feld zivilgesellschaftlichen Engagements für eine Personengruppe eröffnet, die in dieser wichtigen sozialen Rolle bislang eher unsichtbar geblieben ist.

Bei der Abschlussveranstaltung werden in einem Gallerywalk noch einmal alle Kursthemen veranschaulicht.

Alle Teilnehmer_innen erhalten ihre Abschlussbescheinigung und eine Rose.

Die zehn Teilnehmer_innen, die Referierenden sowie Projektleiterin Prof.in Dr.in Sabine Schäper (2. v.l.), die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Jenni Walther (re.) und die Wissenschaftliche Hilfskraft Lea Golz (1. v.l.) sind stolz auf das Erreichte.

HospInk ist ein Forschungsprojekt des Instituts für Teilhabeforschung der katho am Standort Münster.

In den letzten Jahren rückt die Palliativversorgung sowie die hospizliche Begleitung von älter werdenden Menschen mit Behinderung verstärkt in den Fokus. Themenbezogene Forschungsergebnisse belegen eine höhere Lebenserwartung von Menschen mit Behinderung und eine zunehmende Sterberate in den Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe. Zugleich zeigen Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt PiCarDi („Palliative Care und hospizliche Begleitung für Menschen mit geistiger und schwerer Behinderung“)1, dass die Kompetenz von Menschen mit Behinderung in der Auseinandersetzung mit Fragen zum Thema Sterben oft unterschätzt und ihre potenzielle Rolle als (Peer-)Begleiter_innen am Lebensende häufig übersehen wird, obwohl sie aufgrund ihrer langjährigen Wohnsituation in den Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe wichtige Bezugspersonen darstellen.

Die Projektidee von HospInk basiert auf dem in Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention zugesprochenen Grundrecht auf einen gleichberechtigten Zugang zu Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen für Menschen mit Behinderung. Bisher sind Bildungsangebote für Menschen mit Behinderung, die sich mit den Themen wie Sterben und Tod aus ihren eigenen Erfahrungen und Vorstellungen heraus auseinandersetzen möchten, selten zu finden.

Pilotkurs zur ehrenamtlichen Hospizbegleitung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung

Vor diesem Hintergrund fand vom 12. Juni 2025 bis zum 14. Januar 2026 im Rahmen des durch die LWL-Sozialstiftung geförderten Forschungsprojektes HospInk eine Pilotdurchführung in der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld statt, an der zehn Personen mit kognitiver Beeinträchtigung teilnahmen. Am 14. Januar 2026 endete die Pilotdurchführung mit einer feierlichen Abschlussveranstaltung.

In 93 Unterrichtseinheiten an zwölf Tagen, verteilt auf fünf Blöcke qualifizierten sich die Kursteilnehmenden für die Tätigkeit als Ehrenamtliche Hospizbegleitungen. Beim Abschlussfest konnten alle Anwesenden, von der Vertreterin der LWL-Sozialstiftung, dem Forschungsteam, den Praxisvertreter_innen bis hin zu Unterstützungspersonen und Angehörigen, Zeug_innen davon sein, was die Gruppe erreicht hat und wie den Teilnehmenden die Abschlussbescheinigung übergeben wurde.

Das Gemeinschaftsgefühl war deutlich zu spüren. „Wir haben uns alle geholfen und stark getragen“, beschrieb ein Teilnehmender als wichtigste Erkenntnis in dem Abschlussritual. „Wir haben geweint, weil das Sterben ein schweres Thema ist, aber auch viel gelacht“, ergänzte eine Teilnehmerin.

Das Curriculum von HospInk orientiert sich mit seinen Inhalten eng an der Rahmenempfehlung des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes (DHPV) und wurde methodisch an die Zielgruppe angepasst. Während des Abschlussfestes hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Kursthemen im Rahmen eines Gallery Walks den Anwesenden zu präsentieren.

Finales Curriculum wird Perspektive der Teilnehmenden besonders berücksichtigen

Für die Entwicklung des finalen Curriculums ist die Berücksichtigung der Perspektive der Teilnehmenden besonders wichtig. Daher wurden die Teilnehmenden nach jedem Block in Evaluationsgesprächen um ihre Rückmeldung zu Inhalten des Kurses und zu Rahmenbedingungen der Durchführung gebeten. „Wir konnten sagen, was uns gefällt und was nicht, dadurch wurde der Kurs und unsere Gruppe immer besser“. Dies hat nicht nur maßgeblich zur Qualität des Curriculums beigetragen, sondern bestärkte die Teilnehmenden in ihrem Selbstwirksamkeitserleben. Inhaltliche Bausteine, die zu Beginn eine große Herausforderung darstellten, wurden entsprechend angepasst und wurden zum Abschluss von den Teilnehmenden als hilfreich und sinnvoll betrachtet, um sich mit den Fragen in der Begleitung von Menschen am Lebensende auseinanderzusetzen.

Die erfolgreiche Durchführung des Kurses verdeutlicht die Tragfähigkeit der Projektidee und bestätigt damit die Grundidee: Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung möchten sich auch mit den schwierigen Fragen des Sterbens auseinandersetzen, um andere Menschen in der letzten Lebensphase gelingend begleiten zu können. Die Teilnehmenden wünschen sich weitere Bildungsangebote und möchten sich in der ehrenamtlichen Hospizbewegung engagieren. Für die Weiterentwicklung einer partizipativen Hospizkultur bedarf es jedoch nicht nur der Veröffentlichung eines zielgruppenangepassten Curriculums, sondern auch einer inklusiven Gestaltung bestehender Angebote und der Förderung von Teilhaberechten von Bildungsstätten, ambulanten Hospizdiensten und Einrichtungen der Eingliederungshilfe. Eine inklusive Ausrichtung hospizlicher Arbeit stellt ein großes Potential dar – auch im Sinne der Idee, dass alle Menschen in ihrem sozialen Umfeld als „Caring Community“ wechselseitig unterstützen und bereichern.

1 Ergebnisse des Projektes sind auf der Projekthomepage www.picardi-projekt.de einsehbar. Dort finden sich auch zahlreiche Materialien für die Begleitung von Menschen mit Behinderung.

 

Das Forschungsprojekt HospInk wird gefördert durch die LWL Sozialstiftung.

Prof. Dr. theol. Sabine Schäper

Prof. Dr. theol. Sabine Schäper

Münster, Sozialwesen

Jenni Walther

Jenni Walther

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Münster, Sozialwesen

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