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„Politik hat versäumt, das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit zu berücksichtigen“

Am vergangenen Donnerstag (25. November) haben Schüler_innen aus ganz Deutschland an die Mitglieder des neuen Deutschen Bundestages ihren „Appell aus der Jugend“ übergeben. Das Ziel ihrer Initiative #1von14Mio: Die neue Bundesregierung soll die junge Generation ernsthaft an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen beteiligen und eine neue Haltung gegenüber der Jugend einnehmen. Prof‘in Dr. Heike Wiemert und Prof‘in Dr. Marion Gerards gehören zu den Unterzeichner_innen. In welcher Notlage sie die junge Generation sehen, erklären sie in ihren Statements.

Heike Wiemert

(Professorin für Theorien, Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit und Dekanin am Standort Köln)

„Die Rechte von Kindern und ihr Wohl sind zentrale Themen, die ich im Rahmen von Lehre und Forschung verfolge. Insbesondere die Frage des Schutzes von Kindern und ihre psychische Gesundheit in Pandemiezeiten beschäftigen mich in hohem Maße sowie die zu bahnenden Wege, damit der Stimme von Kindern und Jugendlichen Gehör geschenkt wird und ihre Sorgen und Bedürfnisse wahr- und ernstgenommen werden.

Dazu gehört ihr Recht auf Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung, Mitbestimmung, Einbeziehung, aber auch Beschwerde den Kindern und Jugendlichen zuzusichern. Es gilt, Kinder und Jugendliche zur gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe zu befähigen.

Insbesondere armutsbetroffene Kinder und Jugendliche, aber auch jene mit (drohender) Behinderung erleben im Alltag eine zusätzlich stark belastende Gemengelage. Neben sozialer Isolation bekommen sie die Sorgen um die wirtschaftliche Situation der Familien mit – umso mehr, je geringer das Einkommen ist. Diese Aspekte müssen genauso wie die Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen stärker in das politische und öffentliche Interesse gerückt werden und es muss gegengesteuert werden. Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien, denen finanzielle Ressourcen und genügend großer Wohnraum fehlen, drohen nachhaltig zu den Verlierer_innen der Pandemie zu werden.

Um einen Beitrag zur Sensibilisierung von Fachkräften zu den Themen Kinderrechte, Partizipation und Schutz vor Gewalt inner- und außerhalb sozialpädagogischer Institutionen zu leisten, habe ich die Weiterbildung „Handlungssicher im Kinderschutz“ konzipiert, die darauf abzielt, Fachkräfte aus den Bereichen Kita, Schule, Gesundheitswesen und Jugendämtern handlungssicher in Fragen des Kinderschutzes, des Kindeswohls und der Partizipation zu machen.“

 

Marion Gerards

(Professorin für Ästhetik und Kommunikation in der Sozialen Arbeit, Schwerpunkt Musik, am Standort Aachen)

„Als Professorin für Ästhetik und Kommunikation in der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Musik sehe ich die Kinder und Jugendlichen aktuell in ‚armen‘ Zeiten: Ihnen ist während der Pandemie das Recht auf schulische Bildung und auch das Recht auf kulturelle Bildung und Teilhabe immer wieder verwehrt worden – mit Rücksicht auf den Schutz der älteren Generation.

Die Älteren haben nach der Impfung ihre Rechte schnell wiederbekommen: Sie gehen wieder ins Restaurant oder machen Kreuzfahrten, gehen ins Fußballstadion oder auf den Weihnachtsmarkt. Doch die Politik hat es versäumt, das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit zu berücksichtigen – vielmehr nimmt sie aktuell die Infektion der Kinder unter 12 Jahren, die noch nicht geimpft werden können, billigend in Kauf. Die Kinder und ihre Familien müssen bei einer Infektion (wieder) in Quarantäne, sie müssen schon wieder ihre Kontakte reduzieren und sich bei Sport, Kino, Musik, Theater und Feiern einschränken. Die Rechte der Älteren auf Urlaube und Freizeitaktivitäten werden also höher gewertet als die Kinderrechte und das Recht auf Bildung und Teilhabe.

Die geschlossenen Musikschulen, die entfallenen Theateraufführungen oder gekappte Musik- und Kulturangebote haben negative Auswirkungen auf die Psyche der Kinder und Jugendlichen. Kultur ist kein Add-on, sondern wichtig für ein gelingendes Aufwachsen. Wir als Hochschule haben dem im Rahmen unserer Möglichkeiten Rechnung getragen: mit einer Theateraufführung „Oh, wie schön ist Panama“ für Kinder oder mit der Veranstaltung „Kultur trotz(t) Krise? Kulturelle Teilhabe und Teilgabe in Zeiten der Corona-Pandemie“. Aber es braucht mehr gesellschaftliche Solidarität und mehr Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Kinder. Kinder und Jugendliche sind auf unseren Schutz und unsere Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer Rechte angewiesen, deswegen habe ich die Petition gerne unterzeichnet.“

 

Kontakt

Prof'in Dr. Heike Wiemert

Dekanin / Professorin für Theorien, Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit

Köln, Sozialwesen

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Prof. Dr., Dipl.-Sozialpädagogin Marion Gerards

Professorin für Ästhetik und Kommunikation in der Sozialen Arbeit, Schwerpunkt Musik / Gleichstellungsbeauftragte Abteilung Aachen / Leiterin des Instituts für angewandte Bildungs- und Diversitätsforschung

Aachen, Sozialwesen

Soziales katho
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